Bad Urach Für eine menschliche Pflege

Scheckübergabe mit Bürgermeister Elmar Rebmann, dem Vorsitzenden des Krankenpflegefördervereins Bad Urach-Hengen-Seeburg, Christine Krohmer und Dekan Michael Karwounopoulos. 
Scheckübergabe mit Bürgermeister Elmar Rebmann, dem Vorsitzenden des Krankenpflegefördervereins Bad Urach-Hengen-Seeburg, Christine Krohmer und Dekan Michael Karwounopoulos.  © Foto: Simon Wagner
Bad Urach / Von Simon Wagner 27.06.2018

Über Geld spricht man nicht, heißt es ja im Allgemeinen. Anders gelagert ist der Fall, wenn der Besitz der klingenden Münzen nicht zum Selbstzweck wird, sondern einem höheren Zweck dient. Die Diakoniestation Oberes Ermstal-Alb etwa setzt ihre Ressourcen dafür ein, für andere da zu sein. Ihr wertvollstes Investitionskapital sind nicht raschelnde Scheine, sondern Zeit. Etwas mehr davon können die Fachkräfte der Station nun in Kunden beispielsweise der Paliativpflege oder der Sterbebegleitung investieren.

Möglich macht dies auch in diesem Jahr wieder ein Scheck des Krankenpflegefördervereins Bad Urach-Hengen-Seeburg. Die Geschäftsführerin der Diakoniestation, Christine Krohmer, nahm ihn jüngst im historischen Sitzungssaal des Bad Uracher Rathauses aus den Händen des Fördervereinsvorsitzenden  Eberhard Abel in Empfang. Er ist mit 5500 Euro dotiert und speist sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen. 330 Mitglieder tragen durch ihre Beiträge dazu bei, dass die Pflegekräfte ihre Dienst- und Hilfeleistungen nicht nur nach einem engem Zeitplan abarbeiten, sondern wenn nötig und gewünscht, auch etwas mehr Zeit als üblich haben: Für eine Erledigung, für die eine oder andere Handreichung oder aber schlicht für ein offenes Ohr. Für all jene Extras also, die aus einem eher technisch anmutenden Dienst erst einen menschlichen machen und die bei den Krankenkassen nicht abrechenbar sind. Finanziert werden aus der Summe aber auch unterschiedliche Mitarbeiter-Schulungen. Für Krohmer auch eine Geste der Wertschätzung gegenüber ihren Mitarbeitern.

„Die Diakonie kann es brauchen“, dankte sie dem erneuten Geldsegen. Die Diakoniestation Oberes Ermstal-Alb, mit vier Standorten und Hauptsitz in der Kurstadt, betreut in der ambulanten Pflege, in der Alltagsunterstützung oder Tagesbetreuung, insgesamt rund 700 Kunden bis nach Hülben, Grabenstetten oder St. Johann. Etwa 100 Mitarbeiter, verteilt auf 53 Stellen, kümmern sich um Kranke oder Senioren.

„Wir könnten noch wesentlich mehr betreuen, wenn wir mehr Mitarbeiter hätten. Die Nachfrage ist gewaltig“, unterstrich Abel. Alleine, Pflegekräfte zu bekommen, gleicht einem Kraftakt. „Die Situation ist ganz, ganz schlimm“, so Abel. Hinzu komme die sukzessive Abnahme derer, die sich mit einem geringen Jahresbeitrag dem Förderverein anschließen wollen. Vor 20 Jahren zählte er noch rund 700 Mitglieder, aktuell sind es nur noch 330. „Leider ist es so“, bedauert Abel und schiebt gleich noch eine Erklärung hinterher: „Die jungen Leute interessieren sich wenig.“ Gleichwohl oder gerade deswegen steht die Mitgliedergewinnung ganz oben auf der Agenda des Vereins.

Der Dank für sein Engagement und das seiner Mitglieder kam auch von Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann und Dekan Michael Karwounopoulos, als Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Bad Urach-Seeburg. Sie stellt dem Verein organisatorische Hilfestellungen zur Verfügung, ebenso die Bruderhaus-Diakonie. Der Verein allerdings steht allen Glaubensrichtungen offen. Er unterstützt die Diakoniestation gleichzeitig noch in einem anderen Bereich. Um pflegende Angehörige zu entlasten, spendet der Krankenpflegeförderverein rund zehn Prozent seines jährlichen Beitragsaufkommens an das Projekt zeitintensive Betreuung.

330

Mitglieder hat der Krankenpflegeförderverein Bad Urach-Hengen-Seeburg. Mit einer jährlichen Spende unterstützt er die Diakoniestation Oberes Ermstal-Alb: Heuer mit 5500 Euro.

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