Dettingen Mit Märzenbier und Miederware

So macht Geschichte Spaß: Im Heimatmuseum zeigen die Mitglieder, wie man mit alter Technik Bier braut.
So macht Geschichte Spaß: Im Heimatmuseum zeigen die Mitglieder, wie man mit alter Technik Bier braut. © Foto: Thomas Kiehl
Von Anja Weiß 11.06.2018

Vier Mal im Jahr wird es in der guten Stube des Heimatmuseum richtig voll und im Garten, „dem kleinsten Festplatz von Dettingen“, tummeln sich die Leute. Auch am gestrigen Sonntag war wieder ein solcher Tag der offenen Tür, der die Besucher lockte. Sie schauten sich voll Interesse die Räume des Museums an und natürlich die neueste Ausstellung im Obergeschoss, die sich der Mode um 1900 widmete. Viele Exponate, Tafeln und Fotos geben einen Einblick, was Mann und Frau und Kind einstens drüber und drunter trug.

Leinen oder Baumwolle?

„Wir haben einen riesigen Fundus an alten Kleidern bekommen“, erzählt Albrecht Arnold. So sei er auf die Idee zu dieser Ausstellung gekommen. Im damals noch ländlich geprägten Dettingen überwog die einfachere, robuste Kleidung aus Leinen. Diese, so sagt Arnold, habe durchaus ihre Vorzüge, ist sie doch atmungsaktiv und keimarm. Allerdings hat sich dennoch die Baumwolle durchgesetzt, weil Leinen einfach zu kratzig ist. Zumindest, wenn sie nur kurz getragen wird, früher als die Kleidung noch nicht so oft gewechselt wurde, erledigte sich das Problem irgendwann von selbst. „Nach drei Tagen kratzt es nicht mehr“, erzählt Arnold schmunzelnd. Diese und andere kuriose Geschichten über Ober- und Unterwäsche, Schmuck, die Aussteuer in den Schränken und dem Einzug der Mode gab es gestern wieder zu sehen. Natürlich alles mit lokalem Bezug zu Dettingen, wie Arnold betont, „wir schaffen immer aus der Dettinger Perspektive eine Verbindung zum Thema“.

Doch nicht nur die Sonderausstellung zeiht die Besucher in den Bann. Was den Festveranstaltern stets regelrecht aus den Händen gerissen wird, ist der Rahmkuchen aus dem kleinen Backhaus im Garten und seit zwei Jahren auch das selbstgebraute Bier. Die jüngeren Vereinsmitglieder hatten die Idee zum 550-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebots ihr eigenes Bier zu brauen. Schnell konnten sie Braumeister Hans Olpp von ihrer Idee überzeugen. Den reizte die Herausforderung, mit einfachen Mitteln mit alter Technik Bier zu brauen. So wurden zwei alte Waschkessel zum Braukessel, natürlich noch mit etwas Raffinessen ausgestattet, einem Sieb oder einem Thermometer um genau die Temperatur zu halten, die die Enzyme benötigen, um ihr Werk zu versehen. 90 Liter Bier sind so vor sechs Wochen angesetzt worden, so lange braucht das Bier, um zu reifen. Am Tag der offenen Tür sind sie verkauft worden. Auch mit den Sorten experimentieren die Brauer nach historischem Vorbild, war es gestern ein Märzen, das gezapft worden ist, wird es das nächste Mal ein Weizenbier sein. Der Geschmack übrigens ist hervorragend. Und der lokale Bezug zu Dettingen? Auch der ist vorhanden: Denn einst gab es die Brauerei Wurster am Ort und eine weitere Kleinbrauerei.

Im Stall des Heimatmuseums hat Hans-Peter Munz Einblick in seine Handwerkskunst gegeben: Der Riedericher stammt aus einer Schmidfamilie und  hat vor 25 Jahren selbst das Interesse daran entdeckt. Nun zeigt er dieses fast vergessene Handwerk bei Veranstaltungen, und für die passende Musik sorgte wieder einmal Fritz Heinkel auf seiner steirischen Harmonika.

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