Bad Urach Ermstalklinik: Die Station für Neurologie und Frührehabilitation öffnet ihre Türen

Bad Urach / SIMON WAGNER 04.11.2013
Am Sonntag zeigte sich die neue Station für Neurologie und Frührehabilitation in der Ermstalklinik. Zum Tag der offenen Tür wollten zahlreiche Besucher die nagelneue Einrichtung in Augenschein nehmen.

"Wir haben hier alles was das Herz begehrt", sagt Chefarzt Dr. Frank Andres mit Blick auf die Patienten, die künftig in Bad Urach umsorgt werden. Sie leiden an schwersten Hirnschädigungen, in Folge von Schlaganfällen, nach Hirnblutungen oder nach Sauerstoffmangel. Ihre Akutbehandlung ist abgeschlossen, doch zur weiteren Genesung sind sie weiter auf Intensivpflege angewiesen. Patienten der Pflegephase "B" sind "liegend stabil" und befinden sich im Stadium der Frührehabilitation. Selbstverständliche Dinge wie Schlucken oder gar das selbstständige Atmen müssen sie teilweise erst wieder lernen.

Den geeigneten und professionellen Rahmen hierfür bietet seit dem 1. Oktober die Bad Uracher Station. Im Bereich des ehemaligen Kreißsaals befinden sich die runderneuerten Räumlichkeiten. Sie sind gespickt mit hochkomplexem Diagnose- und Therapiegerät, aber auch mit ganz praktischem Instrumentarium. Teilbare Betten ermöglichen es den Patienten beispielsweise, verschiedene Positionen einzuüben, eine schwenkbare Liege hilft, den Kreislauf oder die Darmfunktion zu beleben. Eine an einen Roboter erinnernde Gehhilfe erlaubt es, Bewegungsabläufe zu probieren und Muskeln aufzubauen.

"Es ist eine Freude, hier arbeiten zu können", sagt Andres nach dem nun vollendeten Umzug der 18 Betten von Zwiefalten nach Bad Urach. Insgesamt hat die neue Station rund 2,2 Millionen Euro gekostet. Dass sich die Investition trotz des etwas eingeschränkteren Raumangebots gelohnt hat, und davon, dass die Patienten in Urach perfekt aufgehoben sind, ist Andres überzeugt. Vor allem die Angliederung der Station im Haus der Ermstalklinik, sieht er als großen Vorteil. Die Wege von Spezialisten und ihrem Know-How sind kurz, Fachwissen ist jederzeit abrufbar: "Ein Setting, wovon die Patienten profitieren." Auch Manfred Schneck, Abteilungsleiter der Neurologie in Zwiefalten sieht das so: "Hier ist alles unter einem Dach." Er ist überzeugt: "Die Vorteile überwiegen."

Eine vorteilhafte Konstellation, die in Baden-Württemberg bislang allerdings einmalig ist. Nicht nur deshalb ist die Stationseröffnung für Andres eine echte Standortsicherung: "Es gibt ein Mangel in Baden-Württemberg", hält der Facharzt mit Blick auf die Frührehabilitation fest. Im Land gibt es von diesen Plätzen nur rund 350, 18 davon nun in Bad Urach. Ein weiterer Ausbau ist von den Reutlinger Kreiskliniken perspektivisch anvisiert.

Aus Zwiefalten mit umgezogen ist jedoch nicht nur die eigentliche Station, sondern auch das speziell geschulte Intensivpflegepersonal. Unter anderem Ergo- oder Logotherapeuten komplettieren das aktuell rund 50-köpfige, extrem engagierte Team. Sie unterstützen mit ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit auch das neu gebildete Schluckzentrum.

Dieses Team weiter aufzubauen, sieht Andres als nächstes Etappenziel. Zwar zählt die Station aktuell nur vier Patienten, doch zehn könnten es dieses Jahr noch werden. Der Einzugsradius der Station beträgt rund 150 Kilometer. Im kommenden Jahr kommt es so aller Voraussicht nach zur Vollbelegung: Ab Januar werden Patienten aufgenommen, die noch auf das Beatmungsgerät angewiesen sind. Sie sollen mittels einer Atemtherapie von den Maschinen entwöhnt werden. Andres rechnet damit, dass etwa 50 bis 60 Prozent der Patienten in weiterführende Rehakliniken überwiesen werden können. Er geht von einer durchschnittlichen Liegezeit von rund fünf Wochen aus.

Mit dem Tag der offenen Tür am Sonntag löste die Station auch ein Versprechen ein, das sie sich ganz groß auf ihre Fahne geschrieben hat: Sie will für Angehörige offen sein und sie ganz bewusst umfassend mit einbeziehen. Die Besucher für die Situation der Patienten zu sensibilisieren schafften am Sonntag jedenfalls ganz praktische Übungen: Oder haben Sie schon einmal versucht, einen Schokoriegel zu öffnen mit Fäustlingen an den Händen?

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