Dettingen / Von Christina Hölz

Vera Weißer hat diese Woche einen Knochenjob: Die Frickenhäuserin arbeitet als Entbindungshelferin – allerdings nicht auf der Kinderstation einer Klinik, sondern im Ziegenstall hoch über Dettingen. Dort, am Calverbühl, geht es nämlich an manchen Tagen Schlag auf Schlag: Im Stundentakt bringen die Mutterziegen kleine Geißlein zur Welt. Diese Geburtstage sind ein festes Ritual bei den Dettinger Ziegenfreunden, zu denen auch Vera Weißer gehört. Jedes Jahr sorgt der Landschaftspflege-Verein dafür, dass eine seiner beiden Herden Nachwuchs bekommt.

Das tierische Wochenbett im Gewann Rossweide ist diese Woche eine Attraktion für viele Wanderer und Spaziergänger. Wo können Tierfreunde schon mit neugeborenen Geißlein kuscheln oder deren erste Schritte beobachten?

Neugierig blicken die Gäste unters Stalldach, wo ein Rotlicht Wärme für die kleinen Zicklein spendet. Stroh soll die Nässe am Boden abhalten, die nach den Regengüssen gestern schnell in die Knochen kriecht. Dafür, dass alles perfekt vorbereitet ist, wenn die Muttertiere niederkommen, sogen Vera Weißer und die anderen Vereinsmitglieder der Ziegenfreunde. Sie wechseln sich mit dem täglichen Stalldienst ab, massieren die verhärteten Euter der Mutterziegen und versorgen die Kleinen mit den ersten Streicheleinheiten.

Dazu gehört auch die Hilfe für die Schwächsten: Wird ein Zicklein beim Gerangel um die mütterlichen Zitzen verdrängt, nehmen die Helfer die stärkeren Geschwister auf den Arm und kümmern sich darum, dass auch das Kleinste satt wird.

Sechs kleine Geißen sind in den vergangenen drei Tagen am Calverbühl zur Welt gekommen , diese Zahl gilt jedenfalls bis Redaktionsschluss gestern Abend. Matthias Buck, der Vorsitzende der Dettinger Ziegenfreunde, rechnet allerdings in den nächsten Tagen mit weitaus mehr Nachwuchs. Die meisten trächtigen Geißen bringen zwei Junge zur Welt, manche Muttertiere  säugen sogar Drillinge.

Der Ziegenbock, der immer abwechselnd eine der beiden Herden beglückt, hat seinen Job erfüllt, scherzt Buck. Dass die Ziegen nur im zweijährigen Turnus werfen, dient übrigens auch der Erholung der Muttertiere.

Noch etwas lichtscheu liegen nun die kleinen Zicklein im Stroh, später staksen sie unsicher um ihre Mutter herum. Es dauert, aber nur 30 bis 40 Minuten, dann stehen die Geißen schon recht sicher. Schnell erkunden die Tiere dann die Welt auf ihren eigenen Beinen. Allerdings werden einige von ihnen nicht allzu lange leben. Gerade den Böcken blüht oft schon nach sechs Monaten der Schlachthof, erklärt der Vereinsvorsitzende.

Die männlichen Tiere werden zu Kitz-Braten und Ziegenrote verarbeitet, die weiblichen leben länger. Der Grund dafür sind nicht etwa finanzielle Interessen des Vereins: Der Ziegennachwuchs wird früh geschlechtsreif. Würden mehr Böcke auf den Wiesen am Calverbühl tollen, würden die Herden zu unkontrolliert wachsen.

Landschaftspflege mit den Ziegenfreunden

Die Ziegenfreunde Dettingen haben sich 2005 gegründet. Mit Unterstützung des Landkreises und der Gemeinde haben sie einen Stall, mobile Weidewagen und Zäune angeschafft. Die Ziegen pflegen die Wiesen am Calverbühl.

Der Verein ist auf Einnahmen angewiesen, um die Ziegen gut versorgen zu können. Dafür werden unter anderem Patenschaften für neugeborene Ziegen angeboten. Weitere Infos unter www.ziegenfreunde-dettingen.de