Grafenberg Easy Riding auf dem Kleinkraftrad

Seit 2014 machen sich die Moped-Enthusiasten auf zu immer neuen Zielen in Baden-Württemberg.
Seit 2014 machen sich die Moped-Enthusiasten auf zu immer neuen Zielen in Baden-Württemberg. © Foto: Seit 2014 machen sich die Moped-Enthusiasten auf zu immer neuen Zielen in Baden-Württemberg. Foto: Nicole Wieden
Grafenberg / Nicole Wieden 18.07.2018

Wer in den 60ern auf dem Schulhof mit einem feschen Moped – am Ende noch mit einer Kreidler Florett – aufkreuzte, der sah sich sofort von den Mitschülern umzingelt. Und wenn Hauke König heute mit seinen Freunden auf ihren restaurierten Satteln über das Land zieht, dann weht ihnen wieder ein Hauch vom Ruhm der wilden Jahre über das Gesicht: „Man lernt unterwegs unheimlich viele Menschen kennen“, erzählt König. „Sie bleiben stehen, wollen sich unsere Mopeds anschauen und sich unterhalten.“

In den 2010ern haben sich die Mopeds der 50er und 60er schleichend zu Kultobjekten gewandelt. Während die Zweiräder auf Auktionsseiten wie Ebay noch vor sieben Jahren zu Schleuderpreisen verkauft wurden, werden für ein restaurierungsbedürftiges Modell mittlerweile bis zu 2500 Euro hingeblättert.

Ein Privatmuseum

Hauke König hat diesen Wandel miterlebt. Denn der Zweiradmechanik-Meister beherbergt neben einer stattlichen Sammlung an Fahrrädern im unteren Stock seines Wohnhauses mehr als 15 Mopeds im Gewölbekeller. Diese hat er in den vergangenen Jahren ersteigert und eigenhändig wieder in Schuss gebracht.

Bei seiner Arbeit orientiert er sich nicht unbedingt an der Originalkonstruktion, sondern passt das Gefährt seinen eigenen Vorstellungen an. Für das beständig wachsende Privatmuseum wird er bald Ausschau nach weiteren Räumlichkeit halten müssen, denn König trennt sich grundsätzlich nicht von seinen Schätzen. In ihnen stecke einfach zu viel Arbeit drin.

Mit seiner Begeisterung ist der Mechaniker aus Grafenberg nicht allein. Seit 2014 ist er mit einer mittlerweile zehnköpfigen Gruppe ein Mal im Jahr auf einer drei- bis viertägigen Moped-Tour unterwegs durch Baden-Württemberg. Die Region zu entdecken sei neben dem Nostalgiefaktor das schönste an diesem Hobby: „Auf dem Motorrad zieht alles viel zu schnell an einem vorbei“, so König. „Aber mit dem Moped kann man auch auf Feldwegen fahren und Ecken unserer Region erkunden, die man nicht so schnell zu sehen bekommt.“

Die meisten im Freundeskreis besitzen mehr als nur ein Moped, darunter befinden sich zum Beispiel Modelle von Puch, DKW, Hercules und selbstverständlich von Kreidler. Entworfen vom Flugzeugbauingenieur Johann Hilber, wirkt die Florett aus dem Jahr 1957 trotz des kleinen Motors beinahe wie ein echtes Motorrad, und erlangte unter den Jugendlichen Kultstatus, der für König und seinen Freundeskreis bis heute andauert.

Dank ihrer soliden Verarbeitung rollen die Oldtimer heute noch ordentlich über die Straße, vorausgesetzt man kümmert sich um das Gefährt. „Jeder von uns schraubt selbst an seinem Moped“, erzählt Martin Geppert, der die Begeisterung ausgelöst hatte, als er sich aus einer Laune heraus auf sein altes Moped setzte und seine Freunde animierte. „Und im Notfall wird Hauke angerufen.“

Bei einer Tour stets im Gepäck ist daher der Werkzeugkasten. Die Erfahrung hat zudem gelehrt, dass dieser in jedem Fall mit Glühbirnen und einer Ersatzkette ausgestattet sein sollte. Liegen geblieben sei noch keiner. Nur einmal war fünf Kilometer vor dem Ziel nichts mehr zu machen: „Da sind wir gerade von der Alb zurückgekommen. Der Fahrer konnte also zum Glück runterrollen und auf den letzten Metern wurde geschoben“, lacht Hauke König.

Mit stilvollem Schwung

Zu einem 200 Jahre alten Bauernhof im Schwarzwald hat kürzlich die diesjährige Tour geführt, außerdem standen diverse Technik- und Motorsportmuseen auf dem Programm.

Als die Gruppe in Grafenberg startet, zeigt sich der Himmel jedoch in bedenklichem Grau, aber die Männer schwingen sich trotzdem in den Sattel. In verwegener Manier, versteht sich.

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