Bad Urach Kirche muss neu erlebbar werden

Mit Chorgesang: In der Amanduskirche versammelten sich Gläubige zum zentralen Church-Night-Treffen. Foto: Kirsten Oechsner
Mit Chorgesang: In der Amanduskirche versammelten sich Gläubige zum zentralen Church-Night-Treffen. Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 02.11.2013
Die Church Night ist ein relativ neuer Weg, den Reformationstag mehr ins Bewusstsein zu rücken: In der Stiftskirche St. Amandus fand die zentrale Veranstaltung für erwachsene Christen im Kirchenbezirk statt.

Als das evangelische Jugendwerk Württemberg 2006 die erste Church Night-Kampagne initiierte, sollten vor allem junge Protestanten mit frischen, frechen und kreativen Aktionen angesprochen werden. Das Ziel ganz klar: Den Reformationstag wieder mehr ins Bewusstsein rücken und einen Kontrapunkt zum immer mehr um sich greifenden Halloween-Treiben setzen. Die Idee kam an, inzwischen finden in ganz Deutschland und sogar weltweit entsprechende Veranstaltungen statt - seit jeher auch im Kirchenbezirk Bad Urach.

Doch der Gedanke, den Reformationstag - damit erinnern Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch Martin Luther - auf unkonventionelle Weise unter dem Motto "hell.wach.evangelisch" zu feiern, kommt längst auch bei Erwachsenen an.

Und so hatte die evangelische Kirchengemeinde Bad Urach und das Bezirkskantorat zu einer zentralen Veranstaltung für den Kirchenbezirk in die Stiftskirche St. Amandus eingeladen. Auch hier erwartete die Gläubigen ein etwas anderer Gottesdienst mit flotter Musik vom Metzinger Gospelchor "Gospel 4 you" unter der Leitung von Bezirkskantor Stephen Blaich.

Ungewöhnlich der fließende Übergang von einem gemeinsamen Gesumme der Gemeinde und des Chores in den Choral "Meinem Gott gehört die Welt", emotional berührend Blaichs Interpretation des Lieds "Such, wer da will ein ander Ziel" - das hatten zuvor die Gottesdienst-Besucher unter Begleitung des Uracher Posaunenchores gesungen.

Groß war die Zahl der Protestanten, die einen großen und wichtigen Tag der evangelischen Kirchenhistorie nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen. Zwar werde, so Amanduskirchen-Pfarrer Wilhelm Keller, mit der Church Night zurück geblickt und an den Reformator Luther erinnert. Doch, so seine Ausführungen: "Reformation liegt auch immer vor uns", meinte er. "Die Kirche bedarf steter Erneuerung, auch wenn sie hoch aktuell ist und noch längst nicht der Vergangenheit angehört" Sie müsse jedoch neu erlebbar werden, mit dem Church Night-Gottesdienst sollen neue Impulse gegeben werden.

Ins Zentrum seiner Gedanken rückte Pfarrer Keller die Frage "Wie werde ich meinem Leben gerecht?". In einer Leistungsgesellschaft meine man zwangsläufig, es allen recht machen zu wollen: "Sonst wird man von der Angst überfallen, aus diesem Lebensentwurf zu fallen."

Die Frage müsse indes lauten: "Wie wird mein Leben gerechet?". Die Antwort würde Martin Luther gebe, der die Weite im Leben gesucht und sie auch gefunden habe: "Er wollte nicht mehr nur ein Mönchle sein." Wahres Menschsein würde bedeuten, in der Weite zu leben, die Gott den Menschen schenke.

Luthers Gedanken machten schnell die Runde, vor allem seine Lieder haben zur Verbreitung des Evangeliums beigetragen - eben auch weil er hier neue Wege ging, die Kirchelieder volksliedhaft und im Stiel eines Erzähllieds aufbaute: "Er warb um das Ohr des Zuhörers." Bis heute haben seine Texte und Melodien nicht an Aktualität verloren - das wurde bei der Church Night einmal mehr deutlich.

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