Es war schlimmer als das übliche Winteranfang-Szenario. Was Verkehrsteilnehmer am Donnerstag in und um Bad Urach auf den Straßen erlebten, war ein Jahrzehnte-Ereignis. Ein Wolkenbruch in Schneeform, gepaart mit allem Pech, das sich meist dann einstellt, wenn man ohnehin kein Glück hat. Angefangen damit, dass bereits einer der ersten Lastzüge, der nach Beginn des Schneefalls nachts die Ulmer Steige hochfuhr, havarierte und der Anhänger umkippte. Bergen konnte man das Gefährt erst Stunden später bei Tageseinbruch.

Das war der Beginn eines nervenaufreibenden Wintertags, denn die B 465 war noch gesperrt, die Sirchinger Steige schied als Alternative schnell aus, weil ein Omnibus in die Leitplanke fuhr. Was blieb, war die Steige hoch nach Grabenstetten und ein Verkehrsaufkommen in einer der kleinsten Gemeinden Baden-Württembergs, wie es "noch nie der Fall war", wie der frühere Bürgermeister Bernd Schmid unserer Redaktion in Wort und Bild berichtet.

Wer auf dem Weg zur Arbeit im Stau gestanden hat, möchte das nach Möglichkeit nicht mehr erleben, aber Chancen, dass dies künftig durch ein besseres Verkehrs-Konzept verhindert werden könnte, sind gering. Einige Fragen und Antworten:

Hätte eine frühere Öffnung der B 465 geholfen?

Sicher hätte dies zu einer Entlastung geführt, wie der Leiter des Kreisstraßenbauamts, Udo Pasler, einräumt. Aber auch nur so lange, wie kein Laster hängen geblieben wäre. Abgesehen davon konnte die Straße nicht vorzeitig freigegeben werden, sagt Pasler. Verkehrsschilder und Leitplanlen fehlten, die tatsächlich an diesem schneereichen Tag erst eingebaut wurden. Provisorisch, so wurden die Schilder beispielsweise nicht in der vorgeschriebenen Höhe angebracht: "Wir haben sie einfach nur reingesteckt." Die Hülsen wurden zuvor schon im Boden verankert. Es gab viele Anrufe von Bürgern, die an dem Tag eine Freigabe der Straße forderten, auch die Polizei startete eine Anfrage: Doch aus versicherungstechnischen Gründen war das nicht möglich, so Pasler: "Das ist auch eine Frage der Haftung."

Waren zu wenige Räumfahrzeuge im Einsatz?

Allein auf den Steigen waren 34 Mann im Zweischichtbetrieb in 28 Fahrzeugen im Einsatz. "Mehr geht nicht", sagt Udo Pasler. Dadurch wird aber nur eine Rundenumlaufzeit von zwei Stunden eingehalten, das heißt, wo gerade geräumt wurde, kommt erst in zwei Stunden der nächste Schneepflug. Bei den wolkenbruchartigen Schneefällen kommt in zwei Stunden viel Unheil vom Himmel. Mehr Männer, mehr Fahrzeuge? Die Ausrüstung für einen Wagen kostet 80 000 Euro. Dies mitsamt den Personalkosten vorhalten, weil es alle paar Jahre so schneit? Der Steuerzahler müsste es finanzieren.

Warum war beispielsweis die Honauer Steige viel früher wieder befahrbar?

Die Ulmer Steige ist wegen ihrer vielen Haarnadelkurven berüchtigt. Ein schwerer Sattelschlepper kommt in einer engen Kehre fast zum Stehen. Selbst mit guten Reifen kommt er da ohne Allradantrieb nicht mehr weg, so Pasler. Die Honauer Steige hat nur wenig schwierige Passagen, viele Geraden. Und wesentlich weniger Verkehr.

Könnte die Polizei die Lastzüge vor den Steigen nicht aus dem Verkehr ziehen?

Theoretisch ja, in der Praxis fehlt dazu der Platz, sagt Udo Pasler. Mit der Polizei habe das sein Amt "oft und lang diskutiert". Dazu bräuchte man geräumige Parkplätze. Den Steigen fehlt dazu eine dritte Spur, auf der die Fahrer ihren Trucks Schneeketten aufziehen können.

Ein Problem war immer wieder Schneebruch. Müsste man in Steigen nicht grundsätzlich mehr Ausholzen?

"Auch so ein Thema", sagt Udo Pasler, "wo sollen wir anfangen, wo aufhören?" Den ganzen Hang abholzen, wie an der B 465, "will natürlich auch niemand", von den Kosten ganz abgesehen. Und von anderen Interessen, etwa denen des Naturschutzes. Sämtliche Steigen werden ohnehin zwei Mal jährlich von Experten in Form eines Baumbegangs inspiziert.