Bad Urach Ein siegreicher Kürassier

Imposant: Das Team um den Bad Uracher Hans Pecovnik bei einem Auftritt. Foto: RossFoto, Dana Krimmling
Imposant: Das Team um den Bad Uracher Hans Pecovnik bei einem Auftritt. Foto: RossFoto, Dana Krimmling
KIRSTEN OECHSNER 25.05.2013
Hans Pecovnik hat im Reitsport das Besondere gesucht und mit dem Kavallerie-Reiten gefunden: Dieser Tage gewann der Uracher mit seinem Team die Deutsche Meisterschaft als Kürassier.

Schon immer hat Hans Pecovnik im Reiten die Herausforderung gesucht, wollte mehr als die üblichen Disziplinen absolvieren. So schlüpft der Bad Uracher seit vielen Jahren in die Rolle eines Landsknechts und nimmt mit einer Gruppe als Darsteller an großen Ritterturnieren und anderen Spektakeln teil. Weil man sich in der Szene kennt, wurde er vor einem Jahr vom Günzburger Fritz Junginger auf eine relativ neue Form des Reitsports - der Verband hat sich vor zwei Jahren gegründet - angesprochen und zum Mitmachen animiert: dem Kavallerie-Reiten. Und so schlüpft Hans Pecovnik nun regelmäßig reitend in eine weitere Rolle und zwar in die eines Kürassiers im Regiment von Gottfried Heinrich Graf von Pappenheim um 1630, die Zeit des 30-jährigen Krieges. Bekannt ist das Regiment im übrigen auch aus Schillers "Wallenstein".

Nun erkämpfte sich das vierköpfige Team um den Uracher in den authentischen Uniformen aus dem 17. Jahrhundert den Sieg bei den Deutschen Meisterschaften in Gotha. Damit hat es sich nun für die Weltmeisterschaften 2014 in der Schweiz qualifiziert.

Die Uniformen, die blitzenden Helme und Waffen, aber auch die schmucken Fahnen und edel geschmückten Hüte können leicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich beim Kavalleriereiten um einen anspruchsvollen Wettkampf handelt, der hohe Anforderungen an Ross und Reiter stellt: Die Freizeit-Kavalleristen müssen in vier Mannschafts- und mehreren Einzelprüfungen ihr Können unter Beweis stellen. Ein Patrouillenritt über 25 Kilometer, wobei die Abteilung mehrere Aufgaben erfüllen muss, gehört ebenso zu dieser ungewöhnlichen Sportart wie ein Mannschafts-Formationsreiten oder ein Waffenparcours mit Säbel, Lanze und Pistole: "Wir schießen mit einer Vorderladerpistole", erklärt Hans Pecovnik. Und auch in Sachen Material wolle man so authentisch wie möglich sein - Zäume, Sattel und das restliche Equipment orientieren sich an die Zeit der Pappenheimer Kürassiere. Das erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit der Historie, für die Recherche ist vor allem Teamkollege Professor Dr. Eberhard Kern aus Langenau verantwortlich.

Gleichzeitig ist diese vielseitige Art des Reitsport trainingsintensiv und erfordert eine spezielle Vorbereitung. Mindestens ein Mal im Monat trifft sich das Team, zu ihm gehört noch Alexander Junginger, zum Training, vor dem Wettkampf kamen die vier Reitsportler noch öfters zusammen. Zudem bereitet sich jeder noch in Eigenregie vor: "Die Disziplinen sind für das Pferd sehr anstrengend, und es muss sehr gut trainiert sein", weiß Hans Pecovnik. "Außerdem muss es ein großes Vertrauen zum Reiter haben. Sonst ist der Sport nicht machbar, gerade wenn man schießt."

Er selbst trainiert mit vier seiner sechs Pferde, mit einem Meistertitel hat er bei seinem Premiere-Wettkampf jedoch nicht gerechnet. Der 49-Jährige wird dabei bleiben, das Kavallerie-Reiten hat es ihm angetan. "Es ist speziell und diffizil", meint er zu dieser ganz besonderen Herausforderung. "Die Pferde müssen gut funktionieren, und man muss vertrauensvoll miteinander arbeiten." Sein Resümee fällt deshalb positiv aus: "Das Kavallerie-Reiten ist anstrengend, macht aber Laune." Reizvoll sei auch die Kameradschaft unter den Kavallerie-Reitern und die für den Novizen einzigartige Atmosphäre. Beim Wettkampf fühlte er sich mittendrin in der Geschichte, zumal auch die Zuschauer zum Teil darauf eingegangen seien, und die historische Rennbahn in Gotha fürs entsprechende Ambiente sorgte.

Demnächst schlüpft Hans Pecovnik übrigens für ein "Heimspiel" wieder einmal in die Rolle des Landsknecht: Beim Uracher Schäferlauf ist er mit rund 20 Mitreitern präsent, darunter die Deutschen Meister im Kavallerie-Reiten. Erst mit 30 Jahren hat der heute 49-Jährige als "ganz normaler Freizeitreiter" mit dem Reitsport begonnen und sich immer wieder neue Ziele gesetzt.

Das nächste heißt WM-Teilnahme, dafür muss das Team jedoch personell vergrößert werden: Wer sein Pferd beherrscht und Freude an diesem ungewöhnlichen Reitsport hat, kann sich beim Teamcoach Fritz Junginger unter Telefon: (01 72) 1 52 17 51 darüber informieren.