Neujahrsgottesdienst Menschlichkeit entgegen setzen

Nach dem Neujahrsgottesdienst wurde zum Empfang in den Chorraum der Amanduskirche geladen. Viele Neujahrswünsche wurden hier formuliert und zahllose Hände geschüttelt.
Nach dem Neujahrsgottesdienst wurde zum Empfang in den Chorraum der Amanduskirche geladen. Viele Neujahrswünsche wurden hier formuliert und zahllose Hände geschüttelt. © Foto: Alexander Thomys
Alexander Thomys 02.01.2018
Beim Neujahrsgottesdienst in der Amanduskirche kritisiert Bürgermeister Elmar Rebmann eine wachsende Ich-Bezogenheit.

Mit dem Orgelpraeludium „Prelude in G-Dur“ von Charles Villiers Standford begann das neue Jahr in der Amanduskirche in Bad Urach. Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde hatten zum ökumenischen Neujahrsgottesdienst eingeladen, zudem auch Vertreter der muslimischen Gemeinde gekommen waren. Auch zahlreiche Vereinsvertreter waren gekommen, ist der Neujahrsgottesdienst ja auch traditionell mit der Neujahrsansprache von Bürgermeister Elmar Rebmann und einem anschließenden Ständerling verbunden.

„Millionenfach sagen sich Menschen in diesen Stunden gute Wünsche für das neue Jahr“, begann Bürgermeister Rebmann seine Ansprache. „Weil wir dies in Frieden und voller Zuversicht tun können, gehören wir zu den reichsten Menschen auf dieser Erde.“ Zwei große Themen würden die Kurstadt indes im kommenden Jahr und den kommenden Jahrzehnten prägen, so der Schultes weiter. „Bildung und Mobilität“, seien diese Schlüsselthemen.

Mit einem städtebaulichen Wettbewerb in Kooperation mit der evangelischen Kirche, der auch einen Kindergarten entstehen lassen soll, sei man bei den Jüngsten bereits auf dem richtigen Weg. Auch die Sanierung des Gymnasiums sah Rebmann in diesem Themenfeld. „Es genügt aber nicht, nur die Hülle zu sanieren“, so der Bad Uracher Schultes. Stattdessen müsse die Gemeinde auch in Zusammenarbeit mit den Schülern, Eltern und Lehrern am pädagogischen Konzept arbeiten.

In Sachen Mobilität setzt Rebmann auf die Elektrifizierung der Ermstalbahn im Rahmen der Entwicklung des ersten Moduls der Regionalstadtbahn. „Wenn die Ermstalbahn im Halbstundentakt fahren wird“, so Rebmann, „beginnt für unsere Stadt eine neue Zeitrechnung in Sachen öffentlicher Personennahverkehr.“ Dennoch müsse die Stadt aber auch die „verheerenden Zustände“ auf der Bundesstraße mit 30 000 Fahrzeugen täglich im Blick behalten und gemeinsam mit Dettingen „die richtigen Antworten hierfür finden“.

Glücklich könne sich Bad Urach schätzen, dass es gelungen sei „fast 300 Menschen gut bei uns zu integrieren“. Eine solche, erfolgreiche Entwicklung wünscht sich der Schultes auch für die kommenden Jahre. Entwickeln will Rebmann die Kurstadt auch durch die Bewerbung für die kleine Gartenschau in den Jahren 2027 oder 2029. „Das wäre für unsere Stadt eine Riesenchance“, so der Bürgermeister. Bad Urach könne „nicht nur zeigen, was wir Schönes haben“, sondern sich auch „einen Schritt weiterentwickeln“. Die Gartenschau wäre zugleich auch „die erste in einem Biosphärengebiet in Baden-Württemberg“.

Beispielhaftes Ehrenamt

Sorgen bereiten Rebmann dagegen gesellschaftliche Entwicklungen. Unter dem Banner „Amercia first“ von Donald Trump und anderen nationalistischen Strömungen würde allerorten „Zwietracht gesäht“. Auf den Autobahnen etwa zeige sich zugleich, dass eine Ich-Mentalität der Rücksichtslosigkeit in die Gesellschaft einsickere. „Dem müssen wir den Grundsatz ,Menschlichkeit zuerst’ entgegensetzen“, forderte der Bad Uracher Bürgermeister. Ein leuchtendes Beispiel seien hierfür die Ehrenamtlichen, sagte Rebmann. Es gelte aber auch, im familiären Kreis und in der Nachbarschaft „mehr Zeit füreinander“ zu finden. Mit „viel Kraft, Gesundheit, Zuversicht und Gottes Segen“, sollte dies gelingen, wünschte der Bürgermeister am Ende seiner zehnten Neujahrsansprache.

Dies passte zu den Fürbitten, welche die Pfarrer Wilhelm Keller und Alain Rabarijaona zuvor formuliert hatten. Darin empfahlen sie „die ganze Bevölkerung, Christen und Nichtchristen, Einheimische und Fremde“ in Gottes Hände, „damit sie in Frieden leben können“.