Klar, könnten sich die Seeburger ihren Christbaum in einem Markt kaufen. Oder sonst wo in der Umgebung. Doch sie warten lieber geduldig bis Fichten und Weiß- oder Nordmanntannen in ihrem kleinen Ort zu haben sind: Zum 19. Mal fand am Samstag die Christbaumversteigerung statt, eine beliebte Pflichtveranstaltung für die Dorfbewohner. „Eine der schönsten im ganzen Jahr“, erklärt ein Seeburger begeistert. Denn sie stärkt die Dorfgemeinschaft, in lockerer Runde wird gewitzelt und gefrotzelt, treiben die Bietenden die Preise hoch und wird in großer Runde der -  womöglich etwas überteuerte - Kauf kommentiert. Denn die Versteigerung dient einem guten Zweck: Der Erlös kommt dem Sportverein zu.

Absolut regionale Bäume

Da gibt der ein oder andere etwas mehr Geld für seinen Christbaum aus, als er eigentlich im Sinn hatte. „Ich sehe es als eine Art Spende an“, gibt denn auch eine Frau zu, die gerade das Nachsehen hat: Die anvisierte Nordmanntanne geht nicht in ihren Besitz über, sie muss später noch einmal ins Geschehen eingreifen.

Dreh- und Angelpunkt der Aktion ist Dietmar Schweizer, der die Bäume in origineller Art und Weise, mit lustigen Sprüchen an den Mann, die Frau oder das Kind bringt – denn der ein oder andere Junge oder Mädchen darf im Auftrag der Eltern mitbieten: „40 Euro“, ruft  eine Grundschülerin selbstbewusst in die Runde, bekommt den Zuschlag jedoch nicht. Später übernimmt der Papa das Kommando, nicht ganz so lautstark wie die Tochter vorher: „Lass das ruhig dein Mädle machen“, kommentiert Auktionator Schweizer. „Die hab ich besser gehört.“

45 Bäume hat er bei einem Händler in Münsingen besorgt, sie alle sind dort oder auf der Balinger Alb gewachsen: „Absolut regional“, preist er sie an. Das Plus: Er kann übrig gebliebene Exemplare wieder zurückgeben. Einige finden tatsächlich keine Käufer, manche zunächst ausgemusterte Exemplare finden dann doch den Weg in ein Wohnzimmer: „An dem Baum hatte zunächst niemand ein Interesse“, meint einer der Helfer vom Sportverein und freut sich über seinen Coup. „Ich hab ihn einfach nochmal zur Versteigerung gegeben.“ Und siehe da, er bringt plötzlich 47 Euro – für kurze Zeit ist dies der Spitzenpreis. Getoppt nur von der letzten Nordmanntanne, die zur Versteigerung kommt und 50 Euro bringt. Der Käfer des teuersten Baums kann sich freuen, bekommt er doch eine Rote Wurst oder einen Glühwein gratis dazu.

Längst ist die Christbaumversteigerung zu einem Event geworden, bei dem es um mehr geht als den Verkauf von Bäumen: Die Seeburger kommen so kurz vor Jahresende noch einmal zusammen. In ihrer gemütlichen Runde begrüßen sie immer mehr Auswärtige, die von der kurzweiligen Veranstaltung gehört haben. Uracher, Münsinger und sogar ein Ehepaar aus Tübingen sind zum Seeburger Rathaus gekommen. „30 Euro für dieses Prachtexemplar ist viel zu wenig“, stachelt Dietmar Schweizer die Bieter an. „In Tübingen müsstet ihr 45 Euro dafür bezahlen“, meint er mit Blick auf die Gäste aus der Stadt.

 Ist der Baum zu groß – kein Problem: Mit der Motorsäge wird er passend gemacht. Doch manche Bieter ersteigern ein Exemplar, das partout nicht an den angestammten Christbaum-Platz passen wird: „Auf was habe ich mich da eingelassen?“, fragt sich ein junger Mann etwas verzweifelt. Macht nichts, der Spaß war’s wert. Spätestens um die Weihnachtstage werden die Dorfbewohner dann nachschauen, was aus den ersteigerten Bäumen geworden ist: Dann steht das Christbaumloben an.

45


Bäume hat Dietmar Schweizer für die Christbaumversteigerung besorgt. Allesamt gewachsen auf der Münsinger und Balinger Alb und damit absolut regional.