Die Gewitterregen der Klimawandel-Ära werden zur großen Unbekannten für Politik und Gesellschaft. Die Dettinger bekommen das schmerzlich zu spüren. Gerade drei Jahre ist es her, dass Schillerschulzentrum und Neuwiesenhalle nach einem Starkregen komplett abgesoffen waren. Jetzt standen die Gemeindevorderen samt Technischem Ausschuss erneut mit ernsten Mienen vor den Schäden, die der Wolkenbruch vom 28. Juli in der Sporthalle angerichtetet hatte.

Das Hochwasser kam von hinten

Der Reihe nach. Das Wasser kam diesmal von hinten, und zwar mit solcher Wucht, dass die beiden Abwasserschächte die Massen des Hochwasssers nicht mehr fassen konnten. Erstmals übrigens. Gut 40 Jahre alt ist die Halle – „40 Jahre haben die Schächte gehalten, aber dieser Regen war punktuell einfach zu heftig“, resümierte Bürgermeister Michael Hillert.

Aussagen wie diese lassen tief bliken. Fast ein wenig machtlos steht die Verwaltung neben den jüngsten Vorgängen, die Dettingen erneut aufwendige Sanierungsarbeiten in der Neuwiesenhalle beschert haben. Das Regenwasser war über den Notausgang in das Gebäude eingedrungen und hatte sich in die Geräteräume und über den Rand des Hallenboden ergossen (wir haben berichtet).

Auch die Vereinsräume in der Schillerschule standen unter Wasser

„Gerade der neue Boden ist hinüber bis zum nackten Beton“, sagt Ortsbaumeister Felix Schiffner. Bei gut 100 000 Euro liegt der Schaden finanziell. Und auch wenn das Ganze ein Versicherungsfall ist: Die Selbstbeteiligung von rund 12 500 Euro muss die Kommune tragen. Ähnliches gilt für die Vereinsräume in der Schillerschule, die ebenfalls wieder unter Wasser standen.

Um Überflutungen zu verhindern, sei Dettingen immer wieder in Sachen Hochwasserschutz tätig gewesen, jüngst unter anderem am Talgraben – informierte Michael Hillert. Derzeit beteiligt sich die Gemeinde an einem Projekt zum Thema Starkregenmanagement. Eine Karte mit Hochwasser-Schwerpunkten wird erarbeitet – weitere Maßnahmen folgen.

Genützt hat das alles im Juli nichts: Das Wasser strömte von einer anderen Seite in den Ort als noch 2016. Die Gewitter bleiben unberechenbar.

Jetzt wird ein Erdwall hinter der Neuwiesenhalle gebaut

„Wenn sich das Wasser schon nicht lenken lässt: Was können wir noch tun?“, fragte Gemeinderat Wolfram Beck in Richtung der Verwaltungsexperten. Die wollen jetzt mit einer weiteren kleineren Baumaßnahme reagieren, erläutert Ortsbauamtschef Felix Schiffner: Im hinteren Bereich der Neuwiesenhalle wird das Gelände auf der ganzen Länge des Gebäudes aufmodelliert – sprich: ein „kleiner Erdwall“ angelegt.

Der Hügel soll verhindern, dass der Regen in die Halle eindringt. Noch klären muss das Bauamt allerdings, wie genau das Wasser zu führen ist, gab der Bürgermeister vor: „Nicht, dass uns dann alles in den Technikraum des Hallenbades läuft.“

Überhaupt sollten die Kommunen künftig schon beim Bauen anders planen: „Wir müssen die Gebäude viel mehr herausheben, damit kein Wasser eindringen kann“, erklärt Felix Schiffner.

Hochwasser sorgt für Unmut bei den Vereinen

Kurz, der Technische Ausschuss hatte wenig Freude beim Vorort-Termin in den Neuwiesen. Dazu kommt: Der Sanierungsfall Sporthalle hat vor allem bei den sporttreibenden Vereinen in Dettingen für Unmut gesorgt. Denn wie vor drei Jahren müssen die derzeit auf die Neuwiesenhalle verzichten. Besonder die Handballer trifft das hart..Sie trainieren nun in Urach und Grabenstetten.

Das wird auch noch bis zum Montag, 7. Oktober, so bleiben: Dann können die Sportler laut Felix Schiffner wieder in die Halle einziehen. Die Bauarbeiten sind schon am 2. Oktober beendet, aber der Boden muss trocknen.

Kritik an der Verwaltung

Wegen der Hallensperre für die Sportler hinterfragte FWV-Rat Wolfram Beck die Informationspolitik der Verwaltung. In der Bevölkerung sei nicht klar geworden, wie lange die Halle geschlossen bleibt. „Es ist schwierig, den Sportbetrieb umzuleiten. Da wurde vielleicht ein bisschen zu wenig miteinander geredet“, gab er zu bedenken.

Die Verwaltung habe die Sport-Verantwortlichen sehr wohl informiert, entgegnete Felix Schiffner. Allerdings lag im Rathaus anfangs keine genaue Ansage der Versicherung und der Baufirma vor: „Wir haben selbst nichts Genaues gewusst. 2016 haben wir einen Termin genannt, dann wurde die Halle nicht fertig. Das wollten wir vermeiden.“

In Einzelfällen erhielten die Sportler wohl gar keine Antwort auf ihre Anfragen, kritisierte auch Thomas Gaiser (Freie Wähler): „Besser wäre es dann, gleich zurückzuschreiben, dass noch nicht klar ist, wie es weitergeht.“

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