Bad Urach Musikalischer Farbendieb

Lucas Posselt: Einen Preis hat er bereits gewonnen. Foto: Kirsten Oechsner
Lucas Posselt: Einen Preis hat er bereits gewonnen. Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 08.11.2012
Bandmusiker Lucas Posselt wurde eigentlich nur aus Zufall zum Liedermacher und heimste gleich einen Preis ein. Nun ist seine erste CD "Farbendiebe" mit vier Eigenkompositionen erschienen.

Schlagzeug, Djambé-Trommel, Cajon und vor allem Gitarre: Lucas Posselt ist auf vielen Instrumenten versiert, der musikalische Grundstein wurde bei Bad Urachs Stadtmusikdirektor Eberhard Attinger gelegt. "Bei ihm habe ich Blockflöte gelernt", erinnert sich der 19-jährige Posselt an seine Kinderzeit zurück.

Mit Horn gings weiter, doch das habe nicht so funktioniert: Weil ihm das Instrument nicht so lag und weil Lucas Posselt nach zwei Konzerten im Vorstufenorchester klar war, dass die Welt des Jugendblasorchesters nicht die seine ist. Irgendwann begann er, Schlagzeug zu lernen, und mit 13 dann Gitarre. Logische Konsequenz für einen Jungen, der gerne Musik macht - er spielte in Bands: "Es hat sich so ergeben, dass ich da und dort mitgemacht habe", blickt der 19-Jährige zurück. "Ich bekomme nicht mal mehr alle Bands zusammen."

Mit "$old" hat er in der Region einen gewissen Bekanntheitsgrad unter den Jugendlichen erreicht: "Schade, dass es sie nicht mehr gibt."

Auch die Auftritte als Trio mit "Claire und die anonymen Akustiker" fand Lucas Posselt spitze - doch diese Gruppe löste sich nach dem gemeinsamen Abitur im Sommer zwangsläufig auf. Und die Proben der Trommelgruppe "Djembadu" kann er wegen des studienbedingten Umzugs nach Heidelberg nun auch nicht mehr besuchen. In punkto Bandverpflichtungen sind also für ihn ungewohnt ruhige Zeiten angebrochen - davor hatte der junge Musiker an fast jedem Wochenende einen Gig: "Die Situation ist sehr entspannt, ich kann in Ruhe musikalisch arbeiten, muss nicht jeden Abend von einer Probe zur anderen."

Dafür ist er gerade dabei, als Solist durchzustarten: "Es läuft gerade ganz gut", meint er überrascht und sieht sich auf einem Weg "auf den ich eigentlich gar nicht hinwollte" - Lucas Posselt tourt mehr oder weniger aus Zufall als Liedermacher.

Zu viert hatte er sich vergangenes Jahr mit Freunden für einen Bandcontest in Nürtingen beworben, dann waren sie nur noch zu zweit und als auch der Kumpel absagte, ging er am 9. Dezember eben alleine zum Wettbewerb und siegte. Der Gewinn: Drei Tage Studioaufnahmen in den Moonlight Studios in Esslingen. Das Resultat: Die CD "Farbendiebe" mit vier eigenen Liedern.

Die Resonanz: Bestens, weit über die Hälfte der ersten Auflage von 200 Stück ist bereits verkauft. Seine Musik kann Lucas Posselt nicht beschreiben, sie sei aber anders als die üblichen Singer-Songwriter-Songs: "Ich kann nicht meinen Weltschmerz in Lieder packen." Doch die Ansprüche an Text und Musik sind hoch: "Ich schreibe einen Song nicht in fünf Minuten, gehe lieber mindestens 200 Mal drüber", beschreibt er die Entstehungsphase. "Ich bin sehr perfektionistisch und ganz arg kritisch mit meinen eigenen Sachen."

Ein hoher Anspruch für einen Liedermacher wider Willen: "Mich reizt es zu schauen, was mit Akustikgitarre und Gesang rauszuholen ist."

Musikalisch gesehen kommt Lucas Posselt vom Punkrock, hat insgesamt aber ein Faible für Subgenres jeglicher Art: Metal, Jazz und gute deutsche Rap-Musik, er ist aber auch großer "Beatles"-Fan.

Musikalische Einflüsse, die sich in seinem dreistündigen Kneipenprogramm wiederspiegeln. "Für Solokonzerte reicht mein eigenes Repertoire noch nicht ganz. Da covere ich Songs, auch viele deutsche, die man sonst nicht unbedingt covert." Doch darauf müssen die Lucas Posselt-Fans aus der Region erst mal etwas warten: Im Juni hat er am Graf-Eberhard-Gymnasium sein Abi gemacht, nun studiert er in Heidelberg.

Wie könnte es auch anders sein: Musik spielt im Studium auch eine große Rolle, Lucas Posselt möchte Musiktherapeut werden. Ein Auftritt steht jedoch bereits fest, am 11. Januar ist der Junge Musiker bei Kulturach zu Gast mit Songs für junge und junggebliebene Menschen.

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