Geschichte Mechthild und die Klugheit

© Foto: Rena Weiss
Bad Urach / RENA WEISS 10.11.2013

Schon zu Beginn brachte der Schriftsteller und Historiker Dr. Gerhard Raff die sich rasch vermehrenden Gäste zum Lachen. Er nahm sich Zeit, um sie kennenzulernen und Bücherwidmungen zu verfassen.

Bücherwidmungen der ganz eigenen Art. Auf Schwäbisch verfasst und immer mit einem Loch, dem „Deger-Loch“. In Degerloch wurde der von der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart als „der meistgelesene Dialektautor der Gegenwart“ ausgezeichnete Gerhard Raff geboren. Er kennt sich aus mit seinem Ländle und gibt das gerne zum Besten. So auch am Samstagabend, wo er zum zehnjährigen Bestehen des Verschönerungsvereins Bad Urach eingeladen wurde.

Als Veranstaltungsort für seinen Vortrag am Samstagabend wurde die Amanduskirche in Bad Urach gewählt. Diese Kirche wurde bereits 1475 gebaut und zeigt ein Bild der Geschichte Württembergs. Sie ist fest mit Bad Urach und seinen Einwohnern verankert und soll mit den Spenden des Samstagabends restauriert werden.

Dem Verein war es auch zu seinem Jubiläum ein Anliegen, sein Städtle zu unterstützen, zu erhalten und zu verschönern.

So auch die Amanduskirche, die, so der vielfältige Wunsch am Samstagabend, bald wieder in voller Pracht erstrahlen wird. Es waren nicht nur die Mitglieder des Vereins erschienen, sondern auch ausgewiesene Raff-Fans.

Der Autor spendet seit jeher den Erlös seiner Bücher, Lesungen und Vorträge für kulturelle und soziale Projekte. Dieses Engagement haben Raff und der Verschönerungsverein gemein.

Auch der Verein setzt alles daran, die Kultur zu fördern und das soziale Miteinander zu leben und zu pflegen.

Der 9. November war ein denkwürdiger Tag, der an viele Ereignisse der Vergangenheit erinnerte. Der Mauerfall, die Reichspogromnacht oder die Novemberrevolution. „Die Geschichte ist in Bad Urach auf Schritt und Tritt erfahrbar und sichtbar“, so Raff. So erzählte Raff auch am Samstagabend viel über die lange und bedeutsame Geschichte Baden-Württembergs. Interessant waren seine Ausführungen und Geschichten, die mal in die eine oder andere Richtung gingen. Immer endeten seine Geschichten herzlich und amüsant, sodass das Zuhören ein Genuss ist und man sich am Ende fragt, wo ist die Zeit geblieben?

So verwunderte es auch nicht, dass er im einen Moment von Eberhard Karls Mutter Mechthild sprach und im nächsten Moment von Boris Becker, der dieser Linie entsprungen sein soll.

Geschichte wurde am Samstagabend lebendig und wurde so ergreifend erzählt, als ob der Erzähler Raff selbst dabei gewesen wäre und aus dem Nähkästchen plaudert, und er blieb dabei nicht wertfrei. „Mechthild hat d’Gscheitheit nach Württemberg bracht“, natürlich auch nach Urach.

Der lebende Beweis dafür ist der Verschönerungsverein Bad Urach. Dem hat Bad Urach unter anderem die Himmelsleiter, die Pflege des Espachbrunnens und die Info-Wand am Bahnhof zu verdanken.

Bei über 300 Mitgliedern besteht auch kein Zweifel, dass der Verein die nächsten zehn Jahre weiterhin seine Stadt pflegt und hegt.

Info Bei der Veranstaltung des Verschönerungsvereins Bad Urach mit dem Historiker Dr. Gerhard Raff ergab die Spendenaktion zu Gunsten der Außen-Sanierung der Amanduskirche einen Betrag in Höhe von 2500 Euro.

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