Brotzeit, die nächste. Winfried Wagner ist wieder an Bord. Das Schwergewicht aus Dettingen, das aus gesundheitlichen Gründen beim letzten "Laible und Frisch"-Theaterstück "Bühnenreif" nicht dabeisein konnte, gibt sich wieder angriffslustig.

"Gut geklaut ist halb gebacken" heißt das zweite Abenteuer auf der Bühne, das aus der beliebten TV-Serie hervorgeht. Einmal mehr legt sich der schwäbische Traditionsbäcker Walter Laible (Winfried Wagner) mit Manfred Frisch (Simon Licht) an, seinem impulsiven Erzrivalen aus Norddeutschland.

Jeder bezichtigt den anderen der Urheberrechtsverletzung. Konkret geht es um das Rezept des Bregels. Bregel? Noch nie einen Bregel gegessen? Das ist die köstliche Verschmelzung einer Brezel mit einem Bagel (rundes Gebäck aus Hefeteig mit einem Loch in der Mitte).

Zurück zur Urheberrechtsverletzung. Nicht der Gerichtssaal, sondern eine Fernsehsendung wird zum Austragungsort des Duells der beiden unterschiedlichen Bäcker. Die Show wird zum aberwitzigen Schlachtfeld verletzter Eitelkeiten und Gefühle. Es kommen Wahrheiten ans Licht, die so mancher lieber für immer im Dunkeln gelassen hätte. . .

Unter dem Motto "lieber von vielen wahrgenommen, als von wenigen ignoriert" läuft der sonst wortkarge Laible vor den Kameras zu Höchstform auf. Den Tipp seiner Frau Marga (Ulrike Barthruff), im Fernsehen Hochdeutsch zu reden, lehnt der Urschwabe aber ab: "Ich will mich doch nicht so anhören wie der Oettinger." Dafür erleben die Zuschauer, wie es klingt, wenn sich sein Widersacher aus dem hohen Norden zum ersten Mal an die Landessprache des "putzigen Völkchens der Kehrwoche" wagt. Der erste Akt ist rasant. Nicht nur wegen der knackigen Wortduelle, die sich die beiden Erfolgsautoren Sebastian Feld und Frieder Scheiffele aus Dettingen ausgedacht haben. Auch das Bühnenbild trägt dazu bei. Acht Mal wechselt es innerhalb der ersten Stunde.

Entsprechend heiß geht es auf der Bühne zu. Bei einem erotischen Telefonat kommt ein weiteres Tête-à-Tête ans Tageslicht, das Frisch mit der TV-Moderatorin Iphigenie Glocker (Tina Rottensteiner) hatte. Sie ist übrigens die Neue, die bei "Laible und Frisch" zum ersten Mal auf der Bühne steht.

Klar, Frisörin und Trollinger-Liebhaberin Uschi Stammer (Monika Hirschle) ist wieder mit von der Partie. Zusammen mit Marga lästert sie dieses Mal von ihrem Balkonplatz im Fernsehstudio. Die Muppet-Show mit den beiden alten Quälgeistern Statler und Waldorf lässt grüßen. Witzig, schlagfertig und scharfsinnig ist das Stück. Und die Uschi? Die ist immer noch auf der Suche nach dem Richtigen: "Ich brauch keinen Mann, der mir zu Füßen liegt, mir reicht's schon, wenn er seine Füße auf mein Sofa legt." Ob es dieses Mal klappt?

Auch die Zuschauer sind Teil des Stücks. Sie mimen das Publikum wähend der Livesendung. Im Gegensatz zum "echten Fernsehen" braucht es bei diesem "Laible und Frisch" eigentlich keinen Einheizer, wie den Herrn Regisseur Ginne Grün (Andreas Klaue), der immer wieder "Applaus"- und "Lachen"-Schilder in die Höhe hebt. Die könnte er sich sparen. Rein gefühlsmäßig haben die Beifallsbekundungen und die Lachsalven im Vergleich zum ersten Theater-Stück noch einmal zugelegt.

"Dieses Stück wird garantiert ein Erfolg", sagte das schwäbische Urgestein Walter Schultheiß, und der Mann hat Recht behalten. Auch Spannung ist bei "Gut geklaut ist halb gebacken" angesagt. Erst kurz vor Ende erfahren die Zuschauer, wer von wem was abgekupfert hat.

Auch Hunger auf einen Bregel oder auf die Komödie bekommen? Da kann man Abhilfe schaffen. Beides gibt es noch bis 17. Januar täglich, außer montags, im "Marquardt" in Stuttgart zu genießen. Vorsicht: Karten gibt es nicht mehr viele. Und auch die Bregel gehen weg wie warme Semmel.