Noch haben die Uracher die Nase vorne, doch die Rheinländer sind ihnen dicht auf den Fersen: Im Internet lässt sich verfolgen, wie es momentan im Kampf um den Titel „Deutschlands schönster Wanderweg“ steht. Wie das Rennen ausgeht, entscheidet sich Mitte des Jahres. Bis zum 30. Juni kann jedermann übers Internet oder vermittels Postkarten entscheiden, wo er den Rucksack am liebsten schultern möchte, um einen unvergesslichen Tag in der Natur zu erleben. Ausgelobt hat den Preis das „Wandermagazin“, das dem Publikum unter zehn verschiedenen Routen die Wahl lässt. Für die noch jungen Bad Uracher Premiumwanderwege sei es bereits ein Erfolg, überhaupt in dieser Riege spielen zu dürfen, findet Torsten Clement, Bad Urachs Amtsleiter für Tourismus, Kultur und Stadtmarketing. Wiewohl, nachdem der frühere Chefredakteur des „Wandermagazins“ im vergangenen Jahr seine Wanderschuhe in der Kurstadt schnürte, gab es zumindest eine leise Hoffnung, die Uracher könnten in die Championsleague aufsteigen.

Die Begeisterung für die 2014 eröffneten Grafensteige beschränkt sich indessen nicht allein aufs Fachpublikum. Die Resonanz der meisten Wanderer, die eine der fünf Routen absolvieren, ist positiv, wie Clement sagt. Ihn freut besonders, wie gut die Touren bei den Einheimischen ankommen.

Einen klaren Favoriten konnte Clement noch nicht ausmachen, jeder der fünf Wege besitze seine Fans. Allerdings sorge vor allem der Hohenwittlingensteig bei den meisten Wanderern für einen Aha-Effekt. Denn die Route führt durch die Wolfsschlucht, einem Gebiet, von dessen urwüchsige Schönheit bislang nur Eingeweihte wussten. Hier einen gangbaren Weg zu kreieren war eine Herausforderung, erinnert sich Torsten Clement. Dass es schließlich funktionierte, sei auch der Hartnäckigkeit seiner Mitarbeiterin Nadine Zöllner zu verdanken. Gemeinsam hätten sie es schließlich geschafft, eine Route zu entwerfen, die den Ansprüchen an einen Premiumwanderweg genüge.

Nachdem die Kurstadt in den vergangenen Jahren viel Geld in die Hand nahm, um ihre touristische Infrastruktur zu verbessern, geht es in diesem Jahr vor allem um die Qualitätssicherung, sagt Clement. Eine zeitaufwendige Angelegenheit. Die Grafensteige kontrollieren regelmäßig so genannte Wegepaten, die fehlende Schilde oder sonstige Schäden an die Kurverwaltung melden, die anschließend für Abhilfe sorgt.

Wandern bleibt damit, neben dem Thermalbad, das touristische Zugpferd der Uracher. Dabei, sagt Torsten Clement, sei die Landschaft rund um die Grafenstadt ideal fürs Mountainbiken. Gespräche, das Angebot in diesem Bereich auszubauen, habe er schon mehrfach geführt, etwa mit den Verantwortlichen des Biosphärengebiets oder mit dem Marketingchef der Firma Magura, deren Stammsitz bekanntlich in Bad Urach zu finden ist. Über den Wunsch, ein entsprechendes, die gesamte Region umfassendes Angebot zu schaffen, waren sich die Gesprächspartner rasch einig, „das muss aber einer in die Hand nehmen“, betont Clement. Mit dem derzeitigen Personal der Bad Uracher Kurverwaltung sei das indessen nicht zu stemmen. Freilich fänden Radler dennoch genug interessante Touren rund um Bad Urach. Zudem biete die Kurverwaltung seit 2007 die Gelegenheit, E-Bikes auszuleihen. Das Angebot kommt an, sagt Clement, es auszuweiten, hält er trotzdem für unnötig. Er glaube nicht daran, dass sich ein Verleihsystem rentiert, das auf eine Kommune begrenzt sei. „Das müsste ebenfalls regionaler sein.“ Außerdem brächten viele Feriengäste ihre E-Bikes zwischenzeitlich selbst mit, etwa im Wohnmobil. Wohnmobilisten sind häufige und gern gesehene Gäste in der Kurstadt, weswegen die Verantwortlichen den Gedanken, die gut genutzten Stellplätze zu erweitern, im Hinterkopf behalten. Dieses Jahr steht das aber definitiv nicht auf der Agenda, sagt Clement.

Es gelte, so der Uracher Tourismuschef, sich nicht zu verzetteln, sonst lasse sich die hohe Qualität, die die Kurstädter ihren Gästen bieten wollten, nicht halten. Apropos. Gut gehalten haben sich auch die Besucherzahlen im neu eröffneten Haus des Tourismus’. Im Schnitt kamen in den Weihnachtsferien 50 Besucher. Besonders positive Rückmeldungen erhielten die dortigen Mitarbeiter über die so genannte Bergtour. Sie führt die Kinder hinauf an die Hänge des Tiergartens. Hier gibt es für die Mädchen und Jungen noch zusätzliche Anreize, weiß Clement, und nicht nur die Geschichte auf dem Tablet.