Bad Urach Gold und Silber zum Abschied

Ernst Haas, Walter Vatter, Steffen Hummel, Ingrid Ganser, Manfred Wendler, Gerhard Steinhart und Konrad Hölz (von links) wurden von Bürgermeister Elmar Rebmann aus ihrem Amt als Stadträte verabschiedet.
Ernst Haas, Walter Vatter, Steffen Hummel, Ingrid Ganser, Manfred Wendler, Gerhard Steinhart und Konrad Hölz (von links) wurden von Bürgermeister Elmar Rebmann aus ihrem Amt als Stadträte verabschiedet. © Foto: Regine Lotterer
Bad Urach / REGINE LOTTERER 31.07.2014
Für acht erfahrene Kommunalpolitiker endete am Dienstag ihre Zeit im Uracher Gemeinderat. Bürgermeister Elmar Rebmann nutzte die Gelegenheit, die Arbeit der ausscheidenden Räte zu würdigen.

Schlaflose Nächte, sagt Gerhard Steinhart, hat ihm die Kommunalpolitik des Öfteren beschert. Vor allem die Haushaltsdebatten sowie mangelnde Steuereinnahmen trieben ihn dann um, wie er am Dienstag berichtete. Als dienstältestem Stadtrat kam ihm die Aufgabe zu, am Ende der Amtszeit des Gemeinderats auch namens seiner ausscheidenden Kollegen Rückblick zu halten. In den 35 Jahren, in denen er im Ratsrund wirkte, sei eines unverändert geblieben: "Wir waren nie eine reiche Stadt." Deshalb, erinnert sich Steinhart, gab es immer einen harten Verteilungskampf um das vorhandene Geld. Etliche Investitionen hätten angesichts klammer Kassen geschoben werden müssen, gleichwohl "hat sich unsere Stadt zum Guten verändert".

Ihr Amt als Stadträte hätten alle gerne ausgeübt, erklärte Steinhart. Wer ein Mandat besitze, müsse jedoch bereit sein, mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Besonders empfehlenswert, so Steinhart, seien indessen die Nachsitzungen. "Ich rate, sie beizubehalten."

Vor Steinharts letzter Rede im Ratsrund hatte bereits Michael Schweizer namens der CDU-Fraktion sowie Bürgermeister Elmar Rebmann das Wirken des langjährigen Stadtrates Steinhart gewürdigt. Die Ratskollegen und die anwesenden Zuhörer spendeten dem Mann, der die Geschicke der Stadt seit mehr als drei Jahrzehnten mit geprägt hat, stehend Beifall, um ihm für seinen Einsatz zu danken.

Bürgermeister Rebmann nannte Steinhart "einen unermüdlichen Kämpfer für das Wohl der Bürger und der Stadt". Seine Ziele habe er stets hartnäckig verfolgt und dabei oft eigene Ideen in die Kommunalpolitik eingebracht.

Nicht selten, so Rebmann, sei Steinhart besser informiert gewesen als die Verwaltung und vor allen Dingen vor ihr. Den Baustellen galt Steinharts besonderes Augenmerk, wie Rebmann schilderte, der zudem das phänomenale Gedächtnis des altgedienten Stadtrates rühmte, woraus auch die Verwaltung ihren Nutzen zog.

Rebmann dankte Steinhart für die "konstruktive, offene, kritische, aber immer zielgerichtete Zusammenarbeit". Um Steinharts Verdienste, nicht zuletzt um das große Uracher Heimatfest, angemessen zu würdigen, überreichte ihm Rebmann die goldene Schäferlaufmedaille der Stadt.

Die silberne Schäferlaufmedaille konnte Rebmann am Dienstag gleich zwei Mal verleihen und zwar an Ernst Haas (SPD/AB) und an Konrad Hölz (CDU). Beide blicken auf 20 Jahre Gemeinderatsarbeit zurück. Haas sei im Gremium für seine "messerscharfen Formulierungen von Fragen und Statements" bekannt gewesen, führte Rebmann aus. In vielen Bereichen habe sich Haas große Verdienste erworben, besonders auf dem Gebiet der Bildung und Kultur. "Das Wohl der Kinder lag ihm immer am Herzen." Haas sei ein fordernder und konstruktiver Mitstreiter im Gemeinderat gewesen, der die Vorlagen der Verwaltung immer aufs Genaueste las. Ihm fiel, so Rebmann, jedes falsch gesetzte Komma auf.

Mit Stadtrat Konrad Hölz verabschiedet sich auch der seitherige Wittlinger Ortsvorsteher. Die Interessen seines Stadtteils habe Hölz im Gemeinderat mit Nachdruck vertreten, dabei allerdings nie das Wohl aller Uracher aus dem Blick verloren. "Wenn Konrad Hölz eine Meinung hatte, vertrat er sie auch bis zum Schluss", betonte Elmar Rebmann, der sich beim scheidenden Stadtrat für ein offenes und kritisches Miteinander bedankte.

