Dettingen an der Erms / CHRISTINA HÖLZ  Uhr
Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als dreimal so viele Kinder wie bislang besuchen die Dettinger Schillerschule, seit die sich Gemeinschaftsschule nennen darf. Der große Umbau startet im August 2017.

Die Türen zu den Klassenzimmern stehen halb offen; draußen auf dem Lichthof haben sich Schüler und Lehrer kleine Lerninseln gebaut. Zu viert üben die Kinder Mathe an runden Tischen. Platz nimmt dort, wer die neue Formel bereits verstanden hat und sich an komplizierteren Aufgaben versuchen will.

Während die Mädchen und Jungen, die noch nicht ganz so weit sind, im Klassenzimmer weiter auf Unterstützung der Pädagogen zählen können. So lange, bis auch sie wissen, wie's geht.

Lernen an der Gemeinschaftsschule: Schüler individuell zu fördern, ist das große Thema des pädagogischen Modells, das auch die Dettinger Schillerschule seit dem Herbst 2013 praktiziert. Mit Erfolg, zieht Schulleiter Stefan Hertl jetzt eine Bilanz. Nicht nur die Schülerzahlen seien in Dettingen enorm gestiegen - und zwar von noch 17 Fünftklässlern im vorletzten Jahr der Werkrealschule auf mittlerweile 53 Gemeinschaftsschüler im ersten Jahr der Sekundarstufe. Auch das pädagogische Konzept scheint an der Schillerschule aufzugehen, betonte der Rektor am Rande eines Besuchs des Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler (SPD), des Dettinger Bürgermeisters Michael Hillert sowie des Hauptamtsleiters Ralf Barth an der Schillerschule.

Dem verbreiteten Vorbehalt etwa, an der Gemeinschaftsschule blieben schwächere Schüler auf der Strecke (weil sie nicht ausreichend gefördert werden können), setzen die Dettinger ihre eigenen Erfahrungen entgegen: "Bei uns ist das definitiv nicht der Fall - das hat sich in den vergangenen zwei Jahren gezeigt", urteilt Stefan Hertl. Und sein Kollege Jochen Kuhn, Lehrer in besagter Matheklasse, bestätigt: In einem differenzierter Unterricht bleibe genügend Zeit für Schüler mit Fragen und Nachholbedarf. "Dann erklären wir den Sachverhalt eben einmal mehr."

Apropos differenzierter Unterricht: Den praktizieren die Dettinger rein räumlich gesehen noch in einer Art Provisorium, so Stefan Hertl. Räume für die Lerngruppen gibt es nämlich wegen des Platzmangels nicht - weswegen die Kinder momentan noch zum Üben auf den Flur ausweichen müssen. Das soll sich jedoch ändern, wenn die Gemeinde Dettingen die geplante Sanierung der Schillerschule angeht. Mit dem Großprojekt möchte der Schultträger einerseits baulich bessere Bedingungen für die Gemeinschaftsschule und ihr pädagogisches Konzept schaffen - andererseits die Weichen stellen für den in Zukunft einzigen Dettinger Schulstandort.

Wie mehrfach berichtet, hatte der Gemeinderat Mitte des Jahres beschlossen, die Uhlandschule mittelfristig zu schließen und mit allen Grundschülern in die Schillerschule zu ziehen. Ehe es soweit ist, muss die Gemeinde aber ordentlich Geld in die Hand nehmen: 15 Millionen Euro hat Bürgermeister Michael Hillert jetzt als Obergrenze für das Projekt Schillerschule definiert. "Mehr geht mit mir nicht", sagte der Rathauschef, der sich aber nochmals klar zur Gemeinschaftsschule bekannte: "Eine Gemeinde mit knapp 10 000 Einwohnern darf sich eine weiterführende Schule leisten. Das ist eine Investition in die Zukunft", urteilte Hillert - auch mit Blick auf die rund 100 Geburten, die Dettingen jährlich verzeichnet.

Was die Umbau der Schillerschule angeht, liegt der Verwaltung nun übrigens ein Entwurf vor. Selbigen will der Gemeinderat eventuell bereits in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag, 10. Dezember, 19 Uhr, diskutieren.

Der Bürgermeister hadert indes vor allem mit den Ausgaben, die die Kommune in Sachen Brandschutz für die Schiller- und Uhlandschule (kleine Lösung) aufbringen muss. "Das führt zu einem Offenbarungseid und ist selbst für eine finanzstarke Gemeinde wie Dettingen kaum zu stemmen", sagte Hillert in Richtung des Landtagsabgeordneten Klaus Käppeler. Für den Umbau der Schillerschule müsse die Gemeinde geplante Baumaßnahmen streichen - unter anderem Vorhaben in puncto Tiefbau.

Von Klaus Käppeler indessen gab's ein Lob für die Arbeit der Pädagogen an der Dettinger Gemeinschaftsschule - und eine Ansage in Sachen Umbau. Da wolle auch das Land "eine ganze Menge" beitragen. Im Gespräch ist momentan etwa ein Drittel der förderfähigen Kosten.

Schillerschule: Die Fakten

Die Dettinger Schillerschule besuchen derzeit rund 400 Kinder, in der Gemeinschaftsschule werden auch Schüler aus Metzingen, Neuhausen, Bempflingen und Grafenberg unterrichtet. Der Umbau der Schule soll im August 2017 beginnen. Saniert wird nach derzeitigen Plänen gut zweieinhalb Jahre.

SWP