Bad Urach Gut besuchte Literaturnacht im Stift

Autor Salim Alafenisch (zweiter von links) im Gespräch mit den Gästen der Literaturnacht. Foto: Kirsten Oechsner
Autor Salim Alafenisch (zweiter von links) im Gespräch mit den Gästen der Literaturnacht. Foto: Kirsten Oechsner
Bad Urach / KIRSTEN OECHSNER 04.11.2013
Gut 70 Gäste erlebten eine Literaturnacht bei der das geschriebene Wort im Zentrum stand und der Autor dennoch ohne Buch auskam. Salim Alafenisch unterhielt in der Tradition arabischen Geschichtenerzähler.

Er kommt aus einer vermeintlich anderen Welt, ist vor nunmehr 65 Jahren als Sohn eines Beduinen-Scheichs in einem Zeltdorf in der Negev-Wüste geboren und lernte erst mit 14 Jahren das Lesen und Schreiben. Später studierte er in London Ethnologie, Soziologie und Psychologie. Inzwischen lebt Salim Alafenisch seit vielen Jahren in Heidelberg ein deutsches Leben mit einer schwäbischen Frau.

Er ist Wanderer zwischen den Welten, schätzt die deutsche Pünktlichkeit und vermisst dennoch die arabische Spontanität. Seine Biographie allein ist ein Fundus für Geschichten, er schöpft aber auch aus der großen arabischen Tradition des Erzählens: Als er aufwuchs, gab es noch keine Fernseher, und auch Radios waren in den Zeltdörfern der Beduinen unbekannt, das einzige Kommunikationsmittel war die Sprache - es wurde erzählt: "Gäste brachten immer auch neue Geschichten mit." In diese Welten-Melange nimmt Salim Alafenisch seine Leser (und Zuhörer) mit, spricht vom Alltagsleben der Nomaden und deren Sitten, erzählt vom Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne. Gleichzeitig lebt bei ihm die Sprache der Bilder, er lässt Palmen klagen und Kamele sprechen. Seine Bücher berühren und wühlen emotional auf, sind humorvoll und lassen dennoch nachdenken.

Seine Geschichten hat Salim Alafenisch zwar niedergeschrieben - auf deutsch und nach wie vor auf einer Olympus-Schreibmaschine mit einem Finger. Doch die Erzählungen leben weiter, entwickeln sich dynamisch und weisen viele symbolische Fußnoten auf: "Die sind manchmal besser als die Geschichte selbst", meint er. Und so unterscheidet sich eine Lesung mit Salim Alafenisch von den üblichen: Er liest nicht aus seinen Werken, weil er ohnehin zu oft abschweifen würde. Stattdessen pflegt er die Kunst des Erzählens, nah dran an seinem geschriebenen Wort und doch variierend, auch mit Blick auf die Reaktionen des Publikums: Das hatte mit "Der Feuerprobe" Probleme, schnell schwenkte der Erzähler um - erzählte vom Harem seines Großvaters mit acht Ehefrauen.

Es macht Spaß, dem charmanten und freundlichen Autor zuzuhören. Wäre Salim Alafenisch ein Schwabe, würde man von einem knitzen Humor sprechen - augenzwinkernd ist er auf jeden Fall. Er lässt das begeisterte Publikum oft lachen, aber auch nachdenken: "Ich habe Probleme mit Grenzen", gibt der deutsch schreibende palästinensische Schriftsteller mit israelischer Staatsbürgerschaft zu. "Unser Lebensrhythmus kam dadurch zum Stillstand, unsere Kultur besteht aus Mobilität."

Salim Alafenisch hat sich mit dem Literaturabend im Stift auf ein ungewöhnliches Konzept eingelassen, für das Alma Grüßhaber und Beate Breithaupt verantwortlich zeichnen: Über die Literatur hinaus gibts auch Speisen aus Arabien. In der kulinarischen Pause mischt sich der Autor unters Publikum. Und nicht zuletzt wird dieser ganzheitliche Ausflug in die arabische Welt komplettiert durch Musik aus dem Orient: Dargeboten von Veronika Schenk auf der Blockflöte. Die Besucher genossen den in sich runden Abend, in dem der erzählende Gast mit einem Wunsch gegangen war: "Sie kommen als Zuhörer und gehen als Leser." Der wurde erfüllt: Salim Alafenisch musste unzählige Bücher signieren.

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