Die Aufwärmspiele machen zwar Spaß, nicht umsonst werden drei Runden absolviert. Doch insgeheim können es die elf Jungen und Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren nicht erwarten, bis sie an ihren großflächigen Bildern weitermalen können, die sie am Tag vorher begonnen haben. Christel Bahnmüller-Luft freut’s: „Es ist toll, mit welcher Begeisterung und Konzentration sie mit dabei sind“, meint die Jugendsozialarbeiterin. Am ersten Tag des integrativen Projekts „Dettinger Treffpunkt“, so der Arbeitstitel, sei die Zeit wie im Flug vergangen.

Treffpunkt deshalb, weil Jungen und Mädchen die Möglichkeit geboten wird, der Langeweile in den Faschingsferien zu entfliehen. Darüber hinaus kommen sie in Kontakt mit anderen Kindern und Jugendlichen, die sich im normalen Alltag so ergeben würden: Im Jugendhaus arbeiten Schillerschüler Hand in Hand mit den Offenen Hilfen der Bruderhaus Diakonie. Die Zusammenarbeit klappt, und es macht den Freizeit-Malern sichtbar Spaß: „Es beeindruckt mich, wie ruhig und diszipliniert sie arbeiten“, lobt Kunsttherapeutin Christine Thomas die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung. Sie alle sind bei der Gruppenarbeit nicht nur in Bezug auf die Kreativität gefordert, sondern müssen im Team arbeiten und gemeinsam Entscheidungen fällen – da ist unter anderem auch Kompromissbereitschaft notwendig.

Diese Teamfähigkeit haben die Kinder laut Christine Thomas von der KiWi-Kunstwerkstatt aus Metzingen wie selbstverständlich sofort entwickelt: Es wird beraten und diskutiert, eine Farbauswahl getroffen und über Feinheiten gesprochen. „Das Trikot von Mario Götze sieht auf dem Bild aber anders aus“, bemerkt ein Maler der Jungen-Gruppe. Und bei den Mädels herrscht noch Uneinigkeit über die Augenfarbe von Jung-Schauspielerin Selina Gomez – auf dem vorliegenden Foto ist dies nicht ersichtlich. Thema des integrativen Projekts ist „Verwandlungen“ – nicht, weil sich die elf Teilnehmer an drei Vormittagen in der Faschingswoche treffen und kostümieren. Vielmehr dürfen sie sich in dem Sinne verwandeln, dass sie in die Rolle von Vorbildern oder Idolen schlüpfen können.

Die ausgewählten Persönlichkeiten – eine der vier Gruppen hat sich sogar eine eigene Figur geschaffen – wurden mit einem Tageslichtprojektor auf eine Pappe projiziert und dann die Konturen abgemalt. In einem nächsten Schritt wurden die großflächigen Bilder von rund zwei auf zwei Metern bemalt, zum Teil akribisch genau und mit viel Liebe zum Detail, wie Kunsttherapeutin Thomas feststellt: „Es ist für mich berührend, wie engagiert, motiviert und aufmerksam sie an die Arbeit gehen.“ Und, was die Fachfrau als absolut positiv empfindet: „Es gibt keinen Streit, jeder übernimmt die Aufgaben, die er kann.“ Das habe sich im Lauf der praktischen Arbeit wie von alleine herauskristallisiert: „Es gibt Phasen eines hochkonzentrierten Miteinanders.“ Aber es gibt natürlich auch Zeiten der Entspannung. Es wird viel gelacht und geredet, während der Arbeit und beim gemeinsamen Essen, das der Praktikant zubereitet, sowieso.

Dieses ungewöhnliche Miteinander, das geprägt ist von der Lust auf das Malen, führt Christine Thomas auf die entspannte Ferienzeit zurück: Die Kinder stehen nicht unter Stress und Termindruck, können das Zusammensein regelrecht genießen. Und auch von einer Ankündigung lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen: Die vier großformatigen Werke, werden im Rahmen einer kleinen Ausstellung zu sehen sein. Am 6. März werden sie gen Rathaus gebracht, weitere Details werden noch organisiert.

Doch daran denken die jungen Maler noch überhaupt nicht, sie haben andere Probleme: „Wo ist der feine Pinsel?“ heißt es aus einer Ecke des Jugendhauses. Und in der anderen wird fein säuberlich am Engelsflügel von Selina Gomez gearbeitet.