Ein besonderes Konzert in der Dettinger Stifts- und in der Böhringer Galluskirche: Musik zum Ende des Kirchenjahres als Projekt zweier Chöre.

Das Kirchenjahr endet anders als das profane Jahr kurz vor der Adventszeit mit den Themen Tod und Ewigkeit. Dies nahmen nun die Martinskantorei Metzingen und der Dettinger Chor „Cantate Domino“ unter Leitung von Stephen Blaich und Martin Straßer zum Anlass für ein gemeinsames Konzertprojekt unter dem Motto „Denn es will Abend werden“.

Ihnen zur Seite stand Paula Stark, bekannt als Leiterin des Dettinger VHS-Orchesters, dieses Mal als Violinsolistin. Das Besondere an diesem gut besuchten Konzert war die dichte Atmosphäre, die aus dem harmonischen Zusammenspiel von Kirchenraum, Orgel und Aufführung entstand. Die Verantwortlichen hatten nämlich Musik ausgewählt und einstudiert, die gut zu der vor 150 Jahren renovierten Kirche und vor allem zu der ebenfalls um diese Zeit in der Werkstatt des Gruol-Kompagnons und -Nachfolgers Blessing in Bissingen/Teck erbauten, original erhaltenen Orgel passt. Man konnte die Darbietung gut und gern auch als Rheinberger-Abend bezeichnen. Den Großteil des Programms bildeten Werke des aus Vaduz gebürtigen und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in München wirkenden Spätromantikers Josef Rheinberger: die Sätze der Orgelsonate Nr. 4 sowie Stücke für Orgel und Violine aus op. 150, in einer stimmigen Dramaturgie als Rahmen und Zwischenstücke um Vokalwerke von Rheinberger selbst und von Felix Mendelssohn Bartholdy gelegt, ergänzt durch die Violinromanze des Norwegers Johan Svendsen.

Stets präsent waren Gedanken des Abschieds und eine besinnliche Haltung, verkörpert vor allem in den aufgeführten Vokalwerken. Die Sänger/innen der Martinskantorei Metzingen und von „Cantate Domino“ Dettingen bildeten einen großen gemischten Chor, der die anspruchsvollen vier-, sechs- und achtstimmigen(!) a-cappella-Partituren nicht nur mit Disziplin und präziser Klangfülle meisterte, sondern unter dem wechselnden Dirigat ihrer Chorleiter Blaich und Straßer mit Seele und Ausdruck erfüllte. Mendelssohns „Mitten wir im Leben sind“ und „Wer bis an das Ende beharrt“ beeindruckten mit starken Kontrasten und vielfach gefächertem Stimmklang, Rheinbergers beliebtes „Abendlied“ mit ausdrucksvoller Gestaltung. Besonders angenehm: die deutliche Aussprache; die Choristen waren offenbar mit ganzem Herzen bei der Sache.

Eine stimmige Ergänzung bildeten die Stücke für Violine und Orgel von Rheinberger; Paula Stark erwies sich als sichere Geigerin, die diese selten zu hörenden Werke mit schlanker Tongebung und sensiblem Stilgefühl vorstellte, begleitet von Stephen Blaich an der Orgel; dieser hielt den Orgelklang klug registrierend zurück, um die Balance zu wahren. Zum instrumentalen Höhepunkt wurde die Violinromanze von Svendsen: Paula Stark interpretierte sie intensiv und einfühlsam, die Orgel vertrat mit farbiger Fülle das hier nicht vorhandene Orchester.

Überhaupt bezauberte die denkmalgeschützte Blessing-Orgel unter Blaichs souveränen Händen das Ohr mit weichem, atmendem Klang und facettenreicher Farbigkeit, ob in den ruhig singenden Sätzen oder der „Fuga cromatica“ zum Schluss, bei der Blaich mit Rheinberger den Klang der romantischen Orgel zu kunstvoll verflochtener, harmonischer Fülle verwob.