Das kleine, gelbe Häuschen mit dem roten Ziegeldach fällt sofort auf. Es steht, eingerahmt von einer Bundes- und einer Landesstraße, im Herzen Seeburgs und erinnert an jene Zeiten, da im Ort noch Tuffstein gebrochen wurde und Postkutschen fuhren. Das Gebäude ist das letzte Überbleibsel des einstmals so bedeutenden Gasthauses Löwen und bleibt damit auch stete Erinnerung an die Vergänglichkeit irdischen Ruhms. Schließlich galt der Löwen über Jahrhunderte als eines der ersten Häuser in Seeburg: Die glanzvolle Wirtschaft beherbergte die Posthalterei, dazu gesellten sich Gästezimmer, um Reisende aller Stände aufzunehmen. Außerdem zählte eine Umspannstation für Pferdegespanne zur Wirtschaft. Hier stoppten Postkutschen der 1819 von Thurn und Taxis eingerichteten Strecke von Straßburg über Urach nach Biberach, wie Seeburgers frühere Ortsvorsteherin Uthe Scheckel in einem Betrag für den Schwäbischen Heimatbund schreibt. 2015 beteiligte sich der Förderverein „Seeburg schafft Zukunft“, dessen Vorsitzende Scheckel ist, an einem Wettbewerb des Heimatbundes für Kleindenkmale und warb für sein Schmuckstück, Löwirtsmaries Häusle.

Das Engagement der Seeburger für den Erhalt des Gebäudes ließ letztlich auch den Förderverein entstehen: Er gründete sich im April 2007 und damit ein Jahr nachdem das Häuschen nach grundlegender Renovierung wieder eröffnet worden war. Am Beginn des Prozesses stand 2004 ein Beschluss des Seeburger Ortschaftsrats, das Gebäude erhalten zu wollen. Gut 27 000 Euro investierte die Stadt Bad Urach in das Projekt, die Hälfte des Geldes kam als Förderzuschuss von „Regionen aktiv“. Ziel des Vorhabens war nicht zuletzt, der Nachwelt einen Teil der Seeburger Geschichte zu erhalten. Das Häuschen selbst diente früheren Besitzern als Schweine- oder wahlweise Hühnerstall. Zudem war es Waschküche für die Wirtschaft und Gartenhäuschen von Marie Schnitzer. Sie kam als Tochter des letzten Seeburger Löwenwirts zur Welt. Das Gasthaus fiel 1960 der Wucht der Bagger zum Opfer. Marie Schnitzer bewirtschaftet noch in den 1980er Jahren einen kleinen Garten am ehemaligen Löwen-Areal, nach ihrem Tod blieb das dort stehende Häuschen ungenutzt und verfiel zusehends.

Wer mehr über Marie Schnitzer und das Gasthaus ihrer Vorväter erfahren möchte, findet heute eine entsprechende Dokumentation in jenem Häuschen, das nach seiner letzten Besitzerin benannt ist. Rund ums Gebäude wirkten heute die Aktiven des Fördervereins „Seeburg schafft Zukunft“, sie kümmern sich um die Pflege des Grüns und zeichnen auch für den schönen Blumenschmuck verantwortlich. Wer das Areal betritt und sich Zeit für eine Pause nimmt, entdeckt, wie schön Seeburg liegt. Vom Häuschen aus gibt es freie Sicht auf die Wacholderheide am Hartberg und die Felshänge am Hohlweg, schildert Uthe Scheckel. Außerdem besteht ein direkter Zugang zur Erms. Im Innern des Häuschens sind ebenfalls Sitzgelegenheiten zu finden. Im Garten steht eine große Tafel, die Besuchern Auskunft gibt über Seeburg, dessen Sehenswürdigkeiten, die Besonderheiten der Pflanzen- und Tierwelt sowie über die Geologie und die Landschaftspflege an den Hängen rund um das Dorf. Die Pflege kommt zu einem Großteil einer Ziegenherde zu, die dafür sorgt, dass sich Bäume und Büsche nicht zu streng Richtung Häuser ausbreiten. Deshalb gehören Ziegenrote und Ziegensaiten auch zum kulinarischen Angebot des Fördervereins „Seeburg schafft Zukunft“. Schließlich, sagt Uthe Scheckel, solle sich die Beweidung in der regionalen Produktpalette widerspiegeln.

Schmackhaftes möchte der Verein seinen Gästen auch morgen auftischen: Von 11 bis 17 Uhr sind Besucher an Löwirtsmaries Häusle willkommen, um auf dessen zehnjährigen Geburtstag anzustoßen. Weil eher wechselhaftes Wetter vorhergesagt ist, stellt der Verein ein beheiztes Zelt für die Gäste bereit. Diese können sich auf Saitenwürstchen, Kaffee und Kuchen sowie einen abwechslungsreichen Tag rund um Seeburgs Schmuckstück freuen.