Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER  Uhr
Gleich zwei Jubiläen feiert der Kneippverein 2016: Vor 90 Jahren wurde er gegründet, seit zwei Jahrzehnten ist die Kneippanlage im Maisental ein beliebter Anziehungspunkt für Menschen aus Nah und Fern.

Ein Nachmittag, zwei Veranstaltungen: Auf die offizielle Hauptversammlung des Kneippvereins folgte ein Sektempfang zum Jubiläum, bei dem auf die 90-jährige Geschichte zurückgeblickt wurde. Doch wolle man, so Vorsitzender Dieter Schurer, nicht in der Vergangenheit verharren, vielmehr müsse an die Zukunft gedacht werden. Mit rund 120 Mitgliedern stehe man immer noch gut da. Zwar seien die Mitgliederzahlen seit Jahren relativ stabil und würde man in den Reihen des Vereins immer wieder neue Mitglieder begrüßen können - allein im vergangenen Jahr waren es neun Personen. Doch über eine Tatsache könne man nicht hinwegsehen: "Wir haben ein Altersproblem", machte der Vorsitzende deutlich. "Dabei müsste es die Gesundheit jedem Wert sein, dem Verein beizutreten." Eine schnelle Lösung des Problems werde es nicht geben, so seine realistische Einschätzung. Das hat auch der Landesverband erkannt, wie dessen Vertreterin Ingrid Danielisz in ihrem Grußwort berichtete: "Man kann nicht früh genug damit anfangen, sich mit seiner Gesundheit zu beschäftigten." Die Kneippsche Lehre würde sich mit ihrem ganzheitlichen Ansatz geradezu anbieten, sie könne den Menschen durchs ganze Leben begleiten. Deshalb werde der Kneipp-Landesverband zunehmend in Kindergärten, Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen aktiv, die entsprechend zertifiziert werden.

Auch die Bad Uracher Kneippianer kümmern sich darum, Kinder und ihre Eltern unter dem Motto "Gesundheit, Spiel und Spaß" für das Thema zu interessieren: Sie beteiligen sich seit vielen Jahren am Ferienprogramm der Stadt und bieten ein Aktionsprogramm an der Kneippanlage im Maisental.

Die Kneippanlage ist ein wichtiges und vor allem sichtbares Element der Vereinsarbeit und genießt laut Dieter Schurer den Ruf, die schönste im Land zu sein. Entsprechend stark werde diese "Oase der Erholung" frequentiert, vor allem auch von auswärtigen Besuchern. Das erfordere eine intensive Pflege, der zeitliche Aufwand sei nicht zu unterschätzen. "Wir können dies nur durch viel ehrenamtliches Engagement leisten", sagte der Vorsitzende und dankte hier vor allem Otto Schneider, Karl Kerner und Nicole Pierza. Für 30. April ist für alle Mitglieder eine Putzete rund um die Anlage terminiert, am 1. Mai geht sie dann in Betrieb. Dann liegt die Eröffnung 20 Jahre zurück: "Inzwischen ist die Anlage fest verankert in unserer Stadt", lobte denn auch Bürgermeister Elmar Rebmann. "Nicht zuletzt trägt der Kneippverein dazu bei, dass die Gesundheit in Urach ein Thema bleibt."

Federführend verantwortlich für die Realisierung der Kneippanlage war der damalige Vorsitzende Walter Ladner, der von 1986 bis 2001 die Geschicke des Vereins gelenkt hat. "Mit Einsatz und Tatkraft gelang es ihm, den Verein zu neuer Blüte zu bringen", blickte Dieter Schurer zurück. Bei Landners Amtsantritt hatte der Verein gerade mal 58 Mitglieder gezählt, die er während seiner Amtszeit nahezu auf 135 Mitglieder verdoppelte. Gegründet hatte den Kneippverein 1926 die Uracher Geschäftsfrau Elisabeth Marstaller, die auch den Posten der Vorsitzenden übernahm. Bereits 1931 hatte es übrigens eine erste Wassertretanlage im Stadtbach gegeben, die vom damaligen Besitzer des Hotels am Berg eingerichtet worden war.

Nach den Lehren Kneipps zu leben ist die eine Säule des Vereins: Die seit 2015 von Kersten Hammerthaler angebotene Dienstagsgymnastik wird beispielsweise bestens angenommen. Doch auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz, monatlich wird ein Ausflug organisiert. Die Gemeinschaft ist eng, die Treue zum Verein groß: Neben Dr. Walter Buck gehört auch der Vorsitzende selbst dem Verein seit zehn Jahren an, mit dem Eintritt hatte Dieter Schurer auch gleich die Verantwortung übernommen.

Für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden Hedwig Bader, Gertrud Leibfarth, Gerda Niesner und Gisela Steimle. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurde bei Sekt und Häppchen das gepflegt, was den Mitgliedern des Kneipp-Vereins so wichtig ist wie der Gesundheitsaspekt: die Begegnung.