Dettingen Ein regionales Gut

Die Teilnehmer des Umgangs in der Anlage von Roland Lieb.
Die Teilnehmer des Umgangs in der Anlage von Roland Lieb. © Foto: Kirsten Oechsner
Dettingen / Kirsten Oechsner 26.06.2018

In der Erntezeit gibt es für Dettinger ein Hauptthema: Kirschen. Wichtiges Forum für den Austausch von Informationen ist der traditionelle Kirschenumgang des Obst- und Gartenbauvereins (OGV), über 30 Frauen und Männer liefen am Sonntag mit über die Streuobstweisen. Dieses Jahr sind die Bäume prall gefüllt mit Kirschen, sauren und extrem süßen. Sie heißen Weilheimer Riesen und Samba oder Satin, auch Sylvia und Regina gibt’s unter den unzähligen Sorten – absoluter Star ist die Ermstäler Knorpelkirsche. Über kaum ein Thema kann der Dettinger so ausgiebig sprechen wie die Kirsche. Da werden Meinungen ausgetauscht und Erfahrungen mitgeteilt, Paul Krohmer gilt als absoluter Fachmann und sein Rat ist gern gefragt: „Durch das trockene Frühjahr sind Pilzerkrankungen noch nicht so aufgetreten wie sonst“, teilt er auf eine entsprechende Frage mit. Und auch Schädlinge oder Lausbefall sind bis heute kein Thema: „Wir sind guten Mutes, dass wir einiges durchbringen.“ Aber, das Thema Kirschessigfliege sei noch nicht beendet: „Sie liebt die kühle Witterung, mal sehen was kommt“, erklärte Krohmer.

Wer in Dettingens Streuobstwiesen unterwegs ist, muss sich auf steile Wege einstellen. Und so ging’s beim Kirschenumgang auch erst einmal extrem in die Höhe, um auf der 52 Ar großen Anlage des OGV-Vorsitzenden Roland Lieb eine Infopause einzulegen. Dort berichtete er von den Erfahrungen mit einzelnen Sorten, lässt sie auch verkosten – direkt vom Baum weg oder bereits geerntete. Denn eines ist klar: Kirsche ist nicht gleich Kirsche, geschmacklich und in der Größe gibt es Unterschiede. Die einen taugen zum Verzehr, andere werden eingeschlagen oder zu Marmelade verarbeitet, auch das Einkochen ist möglich und eingefroren wird erst recht. Der Trend geht zwar dazu, die Kirschen in irgendeiner Form selbst zu verarbeiten, aber, so Paul Krohmer: „Das wird nicht mehr in den großen Mengen wie früher gemacht.“

Was vielen Obstbauern im Haupterwerb oder Freizeit-Gütlesbesitzern bleibt, ist die Direktvermarktung: „Kirschen als regionales Produkt dürfen einen Wert haben“, machte Roland Lieb deutlich. Der Marktpreis liege derzeit bei 6,50 Euro. Immerhin habe man viel Arbeit mit ihnen, vom Mähen der Wiesen über die Pflege der Bäume bis letztlich zur Ernte – und die ist gerade bei Kirschen mühsam. Laut Liebs Erfahrungen würden viele Menschen das auch honorieren, andere zum Bedauern der Gütlesbesitzer indes nicht: Es greife immer mehr eine Selbstbedienungsmentalität um sich. „Es gibt viele Bäume, die im unteren Bereich abgeerntet sind“, berichtete Paul Krohmer aus eigener Erfahrung. Ein ärgerliche Entwicklung über die neben anderen Themen nach dem eigentlichen Kirschumgang beim abschließenden Hock ausgiebig diskutiert wurde.

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Besucher haben die Chance genutzt, sich über Kirschen und den Anbau zu informieren. Der Obst- und Gartenbauverein Dettingen hatte zum Kirschenumgang geladen.

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