Dettingen Klein, aber fit am Markt

Von Christina Hölz 08.06.2018

Das Wort des Abends: überdurchschnittlich. Über dem Durchschnitt vergleichbarer Geldhäuser liegt laut Vorstand Gerhard Stooß der Zuwachs im Kreditgeschäft der Dettinger Bank. Über den üblichen Margen auch Erträge und Bilanzgewinn. Und wenn’s an die Dividende geht, schwingt bei Aufsichtsratschef Archibald Fritz sogar ein wenig Euphorie mit: „Schauen Sie mal bei anderen Banken nach“, wendet der sich an die Mitglieder der Genossenschaft. „Unser Ergebnis liegt ganz weit oben.“

Kurz: Die Dettinger Bank bleibt auch in Krisenzeiten auf Kurs, vielfach sogar auf Wachstumskurs. So ging’s bei der Generalversammlung im schwülwarmen Bürgerhaus am Anger nur einmal hitzig zur Sache: Nämlich als Gerhard Stooß auf die Neuerungen in der künftigen Schalterhalle zu sprechen kam.

Aber der Reihe nach. Selbstverständlich ist das gute Ergebnis des kleinen Dettinger Geldhauses ja nicht. Digitalisierung, Niedrigzinsen und eine steigende Regulatorik mit „ständig neuen Gesetzgebungsverfahren“ belasten gerade die kleinen Banken, blickte Ralf Baumann, der zweite Mann im Vorstand, auf die allgemeine Wirtschaftslage. Zehn Jahre nach Lehmann-Pleite und Banken-Kollaps bezahlen Häuslesbauer heute gerade 1,5 Prozent Zinsen – statt damals noch um die fünf Prozent. Die Geldinstitute hadern mit den sinkenden Zinserträgen, auch wenn sich immer mehr Kunden ihr Eigenheim finanzieren lassen.

Die Dettinger Bank verzeichne im Kreditgeschäft seit 2013 ein kontinuierliches Wachstum, führte Finanzchef Gerhard Stooß weiter aus. Zuletzt schraubten die Ermstäler die Zuwachsrate ihrer Kredite um 6,1 Prozent in die Höhe – auf nun rund 80,4 Millionen Euro (Vorjahr 75,7 Millionen). Unterm Strich hat die Bank im Jahr 2017 „in einem umkämpften Geschäft“ Darlehen in Höhe von 14 Millionen Euro vergeben. Erfreulich für Gerhard Stooß: „Die Kunden sind breit gestreut, es handelt sich um viele einzelne, überschaubare Darlehen.“

Gestiegen sind auch die Erträge. Die Genossenschaftsbank weist einen Bilanzgewinn in Höhe von gut 223 790 Euro aus. Ein Umstand, der den Mitgliedern eine Dividende von vier Prozent beschert. „Wir liegen damit deutlich über dem Kapitalmarkt“, urteilte der Bankvorstand, der von einem „zufriedenstellenden, sogar guten Geschäftsjahr“ sprach. Dazu hat laut Stooß auch das für die kleine Bank recht neue Geschäftsfeld der Immobilienvermittlung beigetragen, das gut angelaufen sei: „Gute Häuser und Wohnungen sind im Ermstal schnell zu Top-Preisen verkauft.“

Und wie geht’s weiter? Den Anlegern wollen die Vorstände der Dettinger Bank auch weiterhin Negativzinsen ersparen, beteuern sie. Auch wenn Gerhard Stooß („die sieben fetten Jahre liegen fast hinter uns“) das Wachstum seines Hauses langsam an die Grenzen kommen sieht. Umso wichtiger ist es den Bankvorderen, das Dettinger Institut für die Zukunft zu rüsten.

Das geschieht derzeit mit einem umfangreichen Umbau am Stammsitz in der Karlstraße (wir berichteten). Für rund 2,6 Millionen Euro erweitern die Verantwortlichen das Bankhaus und schaffen neue Wohnungen.

Möglich ist das, weil der leerstehende alte Haus- und Gartenmarkt hinter der Bank weichen musste.

Dort entsteht der Neubau, der an das bestehende Bankgebäude anschließt. Künftig können dann alle Bankgeschäfte auf einer Etage ablaufen. Kräftig saniert wird auch die bisherige Schalterhalle, die ein„moderneres, wohnliches Ambiente“ erhalten soll, so Planer Archibald Fritz. Auch was den Service betrifft, gehen die Dettinger neue Wege: Die Bank schafft die Kasse ab – und so die Möglichkeit für Kunden, Bargeld direkt beim Bankpersonal abzuheben. „Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht“, sagte Gerhard Stooß.

Laut Vorschrift der Berufsgenossenschaft gelte im Kassenbetrieb aber das Vier-Augen-Prinzip – es müssen immer zwei Mitarbeiter in Sichtweise voneinander am Schalter stehen. „Das ist nicht mehr leistbar und auch nicht mehr bezahlbar“, bedauerte der Vorstand, der die Neuerung gegenüber einem Gesellschafter verteidigen musste: Der Mann hatte sich beschwert, bei den Banken würde vieles teurer und unbequemer.

Wie dem auch sei, Geld abheben und einzahlen können Kunden in Dettingen künftig mit der EC-Karte an den Automaten. Wer seine Karte vergessen hat, bekommt ersatzweise eine „White Card“, mit der Bares ebenfalls versorgt werden kann, so Stooß. Für alles Weitere bleiben die Servicemitarbeiter vor Ort und informieren bei Bedarf in neuen Beratungszimmern.

Bis die neue Halle fertig ist, müssen die Banker aber improvisieren: Am Mittwoch, 27. Juni, zieht das Personal in einen vorläufigen Schalterraum im Neubau um. Schon einen Tag später sollen die Kunden dort wieder bedient werden, bis es im November im sanierten Stammhaus weitergeht.

Wolfgang Budweg tritt ab, Heiko Manns rückt nach

Wechsel im Aufsichtsrat der Bank: Nach zwölf Jahren gibt Wolfgang Budweg sein Amt ab. Altershalber, der CDU-Gemeinderat hat die 65 überschritten. Für seine Dienste gab’s Dankesworte von Archibald Fritz („wir verlieren ein kompetentes Mitglied“) und Bankchef Gerhard Stooß. Für Budweg rückt der 46-Jährige, Steuerberater Heiko Manns aus Dettingen nach. Wiedergewählt ist Aufsichtsrätin Christine Heinkel. Schließlich wurde Vorsitzender Archibald Fritz geehrt. Er gehört dem Gremium seit 20 Jahren an, elf davon als erster Mann.

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