Zehn Jahre im Gemeinderat tätig waren Ingrid Ganser, Johanna Kappus, Steffen Hummel, Walter Vatter und Manfred Wendler, deren ehrenamtliches Engagement Rebmann gleichfalls würdigte. Um den zahlreich erschienenen Zuhörern die Arbeit der Kommunalpolitiker bildlich vor Augen zu führen, reiste Rebmann mit ihnen Jahrzehnt für Jahrzehnt zurück zu den großen Projekten und Themen, die die Debatte in der Stadt beherrschten. Er begann 1980, als Gerhard Steinhart erstmals ein Mandat errang. Schon vor drei Jahrzehnten, so Rebmann, genoss die Formung der Uracher Schullandschaft große Aufmerksamkeit. Die Kurklinik Hohenurach II entstand ebenso wie das Kurmittelhaus und das städtische Parkhaus. Große Sorgen bereitete seinerzeit die Insolvenz der "Ermstal-Baugenossenschaft".

Zwischen 1989 und 1994 entschied der Gemeinderat, moderne Leuchtstelen auf den Marktplatz zu stellen, was manchem Bürger wenig behagte. Schließlich beugte sich der Rat dem öffentlichen Druck: "Dies", sagt Rebmann, "war sicherlich ein Novum und ein Unikum in der Bad Uracher Kommunalpolitik."

1996 gab der Gemeinderat die erste städtebauliche Untersuchung zur Nördlichen Innenstadt in Auftrag. Knapp 20 Jahre später, in der nun zu Ende gegangenen Amtszeit des Gremiums, fanden diese Pläne einen Abschluss. Auch die Kindergärten und deren Ausbau beschäftigten das Gremium immer wieder aufs Neue. Kinder zu fördern, sagt der Bürgermeister, habe allen Räten immer am Herzen gelegen. Wohl aus diesem Grund seien Entscheidungen in jenem Bereich häufig einmütig gefallen. Jüngstes Beispiel: Das Kinderhaus am Seele, das Anfang 2014 in Betrieb ging.

Stellvertreter, Fraktionsvorsitzende, Ortsvorsteher, Ehrungen

Einmütig hat der neue Gemeinderat die fünf Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt. Erster Stellvertreter ist Dietmar Schrade (FWV), zum zweiten Stellvertreter wurde Michael Schweizer (CDU) bestimmt.

Als dritter Stellvertreter fungiert Ulrich Meyer (SPD/AB). Zum vierten Stellvertreter wurde Marcus Vogel (Grüne) gewählt, fünfter Stellvertreter ist Wolfgang Lieb (FDP).

Ebenfalls einmütig hat das neue Kommunalparlament die vier Ortsvorsteher sowie deren zwei Stellvertreter gewählt, dies sind: Gerhard Stooß (Hengen), Katrin Reichenecker (Sirchingen), Heinz Gnoyke (Seeburg) und Horst Vöhringer (Wittlingen). Das Gremium folgte damit den Empfehlungen aus den jeweiligen Ortschaftsräten.

Die Gemeinderatsfraktionen haben künftig folgende Vorsitzende:

FWV: Dietmar Schrade

CDU: Michael Schweizer

SPD/AB: Marlene Eggert

Grüne: Marcus Vogel

FDP: Petra Mayer-Bock

Geehrt wurden vom Gemeindetag für zehnjährige ehrenamtliche Tätigkeit Marlene Eggert (SPD/AB) und Petra Mayer-Bock (FDP).

Vom Städte- und Gemeindetag für 20 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet wurden Walter Damzog (FWV), Horst Vöhringer (SPD/AB) und Werner Grad (FWV).

Seit 30 Jahren wirkt Dietmar Schrade (FWV) in der Kommunalpolitik, zunächst im Ortschaftsrat Hengen, seit 1994 auch im Bad Uracher Gemeinderat, seit 2009 ist er erster Stellvertreter des Bürgermeisters. Er erhielt als Dank die goldene Ehrennadel des Städtetags.

Für die ausgeschiedenen Gemeinderäte gab es gleichfalls Ehrungen, die Bürgermeister Rebmann überreichte.

Für 35 Jahre geehrt wurde Gerhart Steinhart (CDU).

Für 20 Jahre ausgezeichnet wurden Ernst Haas (SPD/AB) und Konrad Hölz (CDU).

Für zehnjährige, kommunalpolitische Tätigkeit wurden ausgezeichnet: Ingrid Ganser (CDU), Johanna Kappus (CDU), Steffen Hummel (SPD/AB), Walter Vatter (FDP) und Manfred Wendler (SPD/AB).

SWP

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