Die Redner waren sich einig wie selten, wenn’s ums Geld geht. Durch die Bank sprachen die Gemeinderäte am Donnerstag von einer „enorm großen Herausforderung“, die Dettingen mit dem Umbau der Schillerschule zu stemmen hat. Die Ermsgemeinde investiert dort in ihre Gemeinschaftsschule und schafft einen zentralen Standort für alle Grundschüler (wir haben ausführlich berichtet).

Das Projekt bringt zwar selbst eine finanzstarke Kommune wie Dettingen an die „Grenze des Machbaren“ – es ist aber nicht nur für die Räte alternativlos, sondern auch für Bürgermeister Michael Hillert. „Im anderen Fall hätten wir längerfristig keine weiterführende Schule mehr am Ort. Das könnte ich mir bei 9300 Einwohnern kaum vorstellen“, begründete der Rathauschef einmal mehr die hohen Ausgaben in den kommenden Jahren.

Zwar fällt der Startschuss für den Ausbau der Schillerschule erst im Sommer 2017, wie Hillert erklärt. Doch schon jetzt steht das größte Bauvorhaben der vergangenen Jahrzehnte im Fokus der kommunalen Finanzplanung. Und das nicht nur, weil die erste Rate für die Umbaupläne (rund 500 000 Euro) nun ansteht. Erstmals seit langem haben auch die drei Fraktionen im Dettinger Gemeinderat (CDU, Freie Wähler und die Unabhängige Liste) komplett auf Anträge zum Haushalt verzichtet. Und das Zahlenwerk, das Dettingens Kämmerer Karl Reusch für das Jahr 2016 gefertigt hat, gilt als Etat des Maßhaltens - der eher gebremsten Investitionslust. Oder, um es mit Bürgermeister Michael Hillert zu sagen: „Wir müssen Luft holen, ehe es ans Eingemachte geht.“

Zwar steht der Haushalt, was das Volumen angeht, dem Vorjahr in nichts nach – beides Mal bewegen die Dettinger gut 31 Millionen Euro. Doch die geplante Kreditaufnahme ist ebenso gestrichen wie manches kleinere und mittlere Bauvorhaben.

Was die Gemeinde letztlich anpackt? Zu nennen ist sicher der Brandschutz für die Neuwiesenhalle. Erste Pläne hat das zuständige Büro in der jüngsten Sitzung vorgestellt, der Rat hat jetzt die Ingenieurleistungen vergeben. Noch stehen die genauen Kosten nicht fest – im Gespräch sind gut 900 000 Euro. Weitere rund 382 000 Euro muss Dettingen in den provisorischen Brandschutz an der Uhlandschule investieren (siehe Artikel unten).

Dennoch: Ausgaben in Höhe von 4,7 Millionen Euro 2016 dürften ein Leichtes sein gegenüber den 15 Millionen Euro, die der Ausbau der Gemeinschaftschule verschlingt.

Kein Geheimnis: In Zukunft wird deswegen auch die Pro-Kopf-Verschuldung in Dettingen deutlich steigen. Von 231 Euro im Jahr 2014 auf 3288 Euro pro Einwohner im Jahr 2019. Gemeinderat Dieter Schweizer rechnete das in seiner Haushaltsrede für die Unabhängige Liste vor. Sorgen bereiten ihm allerdings weniger die anstehenden Kreditaufnahmen – sondern die laufenden Ausgaben der Kommune. Die gelte es „dringend und mit Nachdruck zu prüfen“, sagte Schweizer.

Die UL regt an, im Verwaltungshaushalt (der Etat, der den Betrieb Gemeinde umfasst) langfristig etwa fünf Prozent einzusparen. Schweizers Vorschlag: „Ein internes Vorschlagswesen, wie das die Industrie praktiziert.“

Die Unabhängige Liste steht indes (wie FWV und CDU) zur Finanzpolitik der Gemeinde, stellte der Redner klar: „Wir wollen auch nicht Dinge über den Haufen werfen, die Dettingen attraktiv machen.“

Apropos Infrastruktur: Auch Gemeinderat Klaus Hirrle, der für die Freien Wähler sprach, wies auf erkleckliche Ausgaben hin. Etwa auf die Negativsaldi von 700 000 Euro, die Freibad und Hallenbad jährlich verursachten: „Das ist nicht unerheblich. Die FWV steht zu diesen Einrichtungen, möchte aber darum bitten, den Fehlbetrag so gering wie möglich zu halten.“

Klaus Hirrle machte sich ferner für die Verkehrskonzeption stark. „Finanziell Machbares sollte hier nicht auf die lange Bank geschoben werden“, so der Gemeinderat, der etwa eine bessere Parksituation im Ort und weitere Fahrrad- und Fußgängerüberwege im Blick hat.

Und: Die Freien Wähler stehen hinter der Erhöhung der Gewerbesteuer in Dettingen um 20 Prozentpunkte. Das sei mitunter deshalb vertretbar, weil der letzte Anstieg fünf Jahre zurückliegt und Dettingen nun auf dem Niveau vergleichbarer Kommunen liege.

Schließlich CDU-Chef Wolfgang Budweg. Er sprach sich, wie seine Vorredner, für mehr bezahlbaren Wohnraum in Dettingen aus – und brachte als Einziger einen konkreten Vorschlag aufs Tapet: Geht’s nach der CDU, so könnte das Ensemble rund um die Uhlandschule nach dem Auszug der Grundschüler zu einem attraktiven Wohngebiet werden. Auch das Nahwärmenetz der Gemeinde bringt Budweg ins Spiel – und er verweist auf mögliche Bundeszuschüsse für den sozialen Wohnungsbau.

In seiner Haushaltsrede ging Budweg auch auf die Entwicklung Dettingens ein. Die sei „ausgesprochen positiv“ verlaufen. Die Gemeinde habe nicht über ihre Verhältnisse gelebt und Schulden kontinuierlich abgebaut.

Gegen eine „Misswirtschaft in Dettingen“, wie sie in der Debatte um die Uhlandschule bemängelt worden sei, verwahrt er sich. „So etwas können wir nirgends entdecken“ ,sagt der CDU-Vorsitzende.