Bad Urach Mehr Menschen als im Vorjahr bei Badeunfällen ertrunken

Bad Urach / swp/ath 03.08.2018

Bundesweit sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 280 Menschen ertrunken. Zu den Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) kam kürzlich auch ein 27-Jähriger, der mit seinen zwei Begleitern in Kirchentellinsfurt in einem Schlauchboot aufs Wasser fuhr. Dort badeten sie. Der Mann konnte nicht schwimmen, er nutzte ein aufblasbares Nackenkissen als Schwimmhilfe. Er rutschte davon ab und ging sofort unter. Seine Freunde versuchten ihn zu retten, konnten ihn aber nicht mehr erreichen. Polizeitaucher fanden den Toten erst am nächsten Tag.

Heißer Sommer – mehr Gefahr

280 Ertrunkene bedeutet fast 40 Personen mehr als im Vorjahreszeitraum, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mitteilt. Ein Grund für den Anstieg sei das anhaltende schöne Wetter. Im vergangenen Jahr habe es durch den kühlen Sommer vergleichsweise geringe Ertrinkungszahlen gegeben, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese.

Die meisten Menschen seien an ungesicherten Badestellen im Binnenland ertrunken. Mit 250 Todesfällen machten die Unfälle dort fast 90 Prozent der Gesamtzahl aus. Deutlich abgenommen hat nach Angaben der DLRG die Zahl der tödlichen Unfälle an den – auch von DLRG-Rettungsschwimmern bewachten – Küsten. Im Berichtszeitraum ertranken hier acht Menschen, im Vergleichszeitraum 2017 waren es noch 25.

Häufig ereigneten sich Badeunfälle wegen Leichtsinn, einer hohen Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung, sagt Wiese. Aber auch Eltern, die sich in Wassernähe mehr mit ihrem Handy beschäftigen als auf ihre Kinder zu achten, bereiteten der DLRG zunehmend Sorgen. „Im Fernsehen sieht man immer wieder Ertrinkende, die um sich schlagen und um Hilfe rufen. In Wirklichkeit ertrinken die meisten jedoch vollkommen still“, so Jürgen Buchfink, der seit über 30 Jahren DLRG-Ausbilder, Schwimmmeister und Vorsitzender der Ortsgruppe Bad Urach ist. Gerade Kinder zeigen beim Ertrinken oft kein Abwehrverhalten. „Sie winken nicht mit den Armen oder schreien um Hilfe, weil sie instinktiv vermeiden wollen, dass sie Wasser in den Mund bekommen“, sagt Buchfink. Stattdessen gerieten Kinder sehr schnell bäuchlings mit dem Kopf unter Wasser. Für Außenstehende wirke das oft erst wie spielen.“

Da sich die meisten tödlichen Unfälle an unbewachten Badestellen ereigneten, fordert die DLRG Länder, Kommunen und Badbetreiber auf, für mehr Sicherheit zu sorgen. Ein Badeverbotsschild aufzustellen reiche nicht aus, sagte Wiese. Und Jürgen Buchfink ergänzt: „Wir brauchen wieder mehr Schwimmunterricht in den Schulen und damit mehr örtliche Bäder! Schließungen sind das falsche Signal!“

Durch Kooperationsmaßnahmen von Schulen und der DLRG wird hier bereits einiges abgefangen. So waren im vergangenen Jahr dank den Ausbildern der DLRG Ortsgruppe Bad Urach aus den Grundschulen Bad Urach, Römerstein, Westerheim und Grabenstetten jeweils bis zu 30 Kinder von Nichtschwimmern zu Schwimmern ausgebildet worden. Und das nicht nur mit dem Abzeichen Seepferdchen, sondern auch mit vielen Deutschen Jugendschwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold.

Einen Schritt weiter gingen sogar einige Fünft- und Sechstklässler der Gemeinschaftsschule Vordere Alb. Im Rahmen eines Schwimmprojektes legen die Schüler jedes Jahr die Abzeichen im Höhenfreibad ab und trainieren zuvor im Westerheimer Hallenbad. Acht Schüler, die im vergangenen Jahr bereits dabei waren und dabei das Jugendschwimmabzeichen in Gold abgelegt hatten, durften nun in Kooperation mit der DLRG die Prüfung zum Junior-Rettungsschwimmer ablegen. Hierfür übten die Schüler mit Jürgen Buchfink verschiedene Rettungstechniken, um einen zu Rettenden 25 Meter weit zu ziehen.

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