Seit drei Jahren kümmert sich der Arbeitskreis Asyl in Dettingen um Flüchtlinge. Es engagieren sich hier rund 40 Bürger. „Die Zahl“ sagt Claudia Mess, „ist in dieser Zeit recht stabil geblieben.“

Die Mitglieder des Verwaltungsausschusses des Gemeinderats informierten sich am Dienstagabend über die aktuelle Lage. Treffpunkt war der neue Raum des Arbeitskreises in der Kreuzgase 1. Zurzeit gibt es in Dettingen 82 Asylbewerber und 51 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung. Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und Eritrea.

Zu Beginn lobte Bürgermeister Michael Hillert die Arbeit des Arbeitskreises. „Flüchtlinge“, so Hillert, „gehören zu den großen Themen in unserer Gemeinde. Was Sie bisher geleistet haben, müssen wir Ihnen hoch anrechnen.“ Seit 2013 habe sich ja einiges geändert, der Zustrom an Flüchtlingen habe nachgelassen, doch sei zu hören, dass er wieder zunimmt auf anderen Wegen. Doch, was die Zahlen betrifft, habe sich die Lage in Dettingen entspannt.

Der Leitsatz des Arbeitskreises Asyl in Dettingen lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Um dies zu untermauern, zeigten Claudia Mess und Uschi Liedtke einen kurzen Film, in dem zwei Flüchtlinge in einem wechselseitig vorgetragenen Text schildern, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen.

Der Arbeitskreis Asyl sieht sich als Verbindung zwischen Flüchtlingen und Bürgern. Und die Mitglieder wollen Ansprechpartner sein für beide Seiten. Unser Ziel ist es“, so Claudia Mess, „den Flüchtlingen bei der Integration zu helfen. Gab es anfangs in Dettingen noch viele Flüchtlingsfamilien, sind zurzeit viele junge Männer hier. „Die bereiten uns einiges an Kopfzerbrechen“, sagt Claudia Mess. Hatten sie in der Heimat noch jemand, etwa den Vater, der ihnen sagte, was Sache ist, gebe es hier niemanden, der die Richtung vorgibt. „Niemand“, so Claudia Mess weiter, „fragt sie beispielsweise, ob sie deutsch lernen oder nicht.“

Sie seien durchschnittlich 23 Jahre alt und stehen voll im Saft. „Das“, sagt Mess, „kann auch mal daneben gehen.“ Hinzu komme, dass sie im Gegensatz zur ersten Generation von Flüchtlingen nicht solche Grausamkeiten erlebt haben.

Integration bedeutet für den Arbeitskreis Asyl, Vielfalt erleben und leben und das Neue als Bereicherung sehen. „Das so Claudia Mes, „geht alle an, natürlich auch die Flüchtlinge selbst. Sie müssen ihr Gastland annehmen.“ Sie müssten erkennen, dass ein anderer Kulturkreis auch funktioniert.

Eines der wichtigsten Angebote des Arbeitskreises ist das Asylcafé im Gartenheim des CVJM. Es dient es dient als Kontaktstelle und als Treffpunkt zum regelmäßigen Austausch. „Hier“, so Claudia Mess, „können sich die Flüchtlinge mit der deutschen Kultur vertraut machen.“ „Dass sich der CVJM spontan bereit erklärt hat, uns sein Gartenheim zur Verfügung zu stellen“, so Mess weiter, „war schon klasse.“

Eine ander wichtige Säule in der Angebotspalette des Arbeitskreises ist der Deutschunterricht. Laut Mess engagieren sich zurzeit zwölf Lehrer, die auch Nachhilfeunterricht erteilen.

Den Deutschunterricht sieht der Arbeitskreis mittlerweile als seine Hauptaufgabe an. Er wird in der Kreuzgasse 1 abgehalten. Außerdem gibt es im Gartenheim eine Fahrradwerkstatt, in der die Flüchtlinge lernen sollen, Räder zu reparieren.

Ein weiteres wichtiges Angebot sind Beratungsgespräche. Thematisiert werden Arztbesuche, Wohnungssuche, Kindergartenanmeldungen oder Schulbesuche. Außer für Sprachunterricht dient der Raum in der Kreuzgasse als Versammlungsraum. So gibt es etwa einen Frauentreffpunkt für Flüchtlinge. Auch Filmabende werden in der Kreuzgasse angeboten. Doch es gibt auch Vorfälle, die die freiwilligen Helfer verzweifeln lassen. So hätte ein Flüchtling im Gasthaus „Rössle“ als Koch arbeiten können. Beide Seiten wollten es. „Doch dann“, so Claudia Mess, „funkte das Job-Center dazwischen.“ Es forderte, dass der Mann einen so genannten B2-Sparachkurs absolviert. Ein solcher ist beispielsweise Voraussetzung, um zu studieren. Der Knackpunkt: Dieser Sprachkurs wird vom Landkreis nicht finanziert.

In einem anderen Fall hätte ein Mann aus Eritrea eine Stelle bei Elring-Klinger bekommen können. Doch auch hier winkte die Agentur für Arbeit ab. der Mann hätte keinen Status, also dürfe e nicht arbeiten. Diese Schilderungen veranlassten auch Bürgermeister Michael Hillert zum Kopfschütteln. „Das ist natürlich für alle Beteiligten ziemlich demotivierend“, so der Verwaltungschef.


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Flüchtlinge gibt es zurzeit in Dettingen. Davon befinden sich 51 in der Anschlussunterbringung. Die Flüchtlinge kommen aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und Eritrea.