Gerade eben mit dem Wohnmobil angekommen, befindet sich das Ehepaar aus Karlsruhe noch in der Orientierungsphase. Doch eines erkennen die erfahrenen Wohnmobilisten und Urach-Novizen sofort: "Ein toller Stellplatz, so einen schönen gibt es bei uns nicht." Eine erste, wenn auch kleine, Einschränkung folgt jedoch: "Wenn es hier voll ist, bleibt kaum Platz um Tisch und Stühle ins Freie zu stellen", weiß die Reisende.

Problem erkannt heißt es aus der Kurverwaltung, mittels einer derzeit laufenden Befragung soll eruiert werden, welche Bedürfnisse die mobilen Besucher haben und was sie sich bei einer eventuellen Erweiterung wünschen. Die steht zwar noch nicht konkret im Raum, darüber nachgedacht wird bei der Kurverwaltung und der Stadt aber durchaus zwecks langfristiger Planung: "Nach der Auswertung sehen wir weiter", sagt Torsten Clement. Fakt sei indes eines: "Es ist wie bei den Autos, die Wohnmobile werden auch nicht kleiner."

2002 wurde das Areal in unmittelbarer Nähe zum Kurgebiet und den Albthermen eingeweiht - ein absolutes Plus wie sich schnell herausstellte. Die 14 Plätze reichten bald nicht aus, bereits 2007 wurde auf 26 aufgestockt. "Damals wurden zwei breite Plätze gebaut, die sind nun die beliebtesten", weiß der Amtsleiter für Touristik, Kultur und Stadtmarketing. Im Fall einer weiteren Vergrößerung würden die Stellplätze den heutigen Wohnmobilmaßen angepasst.

Auch in Sachen Technik und Stromversorgung sei der Platz nun in einem gewissen Alter, gehöre laut Clement modernisiert und optimiert: "Die Wohnmobile sind mit immer mehr technischen Geräten ausgestattet", berichtet er. In der Tat: Kaum ein Fahrzeug ohne Satellitenschüssel auf dem Dach, ein Hightech-Herd oder edle Kaffeemaschinen gehören in vielen Fahrzeugen längst zum üblichen Inventar.

Die eher kleinen fahrenden Urlaubsdomizile wie der gute, alte VW-Bus oder Nuggets sind auf dem Areal immer seltener zu sehen, die meisten Wohnmobilsten wollen auf Behaglichkeit und einen gewissen Luxus nicht verzichten. Diese Art von Urlaub liegt im Trend, der sich auch in den Übernachtungszahlen bemerkbar macht: 2010 wurden 4614 Übernachtungen registriert, die Zahlen steigerten sich auf 5526 (2011) über 6762 (2012) und 6945 (2013). 2014 dann der bisherige Rekord mit 7958 Übernachtungen, die Zahlen werden sich 2015 laut Clement in etwa auf diesen Wert einpendeln. Denn: "Es gibt durchaus noch das eine oder andere Steigerungspotenzial wie im Dezember." Doch zu Spitzenzeiten wie im Sommer oder an Wochenenden ist der Wohnmobilplatz ausgereizt: "Es kommt durchaus vor, dass er komplett voll ist. Wir weisen aber niemanden ab", weiß Sabine Müller, bei der Tourist-Info Ansprechpartnerin für die Wohnmobilurlauber. Sie spricht von einer Art Selbstregulierung bei guter Belegung. "Dann fährt der eine oder andere einfach weiter."

Und genau das ist der Reiz, den diese Form von Urlaub ausmacht: "Wir frühstücken noch und dann geht's weiter", erklärt ein Ehepaar aus Aschaffenburg, das repräsentativ für die Besucherstruktur steht - die meisten Wohnmobile sind von Ehepaaren im Alter ab etwa 50 Jahren besetzt. Aus Lust und Laune haben die beiden Franken in Bad Urach Station gemacht, wohin es weitergeht, wissen sie noch nicht. Schön sei's gewesen, die Kurstadt habe ihnen bestens gefallen: "Besonders die Landschaft hat uns fasziniert, aber auch die Wanderwege und das Bad." Das hört Sabine Müller am Counter vielfach, ob von durchreisenden Wohnmobilisten oder von Urlaubern, die länger bleiben. Viele Gäste sind aus Baden-Württemberg, aber grundsätzlich gibt es laut Clement kaum eine Einschränkung: "Die Besucher kommen aus ganz Deutschland und Europa."

Sabine Müller spricht von einem bunten Völkchen, das sich bei ihr ein Stelldichein gibt: "Es gibt viele, die eine ambulante Kur absolvieren", hat sie beobachtet, "andere besuchen ihre Partner in der Reha". Natürlich gibt es auch die klassischen Urlauber, die die Region erkunden. "Es gibt Paare, da reist er mit dem Wohnmobil an und sie mit dem Auto", erklärt Torsten Clement. "Man trifft hier auf interessante Lebensmodelle", sagt er und berichtet von einem Mann, der sich für ein halbes Jahr auf dem Bad Uracher Stellplatz einmietete. "Der war selbstständig, hat vom Wohnmobil aus gearbeitet und viel unternommen."

Viel unternehmen wollen die Karlsruher auch, zwei Tage bleiben sie auf jeden Fall: "Vielleicht werden es auch mehr." Doch die Zeit wird ihnen sicher davon rennen angesichts des vielfältigen Angebots in Bad Urach und der Region, denn zur Begrüßung gibt's bei der Tourist-Info eine Infotasche: Die ist prallvoll mit Broschüren, Fahrplänen und einem Kaffeegutschein. Ein weiteres Plus, wie Sabine Müller weiß: "Die Besucher freuen sich über diesen Service und sagen, dass sie so etwas selten erleben."

Wohnmobilplatz: So funktioniert's

Der Wohnmobilstellplatz in Bad Urach funktioniert nach einem ganz einfachen Prinzip: Die Fahrzeuge werden abgestellt und am Automaten zieht der Gast einen Parkschein, der gleichzeitig Gästekarte ist. Bei der Tourist-Info gibt's dann einen Schlüssel für Strom, ist die geschlossen können sie beim Hotel Graf Eberhard oder in den Albthermen geholt werden. Eine Stellplatz-Reservierung ist möglich, ein Angebot das laut Kurverwaltung immer öfter wahrgenommen wird.

SWP