Dettingen Gemeindenah, sozial und begabt

Pfarrer Harald Grimm (links) und Karin Beck, Koordinatorin von „Füreinander da“, werben für die gemeindenahe diakonische Gabenbörse. In den Frühjahr- und Sommermonaten werden Helfer für die Gartenarbeit gesucht.
Pfarrer Harald Grimm (links) und Karin Beck, Koordinatorin von „Füreinander da“, werben für die gemeindenahe diakonische Gabenbörse. In den Frühjahr- und Sommermonaten werden Helfer für die Gartenarbeit gesucht. © Foto: Anne Laaß
Dettingen / Anne Laaß 10.07.2018

Ein Wink des Himmels war es für Karin Beck. Eine gute Fügung für den geschäftsführenden Dettinger Pfarrer Harald Grimm. Gemeint ist das ehrenamtliche Projekt der evangelischen Kirchengemeinde Dettingen. „Füreinander da“ soll Menschen zusammenbringen. Es ist eine Schnittstelle zwischen denen, die Hilfe brauchen, und denen, die Hilfe anbieten.

Bevor der Startschuss im Jahr 2013 fiel, brauchte es noch hier und da ein paar Anschubser. Etwa drei Jahre lang spukte Karin Beck die Idee im Kopf herum. Letztlich entschied sich die heute 47-Jährige dafür, das Gespräch zu suchen und der Kirchengemeinde ihren Projektentwurf vorzustellen. Pfarrer Grimm erinnert sich mit einem Lächeln zurück. „Es kommt nicht oft vor, dass sich eine engagierte Mitarbeiterin anmeldet und zehn Stunden pro Woche für die Kirche arbeiten will.“ Doch gesagt, getan. Karin Beck machte sich auf den Weg und suchte nach Mitarbeitern für die Gabenbörse. Nach etwa einem Jahr der Suche wurde das Konzept dem Kirchengemeinderat präsentiert und eine Probezeit festgesetzt. „Sie wollten es für sechs Monate testen“, sagt Beck und ergänzt, „die Bedingungen für eine Fortsetzung hatten wir schnell erfüllt.“ Mittlerweile wird die Börse fünf Jahre alt und wird immer mehr genutzt. 1035 Anfragen hat es bereits gegeben, Tendenz steigend.

Einen großen Teil nehmen dabei die Fahrdienste ein. Bislang sind die Ehrenamtlichen etwa 10 700 Kilometer gefahren. Aber auch die Gartenarbeit, Hilfe beim Ausfüllen von amtlichen Formularen und Besucherdienste werden genutzt.

„Mir ist dabei wichtig, dass all diese Leistungen ehrenamtlich sind“, betont Beck. Es ist ein gemeindenahes diakonisches Projekt. Fähigkeiten oder Gaben, wie Pfarrer Grimm sie nennt, stehen den Bedürfnissen der Gemeinde gegenüber.

„Die Angebote sind für alle gedacht“, erklärt die Koordinatorin. Besonders im Hinblick auf die steigende Altersarmut, sollten die Menschen sich finanziell nicht verpflichtet fühlen. Pfarrer Harald Grimm ergänzt, dass es dennoch eine Hemmschwelle gebe. Die oft auch daran liege, dass die Menschen ungern um Hilfe bitten. „Hier definieren sich viele über ihre Eigenständigkeit. Sie sind stolz darauf“, sagt der 63-Jährige. Dabei sei nichts Falsches daran, sondern das Konzept beruhe auf der christlichen Vorstellung einer idealen Gemeinde.

„Sie lebt von Mitarbeitern wie Karin Beck“, lobt Harald Grimm. Ohne das stete ehrenamtliche Engagement seien solche Projekte nicht stemmbar. Die freiwilligen Helfer für die Gabenbörse kommen zwar größtenteils aus der Ermsgemeinde selbst, aber auch aus Neuhausen und Neuffen.

„Es ist faszinierend wie alles zusammenpasst“, so die 47-Jährig. Sie erinnere sich, dass jemand seine Computerkenntnisse anbot, und sich kurze Zeit darauf auch die passende Nachfrage fand. Wichtig ist Karin Beck bei all der Organisation und den Angeboten, dass die Ehrenamtlichen auch Nein sagen dürfen. „Wenn es eben terminlich nicht klappt, ist das kein Problem.“

Schließlich übergeben die Menschen, die um Hilfe bitten einen gewissen Teil der Verantwortung. Die Koordinatorin erzählt, dass es oft berührende Telefonate gebe, bei denen sie viel von den Menschen erfahre. Auch für sie sei das keine leichte Aufgabe, dennoch habe sie das Gefühl, dass die Menschen allein mit der Zusage nach Hilfe bereits einen Stein weniger zu schultern habe.

„Wir gehen auf die Wünsche ein“, sagt Beck entschlossen. Ob es um singen, vorlesen oder spazieren geht, die Hauptsache ist, dass die Gemeinde „Füreinander da“ ist.

Füreinander da: Helfer gesucht

Das Projekt der evangelischen Kirchengemeinde hat nicht nur zwei Mal einen Preis für seine ehrenamtliche Tätigkeit geholt, sondern erhält auch täglich etwa fünf Anfragen. Momentan sucht Karin Beck noch Helfer für die Gartenarbeit, aber nicht nur Menschen mit einem grünen Daumen dürfen sich melden.

Wer Zeit und Interesse hat, kann sich unter Telefon (0 71 23) 39 91 33 immer montags von 9 bis 11 Uhr melden. Oder eine E-Mail an fuereinander@kirche-dettingen.de schicken.

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