Dettingen In den Beinen ist noch Leben

Natalie Henkel, hier an ihren Arbeitsplatz bei den Blumenmönchen, darf nach ihrem Unfall wieder hoffen: Sie kann den teuren Rehaplatz ohne Zuschuss der Krankenkassen finanzieren.
Natalie Henkel, hier an ihren Arbeitsplatz bei den Blumenmönchen, darf nach ihrem Unfall wieder hoffen: Sie kann den teuren Rehaplatz ohne Zuschuss der Krankenkassen finanzieren. © Foto: Christina Hölz
Von Christina Hölz 15.02.2018

Schritt für Schritt, Klimmzug um Klimmzug. Natalie Henkel schwitzt auch an diesem sonnigen Mittwochnachmittag an den Geräten im Fitness-Studio. Geradezu ehrgeizig trainiert die junge Frau ihren Körper, auch wenn sie danach oft Schmerzen quälen. „Mir tun die Beine wahnsinnig weh. Und manchmal spüre ich jeden Muskel“, sagt die 32-Jährige. Aber gerade jetzt will sie ihren Körper fit halten. Sie kämpft  um jeden Millimeter Beweglichkeit, denn die querschnittsgelähmte Dettingerin arbeitet auf einen wichtigen Termin hin: Im Juli kann sie die ersehnte Therapie in einer Pforzheimer Spezialklinik antreten. Von dieser Behandlung erhofft sie sich viel. Sie soll Natalie im besten Wortsinn wieder auf die Beine stellen.

Lange hatte es so ausgesehen als könnte sich die junge Frau die teure Therapie gar nicht leisten. Fast 60 000 Euro muss sie aufbringen für diesen Klinikplatz, den die Dettingerin als große Chance sieht. Als Rettungsast, um wieder zurückzukehren in einen wenigstens halbwegs normalen Alltag. Natalie Henkel stand mitten im Leben, bis ihre Beine sie plötzlich nicht mehr trugen. Vor fast drei Jahren hatte die geübte Motorradfahrerin auf einer Tour ins Allgäu die Kontrolle über ihre Maschine verloren. Nicht zu schnell unterwegs, rauschte sie in einer Kurve mit Rollsplitt gegen die Leitplanke. Die Ärzte im Krankenhaus diagnostizierten einen Querschnitt vom sechsten Brustwirbel an.

Seitdem sitzt Natalie im Rollstuhl. Die Krankenkassen haben die 32-Jährige aufgegeben: Austherapiert lautet das Urteil. Deswegen müssen Natalie Henkel und ihre Familie die Behandlung in der Pforzheimer Klinik selbst bezahlen. Und das schien bislang unmöglich. Die Kosten waren nicht zu stemmen, obwohl Natalie längst wieder arbeitet. Die Betriebswirtin ist Assistentin der Geschäftsleitung im Blumenhaus der Dettinger EBK-Mönche. Und die Evangelische Bruderschaft Kecharismai (EBK) unterstützt Natalie schon länger. Bei einem Benefizkonzert, das die Mönche für sie initiiert hatten, kam im Herbst eine stolze Summe Geld zusammen. Aber auch viele SÜDWEST PRESSE-Leser haben in den vergangenen Monaten für die Dettingerin gespendet. Im November berichtete unsere Zeitung über den Fall Natalie Henkel und veröffentlichte damals auch das Spendenkonto der Dettinger Bürgerstiftung. Der Verein ruft ebenfalls dazu auf, der Rollstuhlfahrerin zu helfen. Und das Echo war schon nach wenigen Tagen enorm, berichtete Sven Doster, der Vorsitzende der Bürgerstiftung.

Das Schicksal der Dettingerin ging vielen an die Nieren, auch über das Ermstal hinaus. Vom Senior bis zum Firmenchef engagierten sich Helfer finanziell.

Mit Erfolg. Natalie Henkel hat das Geld für den Therapieplatz fast zusammen. Und Dank dieses Nachweises hat die Klinik die Dettingerin nun auch aufgenommen. Den ersten Termin im Januar hatte das Reha-Zentrum noch platzen lassen. Damals war nicht nicht klar, ob die Familie die kosten stemmen kann, deshalb hatten andere Patienten Vorrang. „Nun bin ich einfach nur dankbar und überglücklich“, sagt die Dettingerin, überwältigt von den vielen Zuschriften und den aufmunternden Gesten, mit denen ihr die Menschen begegnen.

Natalie Henkel hat wieder Hoffnung geschöpft. Und ihr Ziel ist klar: Wenigstens an Krücken gehen, sich mit dem Rollator bewegen, nicht immer auf den Rollstuhl angewiesen zu sein, das wünscht sie sich. Und so gesehen machen ihr die Schmerzen in den Beinen auch Mut.„Da kribbelt es. Ich spüre, da ist noch Leben, sagt die junge Frau. Und sie kämpft weiter – um irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen.

Natalie Henkel im Gespräch

Natalie Henkel ist am kommenden Sonntag, 18. Februar, ab 11.30 Uhr auch auf der Gesundheitsmesse in der Reutlinger Stadthalle präsent. Sie berichtet dort über ihre Therapie.

Weitere Infos auch unter www.auf-eigenen-Beinen.com.

Helfen kann man auch über den Link der Bürgerstiftung Dettingen, und zwar über die Homepage www.buergerstiftung-dettingen.de.

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