Für die Idee, eine Bürgerstiftung aus der Taufe zu heben, ließen sich die Uracher vor zehn Jahren schnell begeistern. Das notwendige Stiftungskapital in Höhe von 50 500 Euro kam rasch zusammen, erinnert sich Eckart Schweizer, „in der Stadt gab es damals eine gewisse Euphorie.“ Schweizer selbst engagierte sich von Anfang an in den Stiftungsgremien, aktuell hat er das Amt des zweiten Vorsitzenden des Stiftungsvorstands inne. Angestoßen hat das Projekt der ehemalige Bürgermeister Markus Ewald, wie sich Schweizer erinnert.

Dass viele Bad Uracher ihr Portemonnaie bereitwillig öffneten, mag auch an der Überzeugungskraft jener Damen und Herren gelegen haben, die sich im Vorstand, im Stiftungsrat oder als Geschäftsführer für die Ziele der Stiftung eingesetzt haben oder noch einsetzen. Bernd Wacker, der heutige Erste Vorsitzende des Stiftungsvorstands, stieß 2011 dazu. Als ihn sein Amtsvorgänger Helmut Steimle fragte, ob er sich vorstellen könne, den Posten zu übernehmen, fühlte sich Wacker hochgeehrt, wie er sagt. Der Stiftung stand er freilich schon immer nahe, unter anderem als Zustifter. In Zeiten der Niedrigzinspolitik sind solche Kapitalerhöhungen indessen wenig attraktiv, wie Wacker und Schweizer betonen. Weshalb sie derzeit lieber um Spenden bitten, die die Stiftung direkt für den guten Zweck auszahlen kann.

Für ihre Aufgaben wirbt die Bürgerstiftung zudem mit verschiedenen Aktionen: Im Jubiläumsjahr gastiert am Dienstag, 3. Mai, ab 19.30 Uhr das Heeresmusikkorps Ulm in der Bad Uracher Festhalle, am Mittwoch, 6. Juli, steht ein kulinarisch-musikalischer Abend in der Künkele-Mühle auf dem Programm.

Mit solchen Angeboten, sagen Wacker und Schweizer, werde ganz im Sinne des Stiftungszwecks agiert, der nicht zuletzt verlange, das kulturelle und soziale Leben in der Stadt zu fördern. Geld darf die Bad Uracher Stiftung im Übrigen nur für Projekte innerhalb der eigenen Kommune ausgeben.

Interessenten, die Geld benötigen, um ihre Ideen umzusetzen, können sich für dieses Jahr noch bis Ende April bewerben. Anschließend werden die Anträge gesichtet, die endgültige Entscheidung fällt dann per Mehrheitsbeschluss.

Zwischen fünf und acht Anfragen erreichen die Stiftung pro Jahr, wobei die Kurstädter schon Post aus allen Winkeln der Erde erhielten, wie Bernd Wacker erzählt. Aus Indien beispielsweise flatterte den Bad Urachern eine aufwendig gestaltete Projektbeschreibung für den Bau einer Gemeindehalle auf den Tisch, nebst Kopien amtlicher Urkunden. „Wenn es sich um einen Betrugsversuch gehandelt hat“, erklärt Wacker, „war er sehr professionell gemacht.“

Regelmäßig, sagt Eckart Schweizer, diskutieren die Stiftungs-Verantwortlichen, ob sie ihrer seitherigen Linie treu bleiben und mehreren Antragsstellern mit oftmals eher kleineren Beträgen unter die Arme greifen oder ob sie lieber einen ordentlichen Batzen für ein Vorhaben bereitstellen. Bislang habe es sich freilich bewährt, das Geld, das die Stiftung pro Jahr ausgeben kann (seither zwischen 3000 und 6000 Euro), breit zu streuen. Zumal für manche Initiativen schon zwei- oder dreihundert Euro genügen, um ihr Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Die portugiesische Folkloregruppe beispielsweise erhielt 250 Euro für Trachten und Instrumente. 200 Euro gab es im vergangenen Jahr für ein Musicalprojekt an der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule. Über eine Zuwendung konnte sich auch schon der Arbeitskreis Stadtgeschichte freuen. Für seine beiden Bücher „Urach in der NS-Zeit“ sowie „Urach in den Jahren 1945 bis 1960“ gab es einen Zuschuss aus dem Topf der Bürgerstiftung. Der Lehr- und Schaugarten am Unteren Galgenberg durfte dank einer Finanzspritze ebenfalls wachsen und gedeihen. Auch der Stadtjugendring erhielt für die Digitalisierung der Kinosäle im Forum 22 schon zwei Mal eine Zuwendung.

Der Dank der Bedachten, sagen Wacker und Schweizer, ist der Stiftung gewiss. Zur Übergabe der Förderbescheide werden die jeweiligen Gruppen eingeladen, nicht zuletzt, um ihre Projekte vor großem Publikum vorzustellen. Für die Akteure sei dies auch eine gute Gelegenheit, sich untereinander kennen zu lernen. Gleichzeitig signalisiere die Zusammenkunft, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen Wertschätzung erfahre, was wiederum dem Stiftungszweck, das Gemeinwesen zu stärken, entspreche. Wie vorbildlich die Bad Uracher ihren Stiftungszweck erfüllen, bescheinigt ihnen sogar der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Der verlieh den Kurstädtern inzwischen schon zum zweiten Mal ein entsprechendes Gütesiegel.