Dettingen/Bad Urach / SUSANNE ECKSTEIN  Uhr
Ein ungewöhnlicher Musikherbst-Abend: Mit Stimme, Trompete und Orgel boten Michael Volle, Reinhold Friedrich und Christian Schmitt im "Kirchenkonzert 2" ein reiches, dunkel getöntes Programm.

Schwarz wie das aktuelle HMT-Plakat zeigte sich das Programm. Im Kern ging es hauptsächlich um Not, Schuld und Tod, gerade so, als sollte musikalisch schon auf November und Totensonntag eingestimmt werden, abgesehen von dem mit der Bearbeitung einer Händel-Ouvertüre gesetzten festlich-barocken Auftakt, der ganz der Erwartung an das beliebte Schema "Trompete und Orgel" entsprach. Hier brillierte der Ausnahmetrompeter Reinhold Friedrich mit biegsamem Ton und blitzender Virtuosität, flink begleitet von Christian Schmitt an der Orgel.

Was dem Abend eine geradezu experimentelle Note verlieh, war die Aufführung von Werken für Singstimme und Orchester respektive Klavier in einer Besetzung mit Orgel. Die herrliche, in den Opernhäusern der Welt glänzend auftrumpfende Bass-Bariton-Stimme von Michael Volle mit ihrem vibrierenden Strahlen verband sich nur schwer mit dem eher starren und obertonarmen Ton der Orgel. Diese stammt zwar aus derselben Epoche wie Brahms, Liszt und Wolf, verhielt sich aber trotz intensiver Assistenz durch Kantor Martin Strasser etwas eigenwillig, was Ton und Mechanik anlangte. So gut die Akustik der Dettinger Stiftskirche ist - die denkmalgeschützte Orgel ist heikel.

Mag das Miteinander von Stimme und Orgel bei einer Kantaten-Arie von Bach ("Er ists, der ganz allein") noch angehen, wird sie beim romantischen Klavierlied problematisch: Die Ausdrucksnuancen, die das Klavier mitträgt, gehen verloren. Mit der Orgel und Michael Volles mächtiger Stimme vermittelten die "Vier ernsten Gesänge" von Johannes Brahms den Eindruck alttestamentarischer Härte, und die später folgenden vier Lieder aus dem "Spanischen Liederbuch" von Hugo Wolf, die den Weg gen Bethlehem wiesen und durch das bekannte "Gebet" nach Mörike ergänzt wurden, wirkten eher dramatisch als lyrisch, auch wenn Max Reger persönlich sie für Orgel arrangiert hat. Dazwischen standen Originalwerke für Orgel allein: Felix Mendelssohn Bartholdys Orgelsonate op. 65 Nr. 3, von Christian Schmitt virtuos und lebhaft dargestellt, eine hier offenbar uraufgeführte "Fantasie über ein Thema von Johannes Brahms" von Harald Feller, zu der eine Einführung dringend vonnöten gewesen wäre, sowie eine Bach-Bearbeitung von Franz Liszt, die auf einer anderen Orgel vermutlich stilvoller gelungen wäre.

Zwischen Mendelssohn und Brahms wurde ein klingendes Mahnmal zum Gedenken an ein von deutschen Soldaten 1944 verübtes Massaker gestellt: "Gilgul" für Trompete und Orgel, komponiert 2010 durch den auch als Filmkomponisten bekannten Luca Lombardi.

Reinhold Friedrich legte seine ganze Kraft und sein vielseitiges Können in die Interpretation dieses auf einer düsteren Passacaglia aufgebauten Werkes, sein Engagement sprach sich aus in rauen Klagen und eindringlichen Weh- und Mahnrufen der Trompete, deren Klang hier menschliche, ja übermenschliche Qualität gewann.

"Kron und Preis gekrönter Damen" für Stimme, Trompete und Begleitung entpuppte sich musikalisch als "Großer Herr und starker König" aus Bachs Weihnachtsoratorium, das dieser von einer profanen Vorlage übernommen hat. Prachtvoll ausgeführt, animierte das Stück zum Lächeln - und zu jubelndem Beifall.