St. Johann Gemeinderat übt wegen steigender Kosten für die Kläranlage massive Kritik am Planer

Über steigende Kosten für die Arbeiten an der Kläranlage gab es im St. Johanner Gemeinderat schon mehrfach Diskussionen. Nun schlagen die Räte einen raueren Ton an. Foto: Simon Wagner
Über steigende Kosten für die Arbeiten an der Kläranlage gab es im St. Johanner Gemeinderat schon mehrfach Diskussionen. Nun schlagen die Räte einen raueren Ton an. Foto: Simon Wagner
St. Johann / SIMON WAGNER 08.11.2013
Erneut musste sich der St. Johanner Gemeinderat mit steigenden Kosten in Sachen Kläranlage befassen. Im Gremium wurde deshalb massive Kritik an den beauftragten Planern laut.

Wenn es im Rat der Gemeinde St. Johann um die Sanierung der kommunalen Kläranlage "Im Degental" geht, wird der Ton zunehmend rauer. Wie berichtet, haben die St. Johanner Räte bereits vor rund einem Jahr den Planern des beauftragten Unternehmens RBS wave gehörig den Kopf gewaschen, nachdem sie zuvor die Kosten der Sanierung schrittweise immer weiter nach oben korrigieren mussten. Am Mittwoch nun folgte die nächste und damit die vierte Ernüchterung.

Die im dritten Bauabschnitt anstehenden Gewerke Fliesen, Metallbauarbeiten, Putz- und Malerarbeiten sowie Arbeiten zur Dachabdichtung bilanzieren unter dem Strich erneute Mehrkosten von knapp 20 000 Euro. Die Kostensteigerungen werden nun mit dem Verzicht auf eine Sandwaschanlage kompensiert. Sie ist gesetzlich nicht zwingend erforderlich.

Dagegen zwingend erforderlich ist aus Sicht der Räte eine Erklärung der Ingenieure, wie es zu der erneuten Kostenerhöhung kommen konnte. Siegfried Unruh: "Was da abläuft, ist langsam nicht mehr nachvollziehbar. So kann man nicht miteinander umgehen", lautete seine geharnischte Kritik an den Planungsleistungen. Er hegt überdies den Verdacht, dass die Kosten bereits im Vorhinein geschönt dargestellt wurden.

Genaue Zahlen zur prozentualen Steigerung der Gesamtkosten wollte Ingrid Eißler-Bimek hören. "Heute Abend nicht", sagte Bürgermeister Eberhard Wolf. Die erst kurz vor der Sitzung vom Ingenieurbüro zugesandte Kostenfortschreibung werde momentan einer Prüfung unterzogen: "Es gibt Klärungsbedarf", so seine knappe, aber gehaltvolle Auskunft. "Das ist für uns genauso ärgerlich", gab der Rathaus-Chef aber zu. So haben die Planer beispielsweise bei den anstehenden Fliesenarbeiten kurzerhand 50 Quadratmeter nicht einberechnet: "Beim Ingenieurbüro liegt das Problem", lautete Wolfs Hinweis, wer der Adressat für den aufgekommenen Ärger sei. Doch trotz der wiederkehrenden Probleme, will er "jetzt nicht die Pferde wechseln". Dieser Meinung folgte auch der Rat zähneknirschend. Er gab einstimmig grünes Licht für die Vergabe der Gewerke.

Neben den steigenden Kosten macht Gebhard Reichenecker ein weiteres Problemfeld aus: "Es fehlt der Zug", sagte er mit Blick auf die sich nur schleppend hinziehende Baustelle. Wolf kann den Eindruck bestätigen: "Wir gehen nun ins vierte Jahr. Für drei Jahre war die Maßnahme geplant."

Sein Schluss: "So kann es wirklich nicht weitergehen." Seinen Räten empfahl Wolf: "Heben Sie sich die Kritikpunkte auf, bis die Verantwortlichen da sind." Sie werden einen schweren Gang nach St. Johann antreten müssen, um vor den Mandatsträgern Stellung zu beziehen. "Da erwarte ich, dass man das Büßerhemd anzieht", formulierte Wolf einen gut gemeinten Hinweis an die Stuttgarter Ingenieure. Der Ton in Sachen Kläranlage wird eben spürbar rauer.