Bad Urach / NORBERT LEISTER  Uhr
Faszinierende, bewegende, anregende und aufwühlende Bilder sind ab Montag, 8. Juni, im Bad Uracher Stadtmuseum zu sehen, wie Susanne Blum und Thomas Braun vor Ort erläutern.

„Etwas bleibt“ heißt die Kunstausstellung, die ab Montag in Bad Urach zu bestaunen ist. Bleibend ist auf jeden Fall der Eindruck, den die Werke von sechs Künstlern aus der Region hinterlassen: Dabei sind die Bilder, Fotos und Gemälde so unterschiedlich, wie man sich das nur vorstellen kann. Großformatige Werke mit einer unglaublichen Farbenwucht ziehen unweigerlich auf allen drei Stockwerken im Stadtmuseum die Blicke auf sich. Kleine, fast unscheinbare Radierungen, Collagen oder Fotografien müssen hingegen erst entdeckt werden, zeigen beim näheren Hinsehen aber auch die große Meisterschaft der Künstler hinter den Werken.

Sechs Kunstschaffende hat Susanne Blum für diese Wanderausstellung gefunden – wobei jeweils die Hälfte der Personen mit einer Behinderung leben, die anderen nicht. Seit 1. März war die Ausstellung in der Reutlinger Kreissparkasse zu sehen, ab kommenden Montag nun in Bad Urach. Aber: „Hier werden nicht die identischen Werke präsentiert“, betont Blum als Mitarbeiterin der Geschäftsstelle Inklusionskonferenz des Landkreises. Zusätzliche Werke kommen in Bad Urach hinzu, insgesamt 70 sind es an der Zahl – „weil die Ausstellungsfläche hier doppelt so groß ist“. Das freut die Künstler, dürfte aber auch die Besucher der Bilderschau begeistern. Blum hat diese Wanderausstellung organisiert, die Künstler gesucht – und zwar in Münsingen, Grafeneck, Kohlstetten und Reutlingen.

„Die Stadt hat die Anfrage der Inklusionskonferenz gerne aufgegriffen und die Ausstellung hier ermöglicht“, betont Kulturreferent Thomas Braun gestern beim Pressegespräch. Für die behinderten Künstler sei es laut Blum eine tolle Möglichkeit, ihre Werke einem breiteren Publikum vorzustellen. „Sie haben ja nicht die Möglichkeiten wie andere anerkannte und etablierte Kunstschaffende“, betont Susanne Blum. Für die Künstler ohne Behinderung sei es gar keine Frage gewesen, bei dieser Ausstellung ebenfalls mit dabei zu sein. Denn: „Beim Thema Inklusion geht es vor allem darum, die Barrieren im Kopf abzubauen“, zitiert Susanne Blum Landrat Thomas Reumann. „Und dazu ist Kunst ganz besonders gut geeignet.“ Das stellt die Wanderausstellung äußerst eindrücklich unter Beweis. „Die Behinderung spielt hier überhaupt keine Rolle, schon in Reutlingen hat sich gezeigt, dass ein qualitativer Unterschied zwischen den Werken aller Künstler nicht zu erkennen ist“, betont die Mitarbeiterin der Inklusionskonferenz.

Im Bad Uracher Stadtmuseum werden auf drei Etagen Werke von Renate Quast zu sehen sein, von Birgit Sonnhof, Normann Seibold, Erich Rosenberger, Karl Striebel und Helm Zirkelbach. Die bereits angeführten Riesengemälde von Rosenberger hat der Künstler mit einer Schütttechnik gefertigt, dazu nahm er Farbe, Mehl, Eier und noch viel mehr Zutaten. Gigantische Farbexplosionen entstehen dadurch, ähnlich wie bei Seibold – der nur noch mit den Fingern malt. Extrem kontrastreiche Werke entstehen dabei, mit zentimeterdicken Farbschichten, die den Blick des Betrachters unweigerlich in die Spur seiner Finger ziehen. Eher zurückhaltend sind hingegen die Radierungen von Zirkelbach. Oder die gemalten Köpfe von Sonnhof – die aber immer den Eindruck vermitteln, als ob diese Gesichter die Betrachter unweigerlich, schonungslos, fragend oder hilfesuchend anschauen. Faszinierend sind obendrein die Makrofotografien von Quast und die Grafiken von Striebel.