Dettingen Gemeinsame Begegnungen sind das Wesentliche

Immer mittwochs werden aus Unbekannten Gäste: Im CVJM in Dettingen gibt es ein Essen und dazu gute Gesellschaft. Erst kürzlich hieß die evangelische Kirchengemeinde den 50 000 Besucher willkommen.
Immer mittwochs werden aus Unbekannten Gäste: Im CVJM in Dettingen gibt es ein Essen und dazu gute Gesellschaft. Erst kürzlich hieß die evangelische Kirchengemeinde den 50 000 Besucher willkommen. © Foto: Thomas Kiehl
Dettingen / Anne Laaß 09.08.2017

Der 50 000 ste Besucher hat bereits sein Essen erhalten. Ein Grund zur Freude bei der evangelischen Kirchengemeinde Dettingen. Doch sollten sich nicht mehr Helfer für das wöchentliche Beisammensein finden, könnte „Gastfreundschaft leben“ im schlimmsten Fall eingestellt werden. Entwickelt wurde das Projekt vor knapp sieben Jahren. „Wir wollten ein diakonisch-gemeindenahes Angebot schaffen“, erklärt Kirchenpfleger Kai Münzing. Zwar sei das Mittagessen prinzipiell kostenlos, habe aber nichts mit einer Armenspeisung gemein. Niemand müsse eine Bedürftigkeit nachweisen, dadurch soll auch die Hemmschwelle gesenkt werden. „Jeder ist willkommen“, betont Münzing.

Von der Idee zur Umsetzung

Damit das gemeinsame Mittagessen keine einmalige Aktion bleibt, setzte sich die Kirchengemeinschaft drei Ziele und befristete das Projekt zunächst auf sechs Monate. Punkt eins sah vor, dass wöchentlich mehr als 50 Essen ausgegeben werden. Diese Hürde wurde direkt genommen: Bereits zum Auftakt kamen mehr als 130 Gäste. Klar war auch, dass es für ein solches Konzept ein ehrenamtliches Team braucht und jemanden, der für so viele Menschen kocht. Zu Beginn übernahm das Münzing selbst. Als gelernter Koch bereitete er die Gemeindeessen zu. Die Organisation von „Gastfreundschaft leben“ sollte aber von hauptamtlichen Mitarbeitern erfolgen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Diese Aufgabe fiel Hilde Dreisbach zu. Lediglich sechs Wochenstunden sind für die Arbeit eingeplant, alles was darüber hinausgeht, macht die 67-Jährige ehrenamtlich.

Das Team um die ehemalige Arzthelferin umfasst 20 Helfer. Zum Konzept gehört eine Begrüßungsgruppe, die alle Besucher willkommen heißt. „Es geht uns darum, die Menschen wahrzunehmen“, sagt Münzing. Hinzu kommen die Teams, die Auf- und Abbauen, Servieren, den Tisch dekorieren, das Geschirr spülen und selbstverständlich, die, die in der Küche stehen und das Essen kochen. Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sind für Münzing die beiden Hauptamtlichen, da sie eine Brücke zu den Ehrenamtlichen schlagen.

Etwa ein Jahr wurde geplant, erinnert sich Hilde Dreisbach. Die Angst, dass beim Probelauf mehr Helfer als Gäste da wären, war unbegründet. Mittlerweile ist das Essen ein fester Bestandteil in Dettingen.

Nach einiger Zeit wurde Helga Geysel ebenfalls als Hauptamtliche verpflichtet. „Ich musste nicht darüber nachdenken, ich hab es einfach gemacht“, sagt die 63-Jährige. Zuvor war sie als Springer dabei, das heißt, sie half einfach überall dort, wo jemand gebraucht wurde. Nun ist sie vor allem für die Küchenorganisation zuständig. Die größte Schwierigkeit für die beiden Hauptamtlichen ist es, genügend Helfer für die wöchentlichen Mittagessen zu finden. „Wir bräuchten dringend Unterstützung“, sagen die beiden. Dabei wäre es egal, wie oft jemand Zeit hätte. Auch ein Mal pro Monat wäre schon eine Hilfe fürs Team. Überfordert würde selbstverständlich niemand, betonen Dreisbach und Geysel. „Es wäre nur Schade, wenn ‚Gastfreundschaft leben’ nach sieben Jahren nicht mehr zustande käme.“ Sollten sich nicht bald weitere ehrenamtliche Helfer melden, müsse man irgendwann überlegen, das gemeinschaftliche Essen nur noch alle zwei Wochen anzubieten. Dabei sei es eine schöne Arbeit, ein gutes Miteinander im Team, sagen Geysel und Dreisbach. Hier könne man Gemeinschaft erleben.

Motivation durch Stammgäste

Zumal 90 Prozent der Besucher Stammgäste sind. Da sei das Helferteam auch immer motiviert, dass das Essen schmeckt. Kai Münzing ergänzt dazu, dass alles Wesentliche mit Begegnungen beginne. Für ihn ist die Teilnahme am Essen kein stilles Nehmen, sondern etwas Aktives. Man hat die Chance neue Menschen kennenzulernen, Alleinerziehende und ältere Menschen könnten so der Isolation entfliehen, sagt der Kirchenpfleger. „Wir haben eine Begegnungsstätte geschaffen“. So habe sich ein Freundeskreis gebildet, der regelmäßig nach dem Essen noch ins Café gehe.

Jeder ist eingeladen, um mitzumachen

Immer mittwochs gibt es von 11.45 bis 13.30 Uhr ein Mittagessen im Haus des Christlichen Vereins Junger Männer. Jeder ist willkommen.
Das Essen ist grundsätzlich kostenlos, aber es kann Geld gespendet werden.
Für das Projekt werden mehr ehrenamtliche Helfer gesucht. Wer Interesse hat, kann sich jederzeit im Büro der Kirchenpflege und bei Hilde Dreisbach sowie Helga Geysel melden.