Schwaben ist zwar nicht Schweden, doch Astrid Lindgrens Kinder-Kult-Figur „Ronja Räubertochter“ war dieser Tage für Kinder aus der Region ganz nah: Das diesjährige integrative Ferienprogramm der offenen Hilfen der Bruderhaus-Diakonie stand ganz im Zeichen des wilden Mädchens aus den schwedischen Wäldern.

Birken und Schluchten sind auf der Bleiche zwar nicht zu finden, doch das Bleiche-Areal eignet sich laut Organisatorin Anike Schöllhammer hervorragend für das Ferienangebot – die passende Atmosphäre kann man sich schaffen: „Das Gelände ist total attraktiv, wie ein kleines Wunderland“, meint sie. Da wird eine Räuberhöhle gebaut oder Stockbrot am offenen Feuer gegrillt und die Kinder stellen Pfeil und Bogen selbst her.

Aus ganz normalen Jungen und Mädchen aus der Region werden unter Anleitung der beiden Kunsttherapeutinnen Anette Odigie vom Haus Matizzo und Christine Thomas von KiWi (Kunst in der Werkstatt integrativ) denn auch richtige Räuberkinder.

Aus einfachen Stofffetzen gestalten sie sich passende Kleidung, verzieren sie und basteln sich in einem nächsten Schritt sogar den passenden Schmuck dazu. Abenteuer pur nicht weit vom eigenen Kinderzimmer: Die Jungen und Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren sind mit Feuereifer dabei, vermissen Strand und Meer, Freizeitparks und andere Attraktionen nicht. Denn sie bauen Flöße und begeben sich auf eine spannende Schnitzeljagd, stellen wilde Masken her, haben Lamas und Esel um sich und genießen eine Fahrt auf dem Traktor.

Das einwöchige Programm wird insgesamt drei Mal angeboten, das Interesse ist nicht nur bei Kindern groß sondern auch bei den ehrenamtlichen Helfern: „Wir haben eine große Nachfrage für dieses integrative Angebot“, freut sich Anike Schöllhammer.

Unter anderem sind die Ehrenamtlichen Mitarbeiter aus den offenen Hilfen mit dabei, zudem schickt Kooperationspartner Elring Klinger zwei seiner Auszubildenden auf die Bleiche und es absolvieren Duale Studenten der Firma Lechler dort ihre Sozialpraktika. Sie alle wie auch die Teilnehmer genießen das zwanglose Zusammensein, es wird viel gelacht und gleichzeitig werden Berührungsängste angebaut: Zu jeweils 20 Kindern ohne Behinderung kommen fünf mit einer Einschränkung hinzu – das reicht vom Down Syndrom bis zum Autismus, es sind auch Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung dabei.

„Klar, gibt es Unsicherheiten“, weiß Anike Schöllhammer. Gerade Kinder, die zum ersten Mal beim integrativen Ferienprogramm mit dabei sind, würden sich zunächst zurückhaltend verhalten: „Doch das baut sich in der Regel schnell ab.“ Denn, so ihre Erfahrung: Kinder würden offen und direkt reagieren, viele Fragen stellen. So ist es nach kürzester Zeit selbstverständlich, dass sich ein Teilnehmer mit Behinderung zum Ausruhen in einen Raum zurückzieht und es wird um den Rollstuhl kein Aufhebens mehr gemacht. Im Gegenteil: Er wird in Pausen wie selbstverständlich als Ersatz-Stuhl genutzt. Da bleibt Anike Schöllhammer einmal mehr nichts anderes übrig, als eine positive Bilanz zu ziehen: „Es ergeben sich viele positive Begegnungen und wir hoffen ein nachhaltiges Interesse geweckt zu haben.“ Die Resonanz gibt ihr recht: Viele Kinder kommen jedes Jahr wieder. Auch Anike Schöllhammer, die beruflich mit dem Projekt zu tun hat, genießt die einzigartige Atmosphäre des integrativen Ferienprogramms, das komplett im Freien stattfindet: „Ich freue mich jedes Jahr darauf.“