Politik Özdemirs Wutrede sorgt für Begeisterung

Cem Özdemir bei seiner Rede im Bundestag.
Cem Özdemir bei seiner Rede im Bundestag. © Foto: dpa
Berlin/Bad Urach / Alexander Thomys 23.02.2018
Der Bad Uracher Bundestagsabgeordnete antwortet auf den „tobenden Mob“, der jüngst seine „Abschiebung“ gefordert hatte.

Als Antwort auf eine Forderung der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), der Bundestag und die Bundesregierung möge satirische Beiträge des Journalisten Deniz Yücel als „deutschenfeindlich“ missbilligen, hielt der gebürtige Bad Uracher Cem Özdemir (Grüne) eine emotionale und persönliche Rede, die auf ein großes Medienecho gestoßen ist und auch in den sozialen Netzwerken eine rasche Verbreitung fand.

Der frühere Bundesvorsitzende der Grünen kritisierte den Antrag der AfD als Angriff auf die Pressefreiheit und warf der Partei vor, sich eine Gleichschaltung der Medien wie zur Zeit des Nationalsozialismus. Eine „oberste Zensurbehörde“ würde es in Deutschland nicht geben, wohingegen die Pressefreiheit im „Wortschatz der AfD nicht enthalten“ sei. „Sie verachten alles, wofür unser Land in der Welt geachtet und respektiert wird“, hielt Özdemir der AfD-Fraktion vor. „Die Erinnerungskultur, die Vielfalt.“ Ebenso würde die AfD Menschen verachten, deren Vorfahren aus Russland oder Anatolien kommen würden, und „die stolz darauf sind, Bürger dieses Landes zu sein“. Die AfD hingegen würde „die Werte der Aufklärung“ verachten.

Am Ende seiner Rede geht Özdemir auf persönliche Angriffe ein, welche bei einer Aschermittwochsdebatte der AfD aufgekommen waren. Als André Poggenburg dabei auf Özdemir zu sprechen kam, gab es unter den Zuhörern Rufe, die eine Abschiebung des Grünen-Politikers forderten (wir berichteten in unserer Samstags-Rubrik „Die Woche“). Er werde es ihnen „leicht machen“, kündigte Özdemir daraufhin im Bundestag an: Schon am Samstag werde er in den Flieger nach Stuttgart steigen, dann in die S-Bahn und den „Endbahnhof Bad Urach“ erreichen. „Ich lasse mir meine schwäbische Heimat von ihnen nicht kaputt machen“, rief Özdemir am Ende seiner emotionalen Rede. Und in Richtung der AfD zeigte er sich sicher, dass „Deutschland stärker ist, als es Ihr Hass jemals sein wird.“

Als „Abrechnung mit der AfD“ bezeichneten „Die Welt“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Özdemirs Rede. Die „Tagesschau“ veröffentlichte die Rede in voller Länge auf ihrer Internetseite. Und auch sonst fand Özdemirs Rede online eine große Resonanz: Allein auf seiner Facebookseite wurde der Mitschnitt der Rede aus dem Bundestag bis gestern Mittag über 14 800 Mal mit einem Lob versehen und weit über 5400 Mal geteilt. Özdemir hat zugleich eine Diskussion angestoßen: In über 2000 Kommentaren wird über seine Rede diskutiert, zum Teil mit heftigen Ausschlägen in alle politischen Richtungen; in den sozialen Medien ist das heute nicht überraschend.

Auf der Facebookseite unserer Zeitung kommentierte unter anderem Uli Bühle aus Bad Urach die Rede des Bundestagsabgeordneten: „Es war an der Zeit für eine solche Wutrede. In dem Deutschland, das die AfD gerne hätte, möchte ich nicht leben. Es wäre schön, wenn sich auch Abgeordnete anderer Parteien so eindeutig positionieren würden.“ Steffen Buck zeigte sich ebenfalls angetan. „Deutlich, deutlicher, Cem Özdemir“, schrieb der Bad Uracher. Und weiter: „Wir Bad Uracher sind stolz auf Dich. In Deiner Heimat bist Du immer willkommen.“