Bad Urach Musizieren als Ausgleichssport

Musikvorträge und Instrumentenkunde, wie hier mit Musikpädagogin Barbara Straßer-Stoll und ihren Schützlingen Viktoria Wiedmann und Johanna Rebmann, standen in der Bad Uracher Schlossmühle auf dem Programm.
Musikvorträge und Instrumentenkunde, wie hier mit Musikpädagogin Barbara Straßer-Stoll und ihren Schützlingen Viktoria Wiedmann und Johanna Rebmann, standen in der Bad Uracher Schlossmühle auf dem Programm. © Foto: Simon Wagner
Bad Urach / Simon Wagner 13.03.2018

Scho-ko-la-de“: Erst so macht das Einzählen auf einen Viervierteltakt so richtig Spaß. Spaß, der bei der Musikschule Bad Urach ebenso wenig zu kurz kommt, wie steile Lernkurven.

Werbung in eigener Sache betrieb am Freitagabend die Musikschule beim Konzert von Kindern für Kinder „Wir für euch“. Die Jüngsten stellten sich, ihre unterschiedlichen Instrumente und vor allem kleine Kostproben ihres Könnens vor, welches sie sich als Musikschüler bereits nach kurzer Lehrzeit erworben hatten.

Musikbeiträge und Erklärendes

Mit kurzen Instrumentalbeiträgen wollten sie und ihre Musiklehrer Lust machen, selbst zu einem Instrument zu greifen. Ob als Teil eines Ensembles oder als Solist – ob an der Violine, am Cello, am Keyboard, als Bläser oder aber am krachenden Schlagzeug. Erklärendes und Wissenswertes über die jeweiligen Musikinstrumente und ihre Eigenheiten steuerten die verschiedenen Fachberater auch nach dem Konzert bei. Sie ermunterten die sowohl jungen als auch älteren Semester, sich eingehend über Möglichkeiten und Kursangebote zu informieren, die die Musikschule und ihre Außenstellen etwa in Hülben, Römerstein oder in Bad Urachs Stadtteilen vorhalten.

Von drei bis über 60

„Wir bieten alles an, außer Oboe, Fagot und Harfe“, erklärt die Leiterin der Musikschule, Ute Wieland. Rund 420 Schüler im Alter von drei bis über 60 Jahren besuchen die unterschiedlichen Kurse. 20 Lehrer kümmern sich und bieten von der musikalischen Früherziehung bis in den Seniorenbereich Maßgeschneidertes.

Die Schülerzahlen zeigen sich derweil stabil. Das aber nicht wegen, sondern trotz des G8. „Wir blicken mit Sorge auf die Schulentwicklung“, sagt Wieland, „das G8 hat uns zugesetzt.“ Insbesondere die Gruppen- und Ensemble­arbeit leide unter dem Turbo-Abi. Der enge Zeitplan der Schüler über den ganzen Tag hinweg, mache es zunehmend schwierig, gemeinsame Termine zu finden und die Gruppen unter einem Hut zu halten. Die Musikschule als eine Institution von vielen, stürze sich zusammen mit Vereinen auf die wenig verbliebenen Zeitlöcher. „Das sind Stundenpläne, die hatten wir kurz vor dem Studium nicht“, stöhnt Wieland.

Umso wichtiger wäre vor dem Hintergund des fortwährenden Drucks, die musische Bildung abseits des Leistungsdenken zu betonen. Musik ist für Wieland sozusagen Ausgleichssport. Von ihren Schülern fordert sie, im Gegensatz zu manchen Eltern, keine Ergebnisse in kurzer Zeit ab, sondern will ihnen Raum geben, um sich selbst zu orientieren und in der musischen Welt auszuprobieren.

Angebote für Senioren

Freilich hat Wieland nicht nur die junge Klientel im Blick, sondern auch die, die im Herbst ihres Lebens frühere Talente wiederbeleben oder sich den lange gehegten Kindheitswunsch erfüllen wollen. „Darauf müssen wir reagieren“, tüftelt die Schulleiterin immer wieder auch an einem veränderten Leistungsprofil.

Am Freitag freilich standen die jungen Musiker alleine im Rampenlicht und sorgten mit beachtlichen Beiträgen für immer wiederkehrenden Beifall. Wie man sich als Bühnenprofi dabei richtig verhält, stand auch auf dem Lehrplan: Mit einer formvollendeten Verbeugung.

420

Schüler besuchen derzeit die Musikschule. Am 1. April beginnt das neue Halbjahr. Anmelden kann man sich unter Telefon (0 71 25) 88 56 oder musikschule@musikschule-badurach.de.

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