Region / REG  Uhr
Mehr als drei Stunden lang haben die Bürger angeregt und streitbar mit Landrat, Geschäftsführung und Vertretern der Klinikärzte über die Zukunft des Bad Uracher Krankenhauses diskutiert.

Mehr als drei Stunden lang haben die Bürger angeregt und streitbar mit Landrat, Geschäftsführung und Vertretern der Klinikärzte über die Zukunft des Bad Uracher Krankenhauses diskutiert. Einige Fragen und Stellungnahmen im Überblick:

· "Was passiert, wenn es nachts in der Klinik einen Notfall gibt und beispielsweise eine Platzwunde zu nähen ist, aber kein Chirurg im Haus ist?"

"Im Haus sind zwei Ärzte präsent, ein Anästhesist und ein Arzt aus dem Bereich Inneren Medizin. Beide besitzen die notwendige Ausbildung, um Notfälle richtig zu versorgen", erklärte Professor Dr. Friedrich Pühringer, ärztlicher Direktor der Kreiskliniken. Außerdem falle auch nicht jede Nacht ein Patient um und schlage sich den Kopf auf.

· "Es kann nicht sein, dass in der Nacht so wenig Notfälle an der Ermstalklinik registriert werden. Stimmen die Zahlen?"

"Ja, die Zahlen sind belastbar", sagt Geschäftsführer Norbert Finke. "Es ist nicht möglich, die Zahlen zu manipulieren, weil jeder Patient, der in ein Krankenhaus kommt, registriert werden muss, bevor er behandelt werden kann", erklärt Professor Pühringer. Außerdem bestätige der Leiter der DRK-Rettungswache Bad Urach mit einer Statistik, dass zwischen Mai 2014 und Ende April 2015 im Schnitt 1,1 nächtliche Krankentransporte in der Ermstalklinik ankamen.

· Ein Bürger vertrat die Meinung, die Zahlen seien manipuliert. Die Klinikleitung übe Druck auf die Krankenwagenfahrer aus, damit diese Patienten bevorzugt nach Reutlingen bringen.

"Die Klinikleitung hat keine Möglichkeit, das DRK zu beeinflussen", betont Professor Pühringer. Wohin der Krankenwagen fahre, sei der jeweiligen Besatzung überlassen. Auch der Notarzt entscheide eigenständig vor Ort. "Es stimmt nicht, dass wir Patienten nach Reutlingen abziehen."

· Eine Bürgerin berichtete, sie habe die Erfahrung gemacht, dass ein Patient erst nach mehrfachem Bitten in die Ermstalklinik gefahren worden sei.

"Der Leiter der Bad Uracher Rettungswache sagt, das Rote Kreuz fahre Notfallpatienten eher nicht in die Ermstalklinik", zitierte Landrat Thomas Reumann aus einem Schreiben. Das habe allerdings nur einen Grund: Dem Erkrankten solle möglichst die gesamte Bandbreite der medizinischen Versorgung zur Verfügung stehen, was in Reutlingen der Fall sei.

· "Ich habe den Eindruck, in der Notaufnahme in Bad Urach ist mehr los, als die nackten Zahlen vermuten lassen."

"Bis etwa 21 Uhr scheint Bedarf für eine Notfallversorgung in Bad Urach zu bestehen", erklärt Professor Pühringer.

· "Was passiert mit Patienten, deren Behandlung um 22 Uhr noch nicht beendet ist?"

"Deren Behandlung wird selbstverständlich beendet", sagt Neurologe Dr. Frank Andres.

· "Was geschieht, wenn sich ein Patient nach 22 Uhr selbstständig auf den Weg in die Ermstalklinik macht, weil er einen Arzt benötigt?"

" Es wird sich sicher rasch herumsprechen, dass ab 22 Uhr Reutlingen für Notfälle zuständig ist", sagt Professor Pühringer. "Eine solche Regelung ist vollkommen üblich. Auch in Stuttgart nimmt nicht jede Klinik jeden Tag Patienten auf. Wenn sich die Regelung für Bad Urach herumgesprochen hat, dann schaffen die Leute auch die wunderbaren 15 Kilometer. Die Türe in Bad Urach ist videoüberwacht, wenn jemand davor liegt, wird ein Alarm ausgelöst. Das ist bereits heute so."

· "Es ist schön, dass die Kreiskliniken die Angebote stärken, die es nur in Bad Urach gibt, wie die Altersmedizin und Neurologische Frühreha. Es sieht nun aber so aus, dass sich die Ermstalklinik in eine Richtung entwickelt, von der die Allgemeinheit nicht mehr viel hat."

"Es ist keineswegs so, dass die Klinik ihre Funktion in der Grundversorgung der Bürger verliert", erklärt Neurologe Dr. Frank Andres. Vielmehr werde das bestehende Angebot aufrechterhalten. Lediglich die Betten der Allgemeinen Chirurgie würden reduziert. Die Unfallchirurgie bleibe wie gewohnt bestehen.

· "Es entsteht der Eindruck, nur Bad Urach muss bestimmte Bereiche abgeben, in Reutlingen und Münsingen wird nicht gespart."

"An keinem Klinikstandort wurde in den vergangenen Jahren so viel investiert wie in Bad Urach", kontert Professor Pühringer. Dafür stehe der Ausbau der Altersmedizin sowie der Einzug der Neurologischen Frührehabilitation Phase B.

· "Haben die Aussagen von heute, keine Standortschließung, dauerhaft Bestand?"

"Nein", sagt Landrat Thomas Reumann. Er könne allerdings zusagen, bei allen möglichen Veränderungen stets das Wohlergehen aller drei Häuser im Blick zu behalten.

· "Wie viel wird in Urach überhaupt eingespart, wenn das Zukunftskonzept 2018 umgesetzt wird?"

"Rund 760 000 Euro werden eingespart", sagt Norbert Finke.