Der Plan der Gemeindeverwaltung, die Kinderbetreuung in St. Johann auf drei Standorte zu konzentrieren und jene in Upfingen und Bleichstetten ab dem kommenden Kindergartenjahr zu schließen, schlägt hohe Wellen. Am Freitagabend kamen rund 100 Einwohner im Jugendraum des Bleichstetter Kindergartens zu einer durch den Ortschaftsrat einberufenen Bürgerversammlung zusammen. Sie übten teils scharfe Kritik am Vorhaben, sie fürchteten um die Attraktivität des Orts, diskutierten aber auch Ansätze, das Zentrum zwischen Schule und Kirche mit Leben zu füllen.

Das dies nach einer möglichen Schließung des Kindergartens mehr denn je notwendig ist, unterstrich Ortsvorsteher Siegfried Unruh bereits während der Vorstellung der Pläne im Rat der Gesamtgemeinde. Um die Lücke zu schließen, die die Aufgabe des Kindergartens reißen würde, forderte er damals ein Bürgerhaus für Bleichstetten, wie es auch in den anderen St. Johanner Ortsteilen zu finden ist. Nun kamen weitere Vorschläge von Einwohnern hinzu. Zum Beispiel vom "Kulturverein St. Johann". Hervorgegangen aus dem Jugendforum, steht er kurz vor seiner Gründung und hat bereits jetzt konkrete Vorstellungen. Die jungen Leute wollen in der Bleichstetter Schule ein Café einrichten, das mit generationsübergreifenden Kulturangeboten für Farbtupfer im Ort sorgen soll. Darüber hinaus können sich die Bleichstetter die Einrichtung eines Schulmuseums ebenso vorstellen, wie das Gebäude als touristische Info- und Anlaufstelle zu nutzen.

Ein anderer Veranstaltungsort im Ort existiert schon heute mit dem Jugend- und Vereinsraum im Kindergarten. Und daran soll sich auch nach der möglichen Schließung der Einrichtung nichts ändern, wie Bürgermeister Florian Bauer bekannte: Ein Fehler wäre es, ihn ersatzlos zu streichen. Was die künftige Nutzung des übrigen Gebäudeensembles betrifft, hörte Bauer "viele tolle Ideen", wie er auf die Versammlung zurückblickte. Sie reichten von einer Pflegestation bis hin zur Einrichtung eines Mehrgenerationenhauses.

Ideen, die er als Hinweis wertet, konstruktiv an einem Projekt mitwirken und mitdenken zu wollen, das den Ort attraktiver machen soll. Ob es die Nutzung des Kindergartens und seines Spielplatzes ist, die Zukunft des Farrenstalls oder das Schulgebäude, samt einem möglichen Anbau daran: Er wähnt den Ort vor einer städtebaulichen Herausforderung. Eine allerdings, die nicht in wenigen Tagen erledigt sein könne. Zumal Konzepte erst gemeinsam entwickelt werden müssen und nicht bereits fertig in der Schublade liegen.

Besiegelt scheint hingegen schon jetzt die Zukunft des Bleichstetter Kindergartens zu sein. Daran entzündete sich im Rahmen der Bürgerversammlung deutliche Kritik, sehen doch viele mit ihm das letzte Stück Infrastruktur wegbrechen und halten ein Dorf ohne Kindergarten für undenkbar. Skepsis wurde auch gegenüber der vorangestellten Kostenschätzung eines Architekturbüros aus dem Jahr 2012 laut. Es listet Kosten von 1,04 Millionen Euro, die bei einer Sanierung des Bleichstetter Kindergartens fällig würden. Bauer sieht indes keinen Grund, jenen Zahlen zu misstrauen. Sie würden vielmehr illustrieren, das ein Festhalten an der Einrichtung nicht mehr darstellbar sei. Und das, wie er betont, weder in finanzieller, noch in pädagogischer Hinsicht. Bei einem Fortbestand geht er von nur mehr 12 Kindergartenkindern aus.