Mailand, New York, Bad Urach? Scala, Metropolitan Opera, Herbstliche Musiktage? Nein, eben doch nicht. Er wäre eine kleine Sensation gewesen, der vor gut einem halben Jahr angekündigte Auftritt des weltweit gefragten Tenors Jonas Kaufmann bei den Herbstlichen Musiktagen. Seit Monaten haken Klassik-Fans im städtischen Kulturreferat wegen Reservierungen für das Konzert nach – dabei hat der Vorverkauf für den Bad Uracher Musikherbst noch nicht einmal begonnen. Gestern nun ging Kulturreferent Thomas Braun mit der Nachricht an die Öffentlichkeit: Jonas Kaufmann muss das für den 5. Oktober in der Kurstadt geplante Konzert absagen. Das Management des Sängers gibt als Grund für den Rückzug „Terminprobleme“ an. „Die Leitung der Herbstlichen Musiktage bedauert das zutiefst“, so Thomas Braun weiter.

Terminliche Überschneidungen zwischen Jonas Kaufmanns anvisiertem Gastspiel in Bad Urach und einem parallel laufenden Engagement an der Bayerischen Staatsoper in München bestünden in der Tat, sagte gestern Kaufmanns Manager Christian Lange auf Anfrage unserer Zeitung. In München gibt der Klassik-Star in diesem Jahr sein szeniches Debüt als Ritter Walther von Stolzing in Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Gespielt wird im Frühjahr und im Herbst während des Uracher Festivals – weswegen der weltweit gebuchte Tenor zunächst überhaupt eine Chance für das Konzert im Ermstal gesehen hatte: „Jonas Kaufmann wollte während einer Konzertpause in München einen Abstecher nach Bad Urach machen“. Doch aus den freien Tagen wird nun nichts. Der Tenor müsse auch wegen „kontinuierlicher Proben“ an der Staatsoper präsent sein.

„Ein Liederabend in Bad Urach und tags drauf gleich wieder die große Rolle in München – das kostet zu viel Kraft“, bilanziert Christian Lange, selbst langjähriger Künstlerische Leiter Herbstlichen Musiktage und früher Förderer des heutigen Superstars Kaufmann.

In Bad Urach hatte der Sänger mit dem Schmelz in der Stimme einst seinen Karrierestart gefeiert. Etwa in der Rolle des „Hassan“ in Carl Loewes Singspiel „Die drei Wünsche“ Ende der 90er-Jahre – unter Christian Langes Festival-Regie. Kaufmann selbst sei es deswegen ein Anliegen gewesen, einmal wieder dort zu singen, wo einst vieles anfing, hatte sein Manger immer wieder betont. „Es ist schade, dass es nun doch nicht klappt.“

Jonas Kaufmann hatte seit Anfang des Jahres etliche Konzerte absagen müssen, darunter Gastspiele in New York, Madrid und London. Wie zu lesen war, laborierte der Sänger an einer Virusinfektion. Ende März trat er erstmals wieder unter Daniel Barenboim in der Berliner Philharmonie auf.

Die Erkrankung sei nun vom Tisch, der Tenor „wieder voll da“, sagt sein Manager. Doch was die Rückkehr des einstigen Festival-Stammgastes nach Bad Urach angeht, macht Christian Lange für die nahe Zukunft wenig Hoffnung. Der Terminkalender des Interpreten sei rappelvoll – für 2017 sind unter anderem diverse Gastspiele in Japan geplant. Lange ist nun auf der Suche nach hochkarätigem Ersatz für kommende Musiktage – und hat bereits einen weiteren Weltstar im Blick: Kontakte zu der renommierten Opernsängerin Cecilia Bartoli stehen – laut deren Agentur sei ein Konzert in Bad Urach „unter Umständen in den kommenden Jahren möglich“, so der Manager. Die 49-jährige Mezzosopranistin Bartoli, ein der erfolgreichsten Interpretinnen unserer Zeit, sei nicht zuletzt eine Bekannte des Sängers Hermann Preys gewesen, der die Musiktage mit gegründet hatte.

Die Stadt Bad Urach hat indessen bereit einen Ersatz für das ausfallende Kaufmann-Konzert angekündigt: Am 5. Oktober gibt es ein musikalisches Nachtmahl mit Salonmusik in der Künkele-Mühle.