Bad Urach Erleben, entdecken, verstehen

In einer Abschlussrunde werden die Ergebnisse vorgestellt. Mit dabei sind zwei Gebärdendolmetscher (links).
In einer Abschlussrunde werden die Ergebnisse vorgestellt. Mit dabei sind zwei Gebärdendolmetscher (links). © Foto: In einer Abschlussrunde werden die Ergebnisse vorgestellt. Mit dabei sind zwei Gebärdendolmetscher (links). Foto: Nicole Wieden
Bad Urach / Nicole Wieden 12.06.2018

Unter dem Motto „Meine Welt – Deine Welt“ haben sich in der vergangenen Woche 60 Seminateilnehmer im Urach Stift auf kreative Weise ihre Lebenswelten nahe gebracht. Die zweitägige Veranstaltung zählt zu den bislang 68 Projekten, die derzeit im Rahmen eines Aktionsplans der evangelischen Landeskirche Württemberg und ihrer Diakonie gefördert werden.

Das Anliegen des Aktionsplans ist die Ausweitung der Barrierefreiheit für Menschen, die im gesellschaftlichen Leben Ausgrenzung erfahren. Im Fokus stehen beispielsweise Menschen mit körperlicher und gesundheitlicher Beeinträchtigung, in Armut Lebende oder Migranten und Flüchtlinge. In den Kirchengemeinden werde Inklusion zwar schon vielfach gelebt, doch könne dies noch bewusster geschehen. Die Landeskirche hat aus diesem Grund einen Fonds zusammengestellt, der bis zum Jahr 2020 inklusive Projekte fördern wird.

Die 60 Teilnehmer der zweitägigen Veranstaltung im Urach Stift haben sich auf die Frage konzentriert, auf welche Weise die Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut werden können. „Denn Vorurteile und Ängste verhindern die Begegnung und damit auch Inklusion“, so Wolfram Keppler von der Diakonie Württemberg.

Die Organisatoren der Veranstaltung verstehen ihr Programm als Erwachsenenbildung: „Aber natürlich ist es keine Fachtagung im herkömmlichen Sinn. Wir müssen bei der Programmgestaltung auf die Bedürfnisse aller Teilnehmer achten“, erklärt Keppler. Rund zwei drittel der Teilnehmer sind Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Darüber hinaus haben ehrenamtliche Mitarbeiter aus Kirchengemeinden, Fachleute aus der Ambulanten und ­Offenen Hilfe sowie Interessierte mitgewirkt.

Viele der Teilnehmer kennen sich bereits, denn initiiert durch die Lebenshilfe Baden Württemberg wurde die erste Inklusionstagung im Stift bereits vor vier Jahren veranstaltet. Sie findet seitdem jährlich statt und wurde diesmal in Zusammenarbeit mit dem Pädagogisch-Theologischen Zentrum Stuttgart (PTZ) organisiert.

In die Tagung eingeführt wurde am Donnerstagmorgen mit einem Beitrag über Lebensweltenkonzepte durch Prof. Dr. Paul-Stefan Roß von der Dualen Hochschule Baden Württemberg. Der Vortrag sollte die Verständnisgrundlage für die anstehende Projektarbeit legen: „Es war spannend zu sehen, wie dieses komplexe Thema in einfacher Sprache vermittelt wurde“, erzählt Keppler. „Vermeintlich einfache Begriffe können unheimlich schwierig zu erklären sein.“

In den Arbeitsgruppen befassten sich die Teilnehmer unter der Betreuung eingeladener Referenten, etwa aus der Pädagogik, mit den Themen Kirche und Gemeindeleben, Interkulturalität und soziale Integration. Darüber hinaus wurde auch ein Kunstworkshop angeboten. Eine kreative Herangehensweise sei ohnehin bei allen Programmpunkten notwendig: „Kreatives Arbeiten nimmt die Angst, Fehler zu machen. Vor allem Menschen ohne Behinderung können da noch viel lernen“, so Keppler.

Da Teilnehmer mit unterschiedlichen Graden einer Behinderung vertreten waren, ist nicht immer festzustellen, inwiefern die Inhalte individuell aufgenommen wurden. „Aber jeder erlebt die Tage auf seine Weise“, erklärt Elke Theurer-Vogt vom PTZ. „Und nicht jeder muss das Gleiche mitnehmen.“ Es ist gerade die Heterogenität, die an diesen beiden Tagen erwünscht war.

Aktionsplan „Inklusion leben“

Evangelische Kirchengemeinden werden bei inklusionsfördernden Projekten noch bis 2020 von der Landeskirche unterstützt. Die Veranstaltungen dürfen eigenständig ins Leben gerufen werden. Für die Konzeption und Vorbereitung wurde ein Leitfaden herausgegeben. Darin enthaltene Checklisten unterstützen die Veranstalter, die besonderen Ansprüche einiger Teilnehmer bei der Programmgestaltung im Auge zu behalten. Ideen können Wolfram Keppler telefonisch (0711 1757 167) oder per Mail (keppler.w@diakonie-wue.de) übermittelt werden.

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