Heimische Streuobst-Größen wie Kirsche und Zwetschgen, Birnen und Mirabellen hatten das Nachsehen, mussten dem Apfel einen Tag lang den Vortritt lassen: Der stand gestern im Fokus eines eigens für ihn organisierten Festes, die Premieren-Veranstaltung kam an und lockte viele Besucher auf den Marktplatz.

 Als „Hansdampf in allen Gassen“ bezeichnen die Organisatoren – die Idee zum Fest hatte der Obst- und Gartenbauverein, der die Stadt und Bad Urach aktiv mit ins Boot nahm – den Apfel. Und gerade diese Vielseitigkeit sollte mit dem Apfelfest unterstrichen werden, denn das beliebte heimische Streuobst ist mehr als die Basis des schwäbischen Nationalgetränks Most: Er kann als Trockenobst genossen werden und wird in Kuchen, aber auch herzhaften Speisen verarbeitet und nicht zuletzt ist er ein wichtiges Symbol der von Streuobstwiesen geprägten Region.

 Das Konzept ging auf, zumal mit dem Apfelfest ein Bauernmarkt mit unterschiedlichsten regionalen Produkten, darunter auch (neuer) Wein oder schwäbischer Whiskey und Lammfelle, verbunden war und auch die Einzelhändler ihre Türen öffneten. Besucher mussten also viel Zeit mitbringen für einen Bummel durch die Innenstadt, vielfach schloss sich auch ein Besuch der etwas außerhalb liegenden Läden an. Staunen, schauen und schmecken hieß das Motto für die Besucher, denn wenn sich ein Fest ganz um den Apfel dreht, darf er auch gekostet werden: Die blanken grünen Exemplare in den Supermärkten sind bekannt. Und auch ein Elstar kann durchaus noch identifiziert werden. Doch wer weiß schon, wie ein Delbar oder Karneval aussieht?

Seit gestern wurde bei vielen Besuchern diese Wissenslücke geschlossen und – so die Hoffnung der Fachleute – Lust auf mehr Obst aus heimischen Gefilden gemacht. Diejenigen, die sich bereits auf den Streuobstwiesen engagieren, wissen jedoch auch nicht alles und kennen vor allem nicht alle Sorten. Zahlreiche Besucher brachten deshalb Exemplare mit: Ulrich Schroefel von der Grünflächenberatung des Landratsamtes versuchte sie, vor Ort zu bestimmen, was aber auch dem Fachmann nicht immer leicht fielt – manchmal sind auch die Kerne für eine Analyse ausschlaggebend. Er bittet Streuobstwiesen-Bewirtschafter eindringlich, einerseits die Sorten für eine Kartierung bestimmen zu lassen. „Wir suchen unter anderem noch dringend Bäume mit der Sorte Uracher Bergäpfel oder das Rosenbärbele“, macht er deutlich. Deshalb sollen sich ältere Menschen mit ihrem noch vorhandenen Wissen einbringen: „Etwas vermeintlich Normales kann sehr speziell sein.“ Und weil auch die junge Generation angesprochen und die Lust auf die Streuobstwiese geweckt werden soll, wurde eine App eingerichtet: „Da kann der Enkel mit dem Opa auf die Wiese zur Streuobstbestimmung gehen.“

 Sowieso: Streuobst und damit auch der Apfel lässt sich innovativ verarbeiten – als Chutney mit Kürbis beispielsweise. Oder als Saft gemischt mit Johannisbeere oder Kirsche. Kindern schmeckt der Apfel besonders als Ring in einer mit Schokolade ummantelten Variante, den Erwachsenen als sortenreines Destillat – mitgebracht von den ungarischen Freunden aus der Partnerstadt Enying. Kurzum: Der Obst- und Gartenbauverein hatte mit seiner Initiative, ein „sortenreines“ Fest zu veranstalten, den richtigen Riecher gehabt.

Den Auftakt zum Apfelfest bildete ein ökumenischer Erntedank-Gottesdienst auf dem Marktplatz. „Wir hatten selten einen so schön bestückten Erntedankaltar“, meinte Pfarrer Wilhelm Keller begeistert. Nach dem Segen machten sich die zahlreichen Gottesdienstbesucher zu einem Gang über den Marktplatz auf. Das Apfelfest bildet zugleich den Auftakt zu einer Apfelwoche mit einem vielfältigen Programm, so kredenzen Uracher Gastronomen Speisen mit Äpfeln. Auch findet unter anderem ein Schnittkurs und eine kulinarische Apfel-Krimi-Lesung mit Jürgen Lindner sowie ein Apfeltag im Kurgebiet (beides Mittwoch, 12. Oktober) statt.