"Les passants" von Zaz oder Lordes "Royals" und auch "I need a dollar" von Rapper Aloe Blacc sind weit entfernt von jeglichem Weihnachtslieder-Klischee. Doch wenn Adventszeit bedeutet, in der hektischen Vorweihnachtszeit inne zu halten und dem stressigen Alltag zu entfliehen, dann ermöglichten es die fünf Frauen von "Les Roulettes" mit ihrer Songauswahl und den einfühlsamen, ganz speziellen Interpretationen viel gehörter und weniger bekannten Liedern. "Wer bitte ist Felix Meyer", hieß es im Publikum. Und auch von Sophie Hunger oder "Katzenjammer" haben viele der rund 130 Besucher in der Mensa des Graf-Eberhard-Gymnasiums noch nie etwas gehört - "Les Roulettes" haben ihnen diese und viele weitere, zum Teil ganz persönliche Schätze der Rock- und Popmusik und der SingerSongwriter-Szene nahegebracht und damit Lust auf mehr gemacht.

Seit neun Jahren spielen "Les Roulettes" in fast unveränderter Zusammensetzung zusammen, sind seit dem ersten Mini-Auftritt bei Kulturach im Dezember 2007 musikalisch gereift und selbstsicherer geworden. Sängerin Martina Weber steht als mehrsprachig auf Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch singende Frontfrau zwar zwangsläufig im Mittelpunkt, doch es stehen ihr vier weitere musikalisch starke Frauen zur Seite. Und gemeinsam bilden sie eine von musikalischer und menschlicher Harmonie geprägte Einheit, die auch von der außergewöhnlichen Instrumenten-Besetzung lebt: Irmi Hipp-Kiefer setzt mit dem Kontrabass Akzente, Ursula Hauke mit dem Akkordeon. Christine Schnee-Hofer ist mit der Gitarre eine Könnerin und das Quartett komplettiert Fulya Tavman-Kurz am Cajon.

Doch festgelegt sind die Musikerinnen nicht auf ihr Instrument: Für eine ganz spezielle Note sorgt Christine Schnee-Hofer immer wieder mit ihrer Flötenbegleitung, Ursula Hauke steht auch an der Gitarre ihre Frau und singen können sie alle. Besonders stimmungsvoll sind die Momente, wenn Ursula Hauke und Martina Weber zweistimmig singen - Gänsehaut-Feeling pur ist dann angesagt, kaum ein Zuhörer kann sich diesem intensiven emotionalen Momenten entziehen. Und als in der endgültig letzten Zugabenrunde Rios Reisers "Übers Meer" erklingt, mag nach dem letzten Ton kaum jemand sofort klatschen - so stimmungsvoll ruhig ist's in der Mensa. "Les Roulettes" haben ihren Weg gefunden und sich in der lokalen Musikszene mit ihrem Kulturach-Auftritt wohl endgültig etabliert. Nun wollen die fünf Laienmusikerinnen durchstarten und vermehrt in der Region auftreten. Das Uracher Publikum haben sie mit ihrem ungewöhnlichen Programm und den ganz eigenen Arrangements überzeugt.

Die Kulturach-Veranstaltungsreihe wird am Freitag, 8. Januar, mit "Madaus und Band" fortgesetzt - ab 20 Uhr im Jugendhaus.