Dettingen Leidenschaftliche Salonmusik

Das „Ensemble Narcissus“ war in Dettingen zu Gast.
Das „Ensemble Narcissus“ war in Dettingen zu Gast. © Foto: Gabriele Böhm
Dettingen / Gabriele Böhm 04.09.2018

Solche Lieder wünscht man sich doch, aber leider sind sie nicht so oft zu hören“, sagte ein Gast aus Rommelsbach. Gemeint war die „Salonmusik“, die das „Ensemble Narcissus“ aus Stuttgart im Rahmen des Dettinger Musiksommers zum Besten gab. Am Freitagabend war die Veranstaltung unter dem Motto „Melodien, Wein und Chrysanthemen“ im Bürgerhaus am Anger ausverkauft. Das Publikum genoss Musik, Wein und Knabbereien. Obendrein gab es zur Musik passende Gedichte.

Kaum hatten die Gäste das Programm in der Hand, fingen viele auch schon an, die darin vermerkten Evergreens wie „In einer kleinen Konditorei“ vor sich hin zu singen. „Wir spielen heute lauter Lieblingsstücke“, kündigte Thomas Lambeck an, der sich humorvoll mit „Ich Schuft schabe das Cello“ vorstellte und auch durch das Programm führte. Am Klavier saß Rudolf Mercy, der für die Arrangements verantwortlich ist. Seine Ehefrau Friederike Mercy entpuppte sich als „Teufelsgeigerin“, Eric Stehle spielte den Kontrabass.

Fußspitzen wippten, als das Ensemble mit dem „Kleinen Wiener Marsch“ von Fritz Kreisler begann und in perfekter Harmonie den schwungvollen, mit etwas Schwermut gewürzten „Slawischen Tanz“ von Antonin Dvorak folgen ließ. Mit Spannung wurde „Narcissus“ von Ethelbert Nevin erwartet. Wie Lambeck erzählte, sei Rudolf Mercy eines Tages eine alte Schelllackplatte mit diesem Titel in die Hände gefallen. Das Stück öffnete dem Ensemble den Blick auf die Salonmusik und wurde auch namensgebend. Inzwischen verfügt die Gruppe über jeweils rund 350 Stücke für kleine und große Besetzung, zu der auch eine Singstimme gehört.

Der Walzer „In einem kleinen Café in Hernals“, in dem einige Takte aus „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ zu hören waren, transportierte Romantik und Gemüt in den Saal und zauberte ein Lächeln auf viele Gesichter.

„Salut d´amour“ schrieb Edward Elgar 1888 während seines Junggesellenabschieds an seine Braut. Thomas Lambeck las dazu Brechts Gedicht „Weil ich dich liebe“. Ordentlich Pfeffer gab es beim „Puszta-Märchen“, dessen Czardas-Partie langsam begann und sich mit Violinistin Friederike Mercy als treibender Kraft zum höllischen Tempo steigerte. Lieblich und zugleich schwungvoll erklang der „Faust-Walzer“ aus der Oper „Margarethe“ von Charles Gounod.

Nach der Pause erschien das Ensemble in Schwarz und Rot, passend zu den Stücken, die das Publikum nach Rumänien, mit Edith Piafs Paradestück „Sous le ciel de Paris“ nach Frankreich und mit dem Lied von Astor Piazolla über einen kleinen Jungen, der im Restaurant Bachin Rosen verkauft, nach Argentinien führten. „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ widmete sich laut Lambeck dem Schicksal ausgedienter Soldaten, die sich als Eintänzer oder Liebhaber älterer Damen ihr Brot verdienen mussten. Dass es möglich ist, eine Sambamelodie auf einem einzigen Ton zu spielen, bewies das Ensemble mit „Samba de una nota“ von Jobim.

Viel Beifall gab es auch für das sehnsuchtsvoll-leidenschaftlich intonierte „Memory“ aus dem Musical „Cats“ und für den „Charleston“, mit dem die „Goldenen Zwanziger“ heraufbeschworen wurden. Als Zugabe nahmen die Musiker ihr Publikum mit auf den Broadway und spielten den „My Fair Lady“-Hit „Ich hätt´ getanzt heut´ Nacht“.

Dettinger Musiksommer

Für jeden Geschmack ist wohl etwas dabei: Der Musiksommer startete traditionell mit den Ermstalmusikanten. Gefolgt von Farbenglanz in Musik und Wein des Musikhauses Beck und der Weinhandlung et cetera. Soul, Pop und Funk gibt es zum Abschluss am 3. September mit „Soul Adiccted“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel