Die Begrüßungen fallen herzlich aus, jeder Flüchtling erhält mindestens einen warmen und innigen Händedruck. Einige Frauen werden sogar mit einer Umarmung willkommen geheißen, und es ist selbstverständlich, dass die Kinder geknuddelt werden. Die Stimmung im Asyl-Café ist herzlich, Flüchtlinge und ehrenamtlich Engagierte kennen sich und haben in wenigen Wochen ein von Vertrauen geprägtes Verhältnis aufgebaut.

Der Arbeitskreis Asyl sei in Bad Urach, wie von Anfang an geplant, langsam gewachsen, berichtet Diana Schmid-Grammel. Sie hat gemeinsam mit Matthias Buck den Asylkreis initiiert und Anfang Dezember zum ersten Asyl-Café ins Hartenstein-Haus eingeladen: Damals hatte eine siebenköpfige Familie aus Syrien das Angebot des Zusammenseins in einer Wohlfühl-Atmosphäre angenommen, sie ist immer noch jeden Donnerstag zu Gast. Inzwischen besuchen eine bosnische Familie mit acht Personen sowie acht junge Männer aus dem Kosovo regelmäßig das Asyl-Café. Die im Asylkreis Engagierten eingerechnet, sind dann zum Teil 20 Personen zusammen.

Es herrsche trotz der zum Teil großen Sorgen eine freundlich-entspannte Atmosphäre, sagt Diana Schmid-Grammel: „Wir fühlen mit, die Situation belastet nicht nur die Familie.“ Sie erzählt unter anderem von Flüchtlingen, die über Bulgarien nach Deutschland eingereist waren und nun ins ursprüngliche Einreiseland zurückgeschickt werden sollen. Von allen Seiten gibt es aufmunternde Worte: „Wir hoffen, dass alles gut wird“, sagt eine Ehrenamtliche und wird verstanden. Eine gemeinsame Sprache gibt es zwar nicht, doch irgendwie machen sich alle untereinander verständlich, auch die Flüchtlinge aus den verschiedenen Ländern. Da schwirrt das eine oder andere englische Wort durch den Raum, man unterhält sich mit Händen und Füßen: „Mir kommt es zugute, dass ich die Gebärdensprache gelernt habe. Manche Gebärden sind einfach international verständlich“, erklärt Initiatorin Schmid-Grammel.

Sie freut es aber auch, dass im Kreis der in Urach lebenden Migranten Dolmetscher gefunden wurden und so Unterhaltungen möglich sind. Und es wird auch improvisiert: Der Bruder eines Flüchtlings lebt seit 16 Jahren in Norddeutschland. Manchmal wird er angerufen und übersetzt spontan am Telefon.

Weil die Kenntnis der Sprache wichtig für die Suche nach einem Job und bei der Bewältigung des Alltags sei, möchte der Asylkreis nun einen Sprachkurs anbieten. Er soll in den Räumen des Migrationsdienstes der Bruderhaus-Diakonie stattfinden, gesucht werden derzeit noch Menschen, die Flüchtlingen Basiswissen beibringen. Wobei Diana Schmid-Grammel eines unterstreicht: „Jeder Ehrenamtliche bringt sich zeitlich nach seinen Möglichkeiten ein.“ Das gilt auch für die derzeit Aktiven, wobei sich ein fester Stamm von zwölf Asylkreis-Mitgliedern herauskristallisierte. Sie treffen sich einmal im Monat im Team, sprechen über Geschehenes und schmieden Pläne.

Dreh- und Angelpunkt ist das wöchentliche Asyl-Café, das den dezentral in Bad Urach lebenden Flüchtlingen als Begegnungsstätte dient: Mit den Kindern wird gespielt, die Erwachsenen genießen Kaffee, Tee und Gebäck, die einen spielen Billard, die nächsten Tischkicker. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist jedoch die individuelle Betreuung der Flüchtlinge bei den unterschiedlichsten Alltagsproblemen: Das fängt beim Ausfüllen von Anträgen an, geht über einen Besuch bei einem Arzt weiter und hört bei einem Fahrdienst noch längst nicht auf.

Die ehrenamtlich Aktiven investieren viel Zeit und das gerne, wie Friedrich Hils betont: „Wir erweitern auch unseren Horizont und lernen viel.“ Diana Schmid-Grammel schwärmt in diesem Zusammenhang vom syrischen Essen und erzählt, dass sie inzwischen sogar ein paar Brocken Arabisch gelernt hat. Und, was sie besonders freut: Einer der Flüchtlinge gibt kostenlos einem jungen Uracher Arabisch-Unterricht. Die ersten Kontakte über den Arbeitskreis Asyl hinaus sind also geknüpft: „Manche werden in der Stadt sogar schon gegrüßt“, weiß Diana Schmid-Grammel.

Derzeit wird der Kontakt zu Vereinen gesucht und an einer engeren Vernetzung der Asylkreise im Ermstal gearbeitet. Grundsätzlich gilt, wenn weitere Flüchtlinge nach Bad Urach kommen: „Wir vom Arbeitskreis Asyl sind da und haben entsprechende Strukturen aufgebaut.“

Info Wer sich im Arbeitskreis Asyl und vor allem im Sprachunterricht engagieren will, kann sich über akasyl.badurach@web.de melden. Das Asyl-Café ist donnerstags, 17 bis 19 Uhr, im Hartenstein-Haus.