Dettingen Mit Gründergeist zum eigenen Modelabel

Dettingen / Christina Hölz 22.08.2018
Der Dettinger Steffen Breuning macht sich als Modedesigner in München einen Namen.

Ärmel hoch und dann ran an die Existenzgründung. Neue Unternehmer und innovative Gründer sind in jeder Stadt gern gesehen. Oder etwa nicht?

Der diplomierte Modedesigner Steffen Breuning ist vom Gegenteil überzeugt. „Mein Businessplan stand, und der Finanzplan war wasserdicht“, erzählt der aus Dettingen stammende Wahl-Münchner. Was nicht klappen wollte, war die Sache mit dem Existenzgründerkredit für einen eigenen Laden mit Atelier. „Ich bekam nur Absagen“, sagt der 28-Jährige. Und unter den Schreiben war nicht einmal eine Rückmeldung, weshalb die Banker Steffen Breunings Geschäftsidee für nicht unterstützenswert hielten.

Der junge Modemacher hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Aber es kommt anders. Im Oktober eröffnet Steffen Breuning nun doch einen eigenen Concept Store für sein Modelabel. Noch dazu im Münchner Glockenbachviertel, einer Szenegegend in der Isarvorstadt. „Das ist wirklich eine supergute Lage“, freut sich der Designer.

Ende Oktober geht’s los, dann können Mode-Enthusiasten in der bayerischen Landeshauptstadt die ersten eigenen Kollektionen des ehemaligen Dettingers erstehen. Alles handgemachte Unikate, die mit klassisch-puristischem Stil kokettieren.

Kurz, Kleider, die Frauen zwischen 18 und 80 ansprechen sollen. Das wünscht sich jedenfalls Steffen Breuning, der sich in sein Geschäft Verstärkung aus der Region holt: Alexander Rödiger, im Hauptjob Technischer Lehrer an der Gewerblichen Schule in Metzingen (die hat einst auch Breuning besucht), bietet mit seiner Bietigheimer Manufaktur namens „Fettstube“ selbstgemachte Pomade und Parfüm an. Ein Schreiner aus der Nähe von München vertreibt dort eine kleine Möbelserie, und mit einer Designerin vom Chiemsee hat Breuning eine Strickkollektion aus Kaschmir entwickelt. Die gibt es exklusiv in seinem Laden zu erstehen.

Auch Sonnenbrillen entwirft der Designer selbst, und über seinen Entwürfen tüftelt er im künftig eigenen Atelier, das sich gleich neben der Ladenfläche befindet.

So weit, so ausgereift. An Ideen und kreativer Schaffenskraft fehlt es Steffen Breuning nicht. Im Gegenteil. Der Mann ist noch keine 30, aber mitunter hat er etwas von der Zielstrebigkeit eines Extremsportlers. Auch wenn er so nicht aussieht mit den streng nach hinten gegelten Haaren und den schwarzen Klamotten, die ein wenig an den New Wave-Stil der 80er Jahre erinnern.

Aber Steffen Breuning weiß, was er will. Und er weiß auch, was er kann. Davon zeugen schon seine Referenzen: Nach dem Studium an der renommierten „Esmod International Fashion University“ in München, („einer der bekanntesten Modeschulen weltweit“) folgten Stationen  bei Hugo Boss und Talbot Runhof.

Schon zuvor hatte Breuning bei Marc Cain eine Ausbildung zum Modeschneider absolviert, um das Handwerk von der Pike auf zu lernen.

Einen Job übrigens, in dem viele nicht lange durchhalten. In Breunings Jahrgang träumten noch 54 Studenten von einem Dasein als Modedesigner – „heute arbeiten noch gerade fünf Leute in unserem Beruf “, erzählt der 28-Jährige. Alle anderen haben aufgegeben. Vielleicht, weil sie ähnliche Erfahrungen mit den Banken gemacht haben wie der Dettinger selbst. Oder auch, weil die Gesellschaft kreativen Köpfen immer weniger zutraut als denen, die nur rechnen wollen.

Steffen Breuning indessen wollte immer zu denen gehören, die durchhalten. „Ich kann hart arbeiten“, sagt der Jung-Unternehmer. Und dann erzählt er von 60-Stunden-Wochen und durchgeschafften Nächten.

Bis heute ist er enttäuscht, weil er trotz seines Einsatzes, renommierten Adressen in der Berufsbiografie und bodenständigem Konzept ohne das staatlich geförderte Darlehen ausging. Deshalb klingt es für den ehemaligen Metzinger Realschüler wie eine kleine Sensation, dass es nun doch klappt mit dem eigenen Laden.

Schuld ist eine Zufallsbegegnung. Und vielleicht auch ein wenig die Überzeugungskraft des jungen Modedesigners: Auf einer Veranstaltung hatte er kürzlich eine Frau getroffen, die sich für sein Projekt interessierte. Mehr noch, die versprach, den Start-Upper zu unterstützen.

Was die Existenzgründerkredite nicht ermöglichten, das schafft Steffen Breuning nun dank eines privaten Darlehens. „Weil endlich jemand an mich glaubt“, sagt der Münchner mit Ermstäler Wurzeln. Zumindest vorerst ist Steffen Breuning am Ziel, für das er hart gekämpft hat.

Und dann? „Ich habe nicht den Wunsch, ein Imperium à la Lagerfeld aufzubauen“, sagt der Gründer. Aber ein bisschen träumen ist erlaubt. Zum Beispiel von einem zweiten Breuning-Concept-Store.

28

Am 28. Oktober eröffnet der Dettinger Modedesigner Steffen Breuning seinen Concept Store in München. Dort bietet er zu seiner eigenen Kollektion Produkte aus der Region.

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