Während des Wahlkampfs war es eines seiner zentralen Versprechen. Nun, als amtierender Bürgermeister St. Johanns, verfolgt Florian Bauer nach wie vor das Ziel, zusammen mit den Einwohnern ein Gemeindeleitbild zu entwickeln. Bereits im Juli fand sich das Thema auf der Tagesordnung des Rats. Es folgten jüngst zwei Klausurtagungen mit Vertretern von den Kommunalberatungsagenturen, die ihre unterschiedlichen Ansätze vorstellten.

Grundsätzlich geht es um die langen Leitplanken, die die Geschicke der Gemeinde in Zukunft bestimmen werden. Ausdrücklich unter Mitwirkung der St. Johanner sollen in einem Findungsprozess Ideen, Vorstellungen und Ziele entwickelt werden, die Orientierung geben und das künftige Handeln der Gemeinde bestimmen. Statt auf Sicht will man also vorausschauend fahren. Im Zentrum steht die Antwort auf die Frage: Wo will St. Johann hin? Freilich hat jeder einzelne St. Johanner seine ganz eigene Antwort darauf. Nicht anders verhält es sich bei den Räten. Insbesondere sind aber auch Kommunalberatungsagenturen, die den Prozess begleiten, in der Lage, ihn zu formen. Je nach Ausrichtung und Blickwinkel stehen mal weiche Themen wie etwa Familien- oder Tourismusförderung im Fokus, mal hauptsächlich raum- und städtebauliche Aspekte.

Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich offenbar die beiden Agenturen, die der Gemeinde ihre Dienste angeboten haben. Eine Wahl steht also an, die den kommenden Beteiligungsprozess inhaltlich prägen wird und die, so Bürgermeister Bauer, zum jetzigen Zeitpunkt, da man sich im Rat inhaltlich kaum ausgetauscht habe, verfrüht käme. So jedenfalls seine Kritik am Antrag der Freien Wähler, bereits am Mittwoch eine der fraglichen Agenturen auszuwählen. Erst nach einer Sitzungsunterbrechung und einer internen Fraktionsbesprechung zog Helmut Schepper den Antrag im Namen der FWV wieder zurück.

Sich nicht schon am Mittwoch festlegen zu wollen, will Bauer indes nicht, wie von Schepper anheim gestellt als "Kehrtwende" verstanden wissen, sondern als Gelegenheit, sich nach der Vorstellung der Agenturen am vergangenen Freitag inhaltlich und nichtöffentlich mit den Agenturen und ihren Stoßrichtungen auseinanderzusetzen: "Die Diskussion hat mir zu wenig stattgefunden", erklärte er in der nun aufgekommenen Debatte. Sie zeige ihm zudem, dass das Thema noch nicht vollständig durchgedrungen sei. Hans Brändle etwa kritisierte die Kosten von bis zu 50 000 Euro, die er in der Beseitigung von Schlaglöchern besser investiert sieht. Dem entgegnete Bauer, dass die Entwicklung eines Gemeindeleitbilds nicht nur die Bürger mit ihren Ideen einbinde, sondern es künftig ein wesentlicher Schlüssel sein werde, um an Fördermittel zu kommen. Für ihn also keine reine Kostenfrage und zudem ein Werkzeug, das sich um mehr als um die räumliche Dimensionen der Planung kümmere, ließ er seine Präferenz durchblicken.

Schützendeckung erhielt Bauer von Rolf Rist. Auch er warnte vor einem Schnellschuss und davor, "ein zentrales Thema für die Gemeinde" zu zerreden. Wie für Ottmar Leyrer, ist für ihn der Konsens des Rats die Voraussetzung dafür, die Bürger auf breiter Front für den kommenden Prozess gewinnen und einbinden zu können. Letztlich entschloss sich der Rat bei einer Enthaltung dazu, 50 000 Euro einzustellen. Die Wahl der begleitenden Agentur soll über die Bühne gehen, nachdem sich Bauer mit den Listenvertretern besprochen hat.