Der Mann ist schonungslos-direkt und lebt mit 80 noch vom Charisma des Vordenkers. Ja, auch bei seinem Fesvortrag in Bad Urach ruft Franz Alt, renommierter Autor, Mahner und ehemaliger „Report“-Moderator, das umweltpolitsche Armageddon aus. Warnt vor der klimatechnischen Heißzeit und dem großen Artensterben. Dem Tod der Tiere und Pflanzen folgt, so Alt, konsequent das Menschensterben. Denn: „Wir sind die erste Generation, die Gott voll ins Handwerk pfuscht. Wir spielen Evolution rückwärts.“

Was zu tun ist, das predigt der politische Journalist, der nach eigenem Bekunden Freundschaften mit Michail Gorbatschow und dem Dalai Lama pflegt, ebenfalls seit Jahrzehnten. Franz Alt gilt als Vorkämpfer für erneuerbare Energien. Und Solaranlagen will er möglichst auf allen Dächern sehen. Auch auf denen der Kirchen. „Dann würde der heilige Geist endlich Landeflächen finden“, folgert der bekennende Christ.

Was das alles mit den Herbstlichen Musiktagen zu tun hat, wo  Franz Alt als Eröffnungsredner auf der Festhallen-Bühne stand? Klar, Umbruch ist bei diesem Festival seit Jahren. Und der künstlerische Leiter Florian Prey setzt zum Auftakt längst nicht mehr (nur) auf Musikwissenschaftliches – sondern bevorzugt zeitgenössische Themen.

Davon abgesehen schlug Franz Alt in seinem Vortrag „Lust auf Zukunft“ die Brücke von der Umweltpolitik zur Musik unbestritten clever. Er brachte den Musiktage-Gründer-Leiter Hermann Prey und seine Paraderolle als Vogelfänger Papageno in Mozarts „Zauberflöte“ ins Spiel. „Wo sind denn all’ die Vögel hin?“, hätte Hermann Prey gefragt.

Aber zurück zum Festival unter dem Motto „Klangerfühlt“. Noch bis Freitag, 5. Oktober, dem Abschluss mit Händels „Messias“ in der Amanduskirche, gibt’s täglich hochkarätige Konzerte in der Kurstadt. Darunter am heutigen Montag ein experimentielles Projekt mit dem Berliner Stegreif-Orchester (die Musiker spielen barfuß und ohne Noten) und am Donnerstag einen Liederabend mit der gefragten Mezzosopranistin Vesselina Kasarova.

Wenig Freude bereitete den Verantwortlichen derweil der Ausfall des Top-Acts der Festspiele, Martin Grubinger. Der Salzburger Star-Trommler hatte seinen gestrigen Auftritt in der Reutlinger Stadthalle wegen einer Erkrankung absagen müssen. „So etwas kommt vor, sollte uns aber in Zukunft erspart bleiben“, bilanzierte Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann ernüchtert.

Von der unangenehmen Überraschung im Konzertplan einmal abgesehen, hatte der Rathauschef – vor reichlich Polit-Prominenz aus der Region – auch Positives zu vermelden. So haben die Herbstlichen Musiktage nach dem Rücktritt der Volksbank als Hauptsponsor einen Nachfolger gefunden. Das Unternehmen Sika-Deutschland springt ab sofort als wichtiger Geldgeber aus der Wirtschaft in die Bresche.

Elmar Rebmann freut’s, schließlich sei die Stadt in Sachen Musikherbst auf die Riege der Sponsoren und öffentlichen Förderer angewiesen.

In anderer Sache warb der Verwaltungschef am Samstag ebenfalls um Unterstützung: Die Uracher wollen die Festhalle sanieren, und zwar unter anderem so, dass die Musiktage-Gäste ihren Pausen-Sekt künftig in einem richtigen Foyer goutieren können. Die Spendenkassen standen beim Eröffnungsempfang schon mal bereit – neben den Quiches und den Lachshäppchen, die nach den Jazz-Klängen des famos aufspielenden Alliage-Quintetts gereicht wurden.

Herbstliche Musiktage Bad Urach


Die Herbstlichen Musiktage gehen noch bis Freitag, 5. Oktober, über die Uracher Bühnen. Tickets gibt es im Kulturreferat (0 71 25) 9 46 06, per E-Mail unter info@ herbstliche-musiktage.de und online auf www. herbstliche- musiktage.de.

Weitere Berichte zum Auftakt und die Konzertkritik lesen Sie auf unserer Seite Kultur in der Region.