Man staunt immer wieder, was für musikalische Köpfe die Region fast unbemerkt hervorbringt. Sie ziehen weg, werden Berufsmusiker und kehren irgendwann für einen Auftritt zurück – wie nun der Geiger Matthias Hummel, der in Neuhausen aufgewachsen ist und vom Veranstaltungsring Metzingen für einen Kammermusikabend in Dettingen gewonnen wurde. Seit 2001 bildet er ein Duo mit dem Pianisten Heiko Holtmeier, der an diesem Abend sympathisch und kundig die Werkeinführung für das vergleichsweise zahlreich erschienene Publikum übernahm.

Der Zillenhart-Saal eignet sich bestens für Kammermusik; die Akustik ist natürlich, und die Zuhörer sind nah dran am Geschehen. Zunächst an der Violinsonate D-Dur KV 306 von Wolfgang Amadeus Mozart, die den Rollenwechsel der Instrumente in der Sonate jener Zeit hörbar macht: Führt zu Beginn noch das Klavier, bietet ihm die Violine bald Paroli. Dieser Mozart war weder abgehoben noch artifiziell, sondern spontan und unbekümmert, dabei tief- und untergründig, und dies in enger, gleichberechtigter Übereinstimmung der Musiker. Hummels Geigenspiel wirkte direkt und persönlich, sein Ton wandlungsfähig und warm.

Diese Qualitäten kamen auch der Sonate Nr. 2 G-Dur von Edvard Grieg zugute. Liebevoll gingen die Musiker auf Details, Rhythmen und Stimmungen ein, ihr scheinbar spontanes, dabei tiefschürfendes Spiel traf den romantisch-folkloristischen Charakter der Sonate genau; im tänzerischen Finalsatz verband sich Leichtigkeit mit Leidenschaft.

Der zweite Teil des Programms bot nach drei eher untypischen, einfachen kleinen Stücken (op. 79d) von Max Reger eine groß dimensionierte, nie gehörte Rarität, sozusagen „neue“ Musik: ein Duo-Stück des Waldemar von Bausznern (auch Baußnern, 1866–1931), dessen umfangreiches kompositorisches Schaffen in Vergessenheit geraten ist; ob zu Unrecht, wird sich noch herausstellen. Hummel und Holtmeier jedenfalls engagieren sich leidenschaftlich für seine Musik.

Sie vermittelten einen prägnanten, farbigen Eindruck von dem eigenwilligen, zwischen Spätromantik und Moderne angesiedelten Stil und dem „Thema in ungarischer Weise mit Variationen, Passacaglia und Finale“ für Violine und Klavier (1916), in das wohl Jugendeindrücke des in Siebenbürgen aufgewachsenen von Bausznern eingeflossen sind. Das Stück erwies sich als Herausforderung für Musizierende wie Hörer: Nicht nur aufgrund der Länge und des hohen technischen Anspruchs, der mit wilden Sprüngen und Kunstgriffen aller Art bis in extreme Lagen wahre Teufelsgeigerei verlangt, sondern auch durch die recht bunte Machart, die scheinbar willkürlich Alt und Neu in überraschenden Kombinationen mischt – man weiß nie, welche Um- und Abwege diese Musik nimmt. Hummel und Holtmeier meisterten sie mit Wärme und solidem Können.

Die Variationen entpuppten sich als lange Capricenfolge mit Anklängen sowohl an Paganini wie auch an ungarische Zigeunermusik, die beide Musiker in der spätsommerlichen Schwüle bis zum Äußersten forderte, zumal der Schluss nach einem Exkurs in lyrische Gefilde zu orchestral auftrumpfenden Höhepunkten zu steigern war. Danach – und nach dem lebhaften Applaus des Publikums – war Erholung angesagt: Sie erfolgte sinnigerweise mit einer schlichten Romanze des eigentlich für üppige Klangkunst bekannten Bausznern-Zeitgenossen Max Reger.

Profi-Laufbahn von Neuhausen aus


Der Geiger Matthias Hummel ist in Neuhausen aufgewachsen und mittlerweile im Profi-Zirkus unterwegs. Er wurde vom Veranstaltungsring Metzingen für einen Kammermusikabend in Dettingen gewonnen. Seit 2001 bildet er ein Duo mit dem Pianisten Heiko Holtmeier.